ArbeitsbedingungenEin Amazon-Boykott wird nicht helfen

Seit über die Arbeitsumstände bei Amazon berichtet wurde, regt sich Widerstand bei Verlegern und Kunden. Viel tun können sie gegen den Monopolisten nicht.

Ein Amazon-Logistikzentrum in Graben bei Augsburg

Ein Amazon-Logistikzentrum in Graben bei Augsburg

Ach, hätte dieser Jeff Bezos doch Amazon nie gegründet. In der Buchbranche ist diese Klage schon seit Längerem zu vernehmen. Weil um den US-amerikanischen Online-Händler weder Verleger noch Buchhändler mehr herum kommen, hat der angefangen, seine Konditionen zu diktieren. Und wie das mit Diktaten so ist, sie erfreuen meist nur eine Seite.

Hätte es doch Amazon nie gegeben! Dann wäre das Unternehmen unzweifelhaft in Deutschland erfunden worden. Tatsächlich liebt man in Deutschland Amazon wie fast nirgendwo sonst. Aus einer Mitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC ging jüngst hervor, dass 2012 der deutsche Amazon-Shop 6,5 Milliarden Dollar einspielte – 14 Prozent des weltweiten Amazon-Umsatzes.

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Und es ist auch klar, warum die Deutschen Amazon so lieben: aus Bequemlichkeit und Sparsamkeit. So wie man früher bei Thalia oder Hugendubel am bequemsten einkaufen konnte, weil sie an jeder Ecke stehen: So klickt man sich heute durch den Internet-Disounter Amazon.

 Nun wurde in einer ARD-Sendung berichtet, dass Amazon in seinen Lagerhallen Angestellte aufs Übelste ausbeute, beziehungsweise gar nicht erst anstelle, sondern ein Heer von Leiharbeitern in eine modernisierte Form der Sklaverei einspanne. Das hätte man im Land der Billigheimer zwar auch ohne die ARD ahnen können, aber wie auch immer: Die Empörung ist groß.

Den Kunstbuch-Verleger Christopher Schroer hat dieser Bericht veranlasst, sich mit einem offenen Brief an Jeff Bezos zu richten und seine Kontrakte mit dem Teufel Amazon zu kündigen. Das ist ohne Zweifel ein zu begrüßender Schritt, überaus ehrenwert – Schroer kann ihn sich aber auch leisten. Wirtschaftlich habe sich das Geschäftsmodell Amazon für ihn nie gelohnt, schreibt er. Die Abkehr kostet ihn also nichts.

Für jeden Verlag, der mehr als nur ein handverlesenes Publikum bedient, dürfte Schroers Schritt schwieriger werden. Rund 20 Prozent des Buchhandels bestimmt Amazon jüngsten Schätzungen des buchreports zufolge. Darauf zu verzichten, brächte viele Verlage an den Rande des Ruins. Als Ausweg bleibt da nur: von Amazon lernen und mit Amazon konkurrieren.

Sollten wir Konsumenten Amazon boykottieren?

Die Verlage und Buchhändler müssten gemeinsam eine Online-Plattform aufbauen, die im Service Amazon nicht nachsteht. Oder besser noch: eine Plattform, die dank der geballten Expertise von Verlagen und Buchhandel den Käufern mehr zu bieten hat als Amazon. Einen ersten, noch unbeholfenen Versuch in dieser Richtung hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels schon vor einigen Jahren mit libreka gewagt. Darauf ließe sich jetzt aufbauen.

Und wir, die Konsumenten? Wenn schon nicht die Verlage nach dem Vorbild Christopher Schroers Amazon boykottieren können: Sollten wir es nicht tun? Sollten wir nicht endlich unsere Sparsamkeit und Bequemlichkeit zum Teufel jagen und zu kritischen Konsumenten werden?

Diese von vielen erhobene Forderung ist aber einfacher aufgestellt als umgesetzt. Es gibt ja gute Gründe für Bequemlichkeit und Sparsamkeit. Vor allem verfehlt der Aufruf zum Boykott mit seinem moralisierenden Unterton die politische Dimension des Problems. Der Einzelne soll wieder richten, was die Politik verbockt.

Da wäre es doch besser, über ein verschärftes Wettbewerbsrecht nachzudenken. Auch in einer freien Marktwirtschaft sollten sich die Regeln so gestalten lassen, dass im Netz ein Quasi-Monopolist wie Amazon gar nicht erst entstehen kann. Oder eben nachträglich zerschlagen werden muss.

 
Leserkommentare
  1. Abgesehen von den Kundenrezensionen (zu denen ich auch beitrage und die m.E. einen deutlichen Mehrwert darstellen, weil davon ausgegangen werden kann, dass der Rezensent dem Produzenten in keinster Weise verpflichtet ist) gibt es bei Amazon für viele Artikel die Möglichkeit, an eine zweite Adresse z.B. im Ausland ohne Zollformularitäten etc. zustellen zu lassen. Mein Enkelchen, welches in Fremont, CA., USA, lebt, hat es immer gefreut.

    Eine Leserempfehlung
  2. Da kommen sie wieder alle um die Ecke, die das Internet schon immer für Anarchie hielten und glauben, jetzt darin bestätigt zu werden.
    Verblüffend, was hier alles für ein Unsinn geschrieben wurde von Leuten, die offenkundig nicht gut informiert sind.
    Amazon bezahlt seine Leute nicht schlecht, auch nicht die Saisonarbeiter. Ein Stundenlohn von über neun Euro ist ziemlich gut für eine ungelernte Kraft.

    Dass Amazon ein Monopolist sein soll, ist natürlich Quark, macht sich aber immer mal wieder ganz gut in solchen Artikeln, man braucht ja möglichst viele Klicks und Page Impressions.
    Dass der Laden zerschlagen werden soll, ist genau so hirnrissig. Da macht jemand im Sinne des Kunden alles richtig und soll dafür bestraft werden?
    Das ist wahrhaft lächerlich.
    Man sollte nie vergessen, dass die Stärke des einen immer die Schwäche des anderen ist. Will sagen: wo ist denn die Konkurrenz zu Amazon? Wer hat sich denn da warum nicht getraut, Ähnliches auf den Weg zu bringen? Wo bleibt also die deutsche oder europäische Alternative?
    Die wollten wohl das Risiko nicht eingehen. Dann sollen sie aber auch nicht meckern.

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  3. warum sind Sie nicht "noch moralischer"?...zu teuer?

    Antwort auf "@Horst Schmitz"
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    "übrigens: warum sind Sie nicht "noch moralischer"?...zu teuer?"

    Weil ich kein Heiliger bin, sondern ein ganz normaler Mensch mit Schwächen.
    Deswegen versuche ich meine Moral auch nicht anderen aufzudrängen, auch wenn mir das als Vegetarier immer wieder mal vorgeworfen wird. Wenn ich von etwas überzeugt bin, argumentiere ich natürlich auch dafür, was von einigen immer gleich persönlich genommen wird.

    Eigentlich weiß ich ja, dass dieser Vorwurf man sei nicht noch moralischer oft aus einer selbstgewählten Opfer- oder Verteidigungsrolle heraus geschieht. Dennoch empfinde ich es als bequem, wenn man sich in seinen moralischen Standpunkten angegriffen fühlt dann einfach nur die Standpunkt des anderen anzugreifen oder lächerlich zu machen und weiß darauf hin.

    "übrigens: warum sind Sie nicht "noch moralischer"?...zu teuer?"

    Weil ich kein Heiliger bin, sondern ein ganz normaler Mensch mit Schwächen.
    Deswegen versuche ich meine Moral auch nicht anderen aufzudrängen, auch wenn mir das als Vegetarier immer wieder mal vorgeworfen wird. Wenn ich von etwas überzeugt bin, argumentiere ich natürlich auch dafür, was von einigen immer gleich persönlich genommen wird.

    Eigentlich weiß ich ja, dass dieser Vorwurf man sei nicht noch moralischer oft aus einer selbstgewählten Opfer- oder Verteidigungsrolle heraus geschieht. Dennoch empfinde ich es als bequem, wenn man sich in seinen moralischen Standpunkten angegriffen fühlt dann einfach nur die Standpunkt des anderen anzugreifen oder lächerlich zu machen und weiß darauf hin.

  4. Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Es muss natürlich ein Maßnahmenbündel sein, welches hier zum Tragen kommen muss.

    Der TV-Bericht hat zumindest schon ein wenig bewirkt. Die H.E.S.S. (Ein Schelm wer Böses denkt) Nazi-Aufseher sind ihrer Aufgaben entbunden worden.

    2 Leserempfehlungen
  5. bedeutet einen Umsatz von fast 18 Millionen € tgl. rund um die Uhr, Sonn- und Feiertage incl.
    Diese Umsätze generiert Amazon nicht, weil Sie Mitarbeiter schikaniert oder ausbeutet, sondern weil Sie ein unschlagbar großes Sortiment anbieten, einen excellenten Service liefern und obendrein günstige Preise (außer Bücher) bieten.
    Wenn Amazon die von der Regierung gesetzten Rahmenbedingungen der Arbeitswelt (Schikane mal ausgenommen) nutzt, ist es Aufgabe der Politiker das zu ändern und nicht darüber zu klagen das es getan wird. Wenn die Regierung sich dazu durchringen sollte kommt als erste die FDP und schreit "Das kostet Arbeitsplätze" (bei amazon:-) )

    5 Leserempfehlungen
  6. Ich wundere mich immer wieviele Worte gefunden werden, um relative Kleinigkeiten nicht in die Tat umsetzen zu müssen. Und wer etwas ändern möchte und sich engagieren möchte eher angefeindet wird, als (wie hier zum Beispiel) gewissenlose Geschäftemacher. Letzten Endes ist doch der Konsument am längeren Hebel. Und von wegen Sozialromantik: Nich' lang Schnacken, ab in den nächsten Buchladen des Vertrauens!

    4 Leserempfehlungen
  7. Sind Zeit-Leser wirklich so naiv zu denken, dass dies eine Ausnahme ist?

    So ein kleiner Verlag wie ihn Herr Schroer betreibt macht im Grunde das Gleiche wie Amazon... nur mit anderen Geschäftspartnern. Besteht Herr Schroer auf eine tarifliche Bezahlung der Druckvorstufe, Drucker, Helfer, Buchbinder oder nimmt er das Angebot was ihm am meisten Marge verspricht.

    6,20 Euro/Stunde verdient ein Helfer in der Druckvorstufe im Osten (Region Dresden), ein Drucker bekommt man für 7,70 Euro und einen Meister für 9 Euro.

    Sicherlich hat der ein oder andere Zeit-Leser auch Personalverantwortung... na, wie viele Praktikanten beschäftigen sie? Wie viel ist die Leistung dieser Praktikanten wert? Ich wette günstiger als der billigste Leiharbeiter.

    Frau von der Leyen's Agentur ist in Amazon-Standorten quasi die Amazon-Personalabteilung. JEDER wird erstmal dorthin geschickt - und auch andere dubiose Unternehmen profitieren von dieser Praktik.

    Ich bin und bleibe Amazon-Kunde und zwar weil ich dort bekomme was mir der Einzelhandel nicht bietet. SERVICE, Umtauschrecht, Kulanz. Beim Händler vor Ort muss man mit dem BGB unter dem Arm sein Recht auf Mängelbeseitigung oder Wandlung einfordern - bei Amazon reicht ein Klick.

    Ich will nicht wissen wie viele Leser kostenlose Visitenkarten in den Taschen herumtragen - produziert von Druckereien, deren Betreiber nicht wissen wie man Tarif schreibt.

    7 Leserempfehlungen
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    Hast Du Dich heute schon geärgert, war es heute wieder schlimm?

    Hast Du Dich wieder gefragt, warum kein Mensch was unternimmt?

    Du musst nicht akzeptieren, was Dir überhaupt nicht passt.

    Wenn Du Deinen Kopf nicht nur zum Tragen einer Mütze hast, ohoho.

    Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
    Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt.

    Glaub keinem, der Dir sagt, dass Du nichts verändern kannst.
    Die, die das behaupten, haben nur vor der Veränderung Angst.
    Es sind dieselben, die erklären, es sei gut so, wie es ist.
    Und wenn Du etwas ändern willst, dann bist Du automatisch Terrorist.

    Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
    Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt.

    Weil jeder, der die Welt nicht ändern will, ihr Todesurteil unterschreibt.

    "Lass uns diskutieren, denn in unserem schönen Land,
    sind zumindest theoretisch alle furchtbar tolerant.
    Worte wollen nichts bewegen, Worte tun niemandem weh.
    Darum lass uns drüber reden. Diskussionen sind ok."

    Nein - geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren.

    Denn wer nicht mehr versucht zu kämpfen, kann nur verlieren!
    Die Dich verarschen, die hast Du selbst gewählt.

    Darum lass sie Deine Stimme hören, weil jede Stimme zählt, ohoho.

    Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
    Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt.

    "Geräusch" Die Ärzte

    Hast Du Dich heute schon geärgert, war es heute wieder schlimm?

    Hast Du Dich wieder gefragt, warum kein Mensch was unternimmt?

    Du musst nicht akzeptieren, was Dir überhaupt nicht passt.

    Wenn Du Deinen Kopf nicht nur zum Tragen einer Mütze hast, ohoho.

    Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
    Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt.

    Glaub keinem, der Dir sagt, dass Du nichts verändern kannst.
    Die, die das behaupten, haben nur vor der Veränderung Angst.
    Es sind dieselben, die erklären, es sei gut so, wie es ist.
    Und wenn Du etwas ändern willst, dann bist Du automatisch Terrorist.

    Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
    Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt.

    Weil jeder, der die Welt nicht ändern will, ihr Todesurteil unterschreibt.

    "Lass uns diskutieren, denn in unserem schönen Land,
    sind zumindest theoretisch alle furchtbar tolerant.
    Worte wollen nichts bewegen, Worte tun niemandem weh.
    Darum lass uns drüber reden. Diskussionen sind ok."

    Nein - geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren.

    Denn wer nicht mehr versucht zu kämpfen, kann nur verlieren!
    Die Dich verarschen, die hast Du selbst gewählt.

    Darum lass sie Deine Stimme hören, weil jede Stimme zählt, ohoho.

    Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
    Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt.

    "Geräusch" Die Ärzte

  8. ... dann kann Ihnen eine konkrete Alternative unterbreitet werden!

    Ich kann nicht garantieren, dass das bei allen Produkten klappt, aber bei einigen Produkten geht das sicherlich.

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