Die am Ende versammelten Grußadressen stammen zum Großteil von weniger bekannten Künstlerinnen. Doch man erinnert sich noch an Madonnas Solidaritätsauftritt mit Sturmmaske oder Žižeks schwärmende Worte über Punk, der postmoderne Zyniker widerlegt. Klar ist: Pussy Riot waren auch global verkäuflicher Pop. Wo Kunst Kommerz wird, ist es mit der Subversion schnell vorbei, besonders wo sie vorgibt, das Gegenteil zu sein. Das zeigt der jüngste Streit zwischen der freigelassenen Katja und dem Ex-Verteidiger der Gruppe Mark Fejgin, der Pussy Riot, angeblich zu Schutzzwecken, als Marke registrieren lassen will. Pikantes Detail: Für die Produktion eines Pussy-Riot-Dokufilms sind ihm hohe Geldsummen versprochen wurden. Katja wehrt sich dagegen. Für sie ist Punk nicht verkäuflich.

Ein Beitrag zu einem zeitgemäßen Feminismus

Dass die Diskussion um den Ausverkauf im Buch keinen Platz findet, ist schade. Auf mangelnde Selbstkritik verweisen auch eine nicht unwesentliche Portion Pathos und Personenkult, die hier und da den Eindruck erwecken, bei Pussy Riot handle sich um geniale Prophetie statt um ernstzunehmende, politische Dissidenz. Diese Lücken hätten sich vielleicht durch eine weniger hermetische Textordnung schließen lassen. Doch zu sagen, der Sammelband beteilige sich an der kommerziellen Verklärung der Gruppe, würde seiner Motivation nicht gerecht. Er will einen Beitrag zu einem zeitgemäßen und linken Feminismus leisten, das zeigen schon die Vorworte der Originalausgabe und auch der deutschen. Wer also dem Medienhype um das Protesttrio keinen Glauben und dem Projekt Pussy Riot ernsthaftes Interesse schenken will, kommt an dem Sammelband nicht vorbei..

Apropos Feminismus: Mitunter hat das Buch auch komische Momente, etwa in der Lektüre des Gerichtsprotokolls. Ein Sicherheitsmann, der beim Punkgebet in der Erlöserkathedrale anwesend war, schildert hier persönliche Folgen des Auftritts. Zeuge: "Ich war traumatisiert und dadurch zwei Monate nicht arbeitsfähig." Nadja: "Finden Sie das Wort Feministin beleidigend?" Zeuge: "Allerdings. Für einen orthodoxen Gläubigen ist es eine Beleidigung, eine Obszönität." Nadja: "Wissen Sie, was das Wort Feminismus bedeutet?"

Der Richter erklärt die Frage für unzulässig.