ArbeitsbedingungenEin Amazon-Boykott wird nicht helfen

Seit über die Arbeitsumstände bei Amazon berichtet wurde, regt sich Widerstand bei Verlegern und Kunden. Viel tun können sie gegen den Monopolisten nicht. von Maximilian Probst

Ein Amazon-Logistikzentrum in Graben bei Augsburg

Ein Amazon-Logistikzentrum in Graben bei Augsburg  |  © Michael Dalder/Reuters

Ach, hätte dieser Jeff Bezos doch Amazon nie gegründet. In der Buchbranche ist diese Klage schon seit Längerem zu vernehmen. Weil um den US-amerikanischen Online-Händler weder Verleger noch Buchhändler mehr herum kommen, hat der angefangen, seine Konditionen zu diktieren. Und wie das mit Diktaten so ist, sie erfreuen meist nur eine Seite.

Hätte es doch Amazon nie gegeben! Dann wäre das Unternehmen unzweifelhaft in Deutschland erfunden worden. Tatsächlich liebt man in Deutschland Amazon wie fast nirgendwo sonst. Aus einer Mitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC ging jüngst hervor, dass 2012 der deutsche Amazon-Shop 6,5 Milliarden Dollar einspielte – 14 Prozent des weltweiten Amazon-Umsatzes.

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Und es ist auch klar, warum die Deutschen Amazon so lieben: aus Bequemlichkeit und Sparsamkeit. So wie man früher bei Thalia oder Hugendubel am bequemsten einkaufen konnte, weil sie an jeder Ecke stehen: So klickt man sich heute durch den Internet-Disounter Amazon.

 Nun wurde in einer ARD-Sendung berichtet, dass Amazon in seinen Lagerhallen Angestellte aufs Übelste ausbeute, beziehungsweise gar nicht erst anstelle, sondern ein Heer von Leiharbeitern in eine modernisierte Form der Sklaverei einspanne. Das hätte man im Land der Billigheimer zwar auch ohne die ARD ahnen können, aber wie auch immer: Die Empörung ist groß.

Den Kunstbuch-Verleger Christopher Schroer hat dieser Bericht veranlasst, sich mit einem offenen Brief an Jeff Bezos zu richten und seine Kontrakte mit dem Teufel Amazon zu kündigen. Das ist ohne Zweifel ein zu begrüßender Schritt, überaus ehrenwert – Schroer kann ihn sich aber auch leisten. Wirtschaftlich habe sich das Geschäftsmodell Amazon für ihn nie gelohnt, schreibt er. Die Abkehr kostet ihn also nichts.

Für jeden Verlag, der mehr als nur ein handverlesenes Publikum bedient, dürfte Schroers Schritt schwieriger werden. Rund 20 Prozent des Buchhandels bestimmt Amazon jüngsten Schätzungen des buchreports zufolge. Darauf zu verzichten, brächte viele Verlage an den Rande des Ruins. Als Ausweg bleibt da nur: von Amazon lernen und mit Amazon konkurrieren.

Sollten wir Konsumenten Amazon boykottieren?

Die Verlage und Buchhändler müssten gemeinsam eine Online-Plattform aufbauen, die im Service Amazon nicht nachsteht. Oder besser noch: eine Plattform, die dank der geballten Expertise von Verlagen und Buchhandel den Käufern mehr zu bieten hat als Amazon. Einen ersten, noch unbeholfenen Versuch in dieser Richtung hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels schon vor einigen Jahren mit libreka gewagt. Darauf ließe sich jetzt aufbauen.

Und wir, die Konsumenten? Wenn schon nicht die Verlage nach dem Vorbild Christopher Schroers Amazon boykottieren können: Sollten wir es nicht tun? Sollten wir nicht endlich unsere Sparsamkeit und Bequemlichkeit zum Teufel jagen und zu kritischen Konsumenten werden?

Diese von vielen erhobene Forderung ist aber einfacher aufgestellt als umgesetzt. Es gibt ja gute Gründe für Bequemlichkeit und Sparsamkeit. Vor allem verfehlt der Aufruf zum Boykott mit seinem moralisierenden Unterton die politische Dimension des Problems. Der Einzelne soll wieder richten, was die Politik verbockt.

Da wäre es doch besser, über ein verschärftes Wettbewerbsrecht nachzudenken. Auch in einer freien Marktwirtschaft sollten sich die Regeln so gestalten lassen, dass im Netz ein Quasi-Monopolist wie Amazon gar nicht erst entstehen kann. Oder eben nachträglich zerschlagen werden muss.

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Leserkommentare
  1. ... ist nichts nichts anderes als die traurige Rechtfertigung für die eigene Bequemlichkeit und Bräsigkeit. Wie banal. Klar wird er nicht helfen, wenn es ihn nicht gibt. Weiter so, Amazon! Wir wollten nur mal kurz drüber geredet haben.

    57 Leserempfehlungen
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    • wawerka
    • 18. Februar 2013 17:26 Uhr

    ...der Einzelne mag alleine nichts verändern können, Herr Probst, aber ganz, ganz viele Einzelne sehr wohl. Ich habe vorgestern bei Amazon mein Konto gekündigt, viel zu spät, aber manchmal braucht es eben einen ganz konkreten Anstoß um über seine eigene Bequemlichkeit zu obsiegen. Ich habe mir fest vorgenommen, künftig entweder im lokalen Einzelhandel einzukaufen oder auch einfach mal mich selbst zu hinterfragen, ob ich all das, was ich mir so bequem mit Mausklick bestelle, eigentlich wirklich brauche.

    Selbstverständlich ist Amazon und der Umgang mit seinen (Sub-)-Angestellten nur das Symptom und nicht die Ursache. Aber auch hier kann das Individuum wählen, wem er seine Stimme gibt um das von ihm Gewünschte politisch umgesetzt zu sehen.

    Ich denke, mehr und mehr Menschen wird bewusst, dass im alldauernd anwährenden Konsum nicht das Glück zu finden ist. Bleibt die Frage, ob sich dies auch in politischen Entscheidungen niederschlägt. Im Moment sieht es nicht danach aus, aber was nicht ist, kann ja noch werden, die Hoffnung stirbt zuletzt.

    und werde mich der Bankroterklärung von H. probst natürlich nicht anschließen.

    Amazon steht auf tönernen Füßen. Die haben einen riesen Umsatz und einen verhältnismäßig kleinen Gewinn.

    Das Prinzip Amazon funktioniert nur über Masse. Entsprechend schmerzhaft ist da ein Verlust von Kundschaft.

    Mein Motto: Lauf net fort, kauf am Ort.

    https://www.change.org/de...

    Eine sinnvolle und gute Sache.

    Man kann was tun!
    Nicht immer nur im eigenen Egoismus einrichten.
    Bitte unterschreiben und weiterleiten - danke!

    Also ich habe zumindest die Hälfte des Berichtes im Ersten gesehen und erinnere mich an einen sehr manipulativen Bericht. Saisonarbeiter, die wegen dem (sicherlich unfassbarem) Weihnachtsgeschäft bei Amazon vorrübergehend eingestellt wurden. Es wurde von vollen Bussen(!) berichtet, die auch mal zu spät kommen, was nicht bezahlt wird (!). Immer wieder wurde das Gesicht einer traurigen Spanierin gezeigt und entsprechende gruselige Musik im HIntergund abgespielt. Es ging um 8 stündige (!) Nachtschichten und dass die Arbeiter in einer Ferienanlage (!) wohnen müssen. Vielleicht kam der Skandal ja in der zweiten Hälfte, aber für so eine verzerrende "Berichterstattung" zahl ich keine GEZ-Gebühr.
    Und wer sich jetzt aufregt und kurz vor Weihnachten doch schnell beim Onlinehändler reinklickt, schweige bitte.

    ein Verbraucherboykott wäre das gegebene Mittel, um Auswüchse in Unternehmen einzudämmen: Ich halte JEDE Wette dagegen!

    Derartige Boykottmaßnahmen sind allein deswegen wirkungslos, weil es sie nicht geben wird.

    Und wer WIRKLICH etwas ändern will, tut gut daran, sich angesichts der Welt, wie sie nun mal ist zu überlegen, mit welchen Mitteln Änderungen herbeigeführt werden können.

    Nicht der Nichtboykott ist bequem und affirmativ, sondern der Versuch, sich mit einem Boykottaufruf zufrieden zu geben, statt wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

    Aber das mündet fast zwangsläufig in irgendeine Form politischen Engagements und das .... öhhh ... ist dann doch ... ähhhmm ... ein wenig zu unbequem .... Gelle ;-)

    • jeggert
    • 19. Februar 2013 8:06 Uhr

    .. In diesen Logistikzentren beschäftigt Amazon rund 8.000 fest angestellte Amazon-Vollzeitmitarbeiter. ..

    .. In Regionen, in denen es Tarifvereinbarungen gibt, ist das Durchschnittseinkommen in den Logistikzentren nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit um fünf Prozent höher als im vergleichbaren regionalen Logistiktarifvertrag. Nach zwei Jahren und der ersten Zuteilung ihrer Amazon-Aktien verdienen Mitarbeiter im Durchschnitt sogar 12 Prozent mehr als im jeweiligen Logistiktarifvertrag.
    Zusätzlich zum Grundgehalt erhalten Vollzeitmitarbeiter einen Bonus sowie garantierte Aktienanteile, durch die sich das Grundgehalt in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 8 Prozent erhöhte. Diese Aktien-Zuteilung entspricht der Amazon-Philosophie: die Mitarbeiter sollen teilhaben am Erfolg des Unternehmens. Auf den Stundenlohn heruntergebrochen heißt dies, dass alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon DE Logistikzentren arbeiten, über 10 € brutto pro Stunde erhalten. (Im ersten Jahr sind es ca. 9,30 € brutto pro Stunde). ..

    .. Nach dem vergangenen Weihnachtsgeschäft 2012 konnten wir deutschlandweit rund 2.000 weitere Mitarbeiter in eine langfristige Anstellung übernehmen. ..

    http://www.amazon.de/gp/h...

    • Jeb Lee
    • 18. Februar 2013 17:07 Uhr

    Bei ca. 9 Mrd. Euro Umsatz und einer einmonatigen Einstellung sämtlicher Einkäufe auf Amazon gehen schätzungsweise 500 Mio. Euro Umsatz verloren. Da würde Amazon mit Sicherheit hellhörig.

    Alles ist möglich. Das Gerede über die Alternativlosigkeit ist lächerlich.

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    die politischen Rahmenbedingeungen müssen geändert werden. Wen hier jemand schreibt, er kauft bei Amazon nichts mehr und wählt aber Parteien, die den Mindestlohn und Arbeitszeitobergrenzen (europaweit) boykottieren, kann ich nur lachen. Wenn die Rahmenbedingungen nicht geändert werden und Amazon wegen Verrufs Verluste macht kommt halt ein neuer, der mit Fördermitteln wieder die selbe Masche abziehen darf. Wacht auf.

    • Jeb Lee
    • 18. Februar 2013 19:26 Uhr

    Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Es muss natürlich ein Maßnahmenbündel sein, welches hier zum Tragen kommen muss.

    Der TV-Bericht hat zumindest schon ein wenig bewirkt. Die H.E.S.S. (Ein Schelm wer Böses denkt) Nazi-Aufseher sind ihrer Aufgaben entbunden worden.

  2. ich kaufe seit der Wikileaks-Geschichte nichts mehr bei Amazon. Das es in anderen online-Geschaeften teurer sein sollte kann ich nicht bestaetigen. Es ist teilweise nicht so bequem wie bei amazon, aber das nehme ich gern in Kauf.
    Ein Boykott ist die einzige "Waffe" die der Verbraucher im Kapitalismus hat.

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  3. bei Amazon eben nicht einzukaufen, wer will mich davon abhalten?

    Noch darf ich ja bestimmen, wohin mit meinem Geld.

    Es hat auch was, in einen vollen Bücherladen zu gehen, in einer Unmenge Bücher schmökern zu dürfen, Unmengen Menschen zu sehen, die sich Unmengen von Lektüre dort besorgen ....

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    Wem ist das schon vergönnt? Normal sieht es doch so aus: Thalia bzw. Hugendubel mit identisch-mainstreamigen Angebot, Begehrtes muss also bestellt und abgeholt werden - für Berufstätige, die weder zentral arbeiten noch leben ein nicht unerheblicher Aufwand. Logo bestelle ich Bücher und Musik online. Und wer jetzt mit der Bequemlichkeit kommt - ich fahre nicht mit dem Auto umher.

    • kasi_z
    • 18. Februar 2013 17:17 Uhr

    da bin ich mir aber nicht so sicher....
    Ich gehe dann jetzt lieber wieder in eine kleinere (inhabergefuehrte)Buchhandlung hier im Stadtviertel, dann dauert es eben 2-3 Tage laenger, bis die Ware eintrifft, dafuer unterstuetze ich dann gleichzeitig den lokalen Einzelhandel.
    M.f.G. kasi

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    • Morlaix
    • 18. Februar 2013 19:10 Uhr

    Auch ich kaufe seit langem in einer inhabergeführten Buchhandlung in "meinem" Stadtteil. Zwei bis drei Tage länger, wie von Ihnen angegeben, dauert die Lieferung dort aber nicht. Im Gegenteil: Ich sende der Buchhandlung eine Mail mit meiner Bestellung; geht diese vor 16.00 Uhr ein, kann ich das Buch am nächsten Morgen ab 10 Uhr abholen. Das schafft Amazon häufig nicht oder nur gegen Aufpreis.

    Gelegentlich habe ich bei Amazon gebrauchte Bücher verkauft. In Zukunft werde ich diese ausschließlich bei der Konkurrenz anbieten (booklooker.de).

    Was viele nicht wissen: Wenn eine Buchhandlung an den Großhandel angeschlossen ist, was in der Regel der Fall ist, kann sie Bücher sogar problemlos über Nacht liefern. Niemand kann Titel schneller besorgen, als eine Buchhandlung auch Amazon nicht. Vorausgesetzt natürlich, dass die Buchhandlung für mich gut erreichbar ist, aber ein bisschen Bewegung hat ja noch nicht geschadet :-) Übrigens: Nicht nur die Arbeit bei Amazon ist menschenunwürdig, bei den Paketzustellern geht die Sklaverei gleich weiter.

  4. So bitter es auch ist, der Einzelhandel hat abgedankt:

    - Keine oder teure Parkplätze und damit einhergehende lange Wege

    - wenig Auswahl: das Produkt, was man im Internet recherchiert hat, ist sowieso nicht vorrätig

    - Produkte sind bedeutend teurer als im Internet

    - Verkäufer haben keine Ahnung, richtige Beratung gibt es seltenst

    Der Einzelhandel ist vielleicht noch(!) bei Lebensmitteln zu gebrauchen, evtl. auch noch bei Kleidung, da man diese anprobieren muss. Ansonsten ist es nur eine weitere Zwischenstufe, bei der sowohl Ladenverpächter, Ladeninhaber und der Angestellte mitverdienen wollen und somit das Produkt letztendlich teurer machen. - Vielleicht etwas hart, aber so ist das.

    So liebe Gutmenschen, jetzt dürft Ihr mir wieder Eure Sozialromantik entgegnen.

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    • HeidiS
    • 18. Februar 2013 17:21 Uhr

    ich konsumiere vielleicht zu wenig, und was ich brauche, finde ich immer. Karstadt hat z.B. die Haushaltswarenabteilung ausgedünnt, es gibt aber noch kleinere Geschäfte (ja, wie lange wohl noch?), die meinen Bedarf decken. Wenn ich sehe, dass Kollegen sich Waren von amazon schicken lassen, diese Waren dann über die Hauspost im Haus verteilt werden, kann ich nur den Kopf schütteln. Ob es wohl eine Generationenfrage ist? Ja, vielleicht bin ich von vorgestern.

    [...]

    Im Artikel geht es um den Buchmarkt und da ist dank Preisbindung nicht wirklich ein Unterschied auszumachen.

    Sie haben Recht, dass der Zug mittlerweile abgefahren ist, aber wo findet sich die Verödung der Innenstädte und die damit einhergehende Verarmung öffentlichen Lebens in Ihrer Rechnung?

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jk

    Danke "Kritischer_Geist", der erste und bis jetzt einzige vernünftige Beitrag hier

    • AndreD
    • 18. Februar 2013 17:37 Uhr

    Hmmm...
    Ich bin zwar romantisch und sozial, aber ich finde so große Kaufhäuser sind ja eher das Gegenteil davon. So kleine Fachgeschäfte hingegen sind eher mein Fall...

    • wawerka
    • 18. Februar 2013 17:42 Uhr

    "- Keine oder teure Parkplätze und damit einhergehende lange Wege"
    Das ist richtig, aber auch nur deswegen, weil durch die Lohndrückerei sowohl bei den Mitarbeitern in den Großhandelslagern als auch bei den Lieferfirmen der Preisvorteil des Großhändlers mit riesigen Lagerhallen auf der grünen Wiese trotzdem nicht aufgefressen wird. Nur deswegen ist es immer noch günstiger als als "Selbstabholer"

    "- wenig Auswahl: das Produkt, was man im Internet recherchiert hat, ist sowieso nicht vorrätig"
    Das stimmt, je nach Stadtgröße, nur sehr begrenzt. Selbst in meiner "kleinen Großstadt" (150.000 Einw.) bekomme ich so gut wie alles, was ich möchte)

    "- Produkte sind bedeutend teurer als im Internet"
    Das ist schlichtweg falsch, jedenfalls wenn man seriösen Onlinehändlern bestellt.

    "- Verkäufer haben keine Ahnung, richtige Beratung gibt es seltenst"
    Im Internet gibt es eigentlich GAR keine Beratung. Sie, oder vielmehr Online-Plattformen wie Amazon, profitieren von den zig Rezensionen die Kunden UNENTGELTLICH zur Verfügung stellen.

    • skeptik
    • 18. Februar 2013 17:42 Uhr

    ist mein Buch sofern nicht Vorrätig meist am nächsten oder übernächsten Tag da.
    Und das tollste ist: ich kann reinschauen und falls es mir nicht gefallen sollte einfach dort lassen.
    Bei Amazon bestell ich daher meist nur gebrauchte Bücher.

    Übrigens kann ein Buchhändler, zumindestens die in den klassischen kleinen Läden unmengen von Büchern querlesen und tut dies auch. Warum wohl? Weil manche Buchkunden tatsächlich beraten werden wollen dazu muss ein Buchhändler seine Ware kennen. Bekomm ich das bei Amazon?

    In universitätsnähe geht die Beratung sogar so weit, dass die Buchhändler bei wichtigen Büchern teilweise sogar unterschiede zwischen den Auflagen kennen. Und natürlich welche Bücher oft gekauft werden und welche empfehlenswert sind. Das bekommt man bei Amazon auch nicht.

    Kleidung über das Internet verteiben ist bis auf Universalgrößen nicht sinnvoll. Und funktioniert nur durch hohe Rücklaufraten.
    Wenn die Arbeitsbedingungen bei Zalando Amazon und co durch Zwang verbessert werden wird derren Umsatz bei den Textilien sinken. So einfach ist das. Für 1 gekauftes Kleidungsstück 3 herumschicken rechnet sich nur aufgrund billiger Manpower.

    Geringe Löhne bedeutet allerdings auch geringe Kaufkraft.
    Was der Binnenwirtschaft schadet.

    • hairy
    • 18. Februar 2013 17:57 Uhr

    Was hat es mit Sozialromantik zu tun, wenn man ein Buch beim Buchhändler vorbestellt per Telefon oder E-mail und dann zum kaum höheren Preis bekommt?

    Was hat es mit Sozialromantik zu tun, wenn man ein Produkt zu günstigen Preisen bei anderen Netzanbietern kauft, die jedenfalls keine Monopolisten sind und in Deutschland auch ihre Steuern zahlen?

    Was hat es mit Sozialromantik zu tun, wenn ich gern die zu kaufenden Produkte erstmal mir wirklich anschauen will?

    Was hat es mit Sozialromantik zu tun, wenn mit ÖPN oder Fahrrad eine Einkaufstour machen?

    "Vielleicht etwas hart, aber so ist das."

    Schade, das jemand, der sich selbst als kritischen Geist bezeichnet so unkritisch nur den bloßen Ist-Zustand wiedergibt.

    "Verkäufer haben keine Ahnung, richtige Beratung gibt es seltenst"

    Ich frage mich, in was für Läden sie so einkaufen, ich habe das auch anders erlebt. Aber dazu darf man auch nicht zu Discountern gehen.
    Als Einzelhandelskaufmann kann ich ihnen das Problem erklären, denn zumindest bei mir im Lebensmitteleinzelhandel arbeiten fast nur noch ungelernte Teilzeitkräfte oder schlecht bezahlte Verkäufer, die nicht einsehen, dass sie sich privat auch noch mit Warenkunde beschäftigen sollen. Die nötige Warenschulung wird von den Unternehmen überhaupt nicht mehr eingeplant, mittlerweile werden sogar die Azubis darin nicht mehr unterrichtet.
    Wie sagte mein Bezirksmanager einmal so treffend: "Wir bilden nicht mehr aus, wir lernen nur noch an."
    Alles ein Kostenfrage und wenn die Kunden nur noch auf den Preis schauen, die Umsätze und Gewinne sinken, wird natürlich auch beim Personal gespart, dass dann irgendwann keine Ahnung mehr hat. Das Personal hat dann auch kein Geld mehr und muss, wenn es selbst zu Kunden wird auch wieder Geld sparen usw. usw. usw. …
    Wie so oft ein kapitalistischer Automatismus, den kann man wie ein zynisches Ar... hinnehmen oder versuchen zu bekämpfen.
    Aber bei jemandem der Wörter wie Gutmensch oder Sozialromantik verwendet rede ich da wohl eh gegen eine Wand.

    ... aber ich habe beispielsweise die Mayersche Buchhandlung gleich um die Ecke und auch sonst sind mir Internetbestellungen immer ziemlich lästig. Man braucht schließlich auch seine Zeit bis man die Bestellung aufgegeben hat und die Abnahme am Wohnort irgendwie organisiert hat.

    • Infamia
    • 18. Februar 2013 18:57 Uhr

    Ihr Name ist leider nicht Programm. Selten so einen unkritischen und unreflektierten Kram gelesen. Ja, Sie beschreiben den Ist-Zustand, aber der muss nicht im Sinne unserer Gesellschaft sein. Wenn Ihnen die Verödung der Städte nichts ausmacht, wenn Ihnen sinkende Löhne nichts ausmachen, wenn Ihnen eine Marktdominanz eines einzelnen Anbieters, der, folgt man den Gedankenganz zuende, irgendwann die Preise, Löhne und auch das Angebot (das Angebot bei Amazon ist erst einmal Mainstream und spiegelt den Massengeschmack wieder) diktiert, nichts ausmacht, dann haben Sie natürlich recht. Egoisten gibt es auf dieser Welt leider zuhauf, denen ihr eigener Vorteil wichtiger ist als das Wohl einer ganzen Gesellschaft. Nach mir die Sintflut.

    Und dann noch eines. Ich lasse mich lieber als Gutmensch bezeichnen als als Egoisten. Sorry, dass ich gegen etwas mehr Sozialromantik nichts einzuwenden habe.

    ....möglicherweise dann, wenn der Ölpreis weiter steigt. Wir leben ja im Grunde in einer Energie-Gesellschaft. Ohne Energie läuft NICHTS.
    Dann werden natürlich auch die Waren und auch die Transporte teurer.
    Vielleicht gibt es dann Internetstationen, bei denen das bestellte 2x wöchentlich angeliefert und abgeholt werden kann, das wäre energiesparender als dieses hektiche Dienstleister-Chaos Hermes, DHL, UPS, etc. Soll man diese Stationen "Konsum" nennen???
    Eine Möglichkeit die Transport-/Versandkosten/Energiekosten zu senken, die Auswahl beizubehalten/Internetkaufrausch und eine Versorgung vor Ort nach und nach wieder zu reorganisieren. Amazon ist derzeit zu beherrschend, sind wir denn zu blöd, Alternativen zu nutzen? Muss man diesem Laden mit jedem Kauf auf die Schulter klopfen?
    Und bis die Politik endlich ankommt, ist sie von zukünftigen Entwicklungen überholt.
    Es sollte auch mal über den Standort von Briefkästen nachgedacht werden, am liebsten ins Haus reinwerfen, sagt der Empfänger, der Briefträger wünscht sich am besten eine Sammelstation pro Straße (haben wir in Dänemark erlebt), Kompromiß:Grundstücksgrenze-Straße, das würde schon Zeit und Geld sparen.
    Mit dem Ansteigen der Energiekosten wird auch der Einzelhandel wiederbelebt und Amazon kann gesundschrumpfen.

    Man ist also heutzutage schon Sozialromantiker wenn man verlangt das Menschen von ihrer Arbeit auch leben können sollen. Dann bin ich gerne einer.

    Aber: Amazon wird halt auch vom Arbeitsamt subventioniert und hat dadurch billigere Preise. Und da muß man kein Gutmensch sein um sowas dämlich zu finden.

    Ich kaufe ja recht viel online, aber das muß auch sozial vertäglich möglich sein.

    • hladik
    • 19. Februar 2013 11:28 Uhr

    Wegen Doppelposting entfernt. Danke, die Redaktion/sam

    • hladik
    • 19. Februar 2013 11:28 Uhr

    Normalerweise empfehle ich nie Postings, in denen das Wort "Gutmensch" vorkommt, aber fuer dieses habe ich eine Ausnahme gemacht.

    Ich versuche auch, soviel wie moeglich online einzukaufen und beschraenke meine Laden-Einkaeufe auf Lebensmittel, Kleider und Drogerie-Artikel.

    Vor zwei Jahren wollte ich nochmal ein Buch bei einer grossen Buchhandlung kaufen, es war natuerlich nicht vorraetig. Gefragt, ob sie es mir zur Ansicht bestellen koennen (fand ich eh schon doof, nochmal 2 Strassenbahn-Tickets), sagte die Verkaeuferin nein, ich muesste es dann auch kaufen. Tja, manchmal wird einem die Entscheidung wirklich leicht gemacht:

    - einerseits zuhause suchen, ins Buch reinblaettern, kostenlos geliefert bekommen, dann noch nach 4 Wochen zurueckgeben koennen
    - andererseits selbst hinfahren, Strassenbahn- oder Parkticket bezahlen, eventuell nochmal, wenn's nicht vorraetig ist, und dann nicht zurueckgeben koennen

    Und natuerlich kann man sonntags (danke Verdi, danke Kirchen!) gar nicht offline einkaufen, damit die Angestellten schoen in die Kirche gehen koennen.

    Und gerade die kleinen Geschaefte, die manche hier so lieben, meide ich schon lange aus Prinzip. Oeffnungszeiten in der Woche bis 18 Uhr, Samstags bis 13, und schon eine Stunde vorher fangen die Mitarbeiter an, zusammenzupacken und einen boese anzusehen, wenn man so kurz vor Feierabend noch einzukaufen wagt.

    Letzte Frage: Woher weiss man eigentlich, dass die Angestellten im Einzelhandel besser bezahlt werden als bei A.?

    • Klüger
    • 19. Februar 2013 15:04 Uhr

    ... vielen Dank für Ihre akkurate Einschätzung.

    Ich geh' dann mal eben um die Ecke einkaufen, brauche noch was zu lesen für heute Abend.

    Wenn ich jetzt bestelle, ist es frühestens übermorgen da.

    Dann müsste ich heute Abend fernsehen - zu dumm, dass ich keinen Fernseher habe.

    Da haben sie völlig recht, nur erwarte ich auch von Versandhändlern, dass sie sich moralisch und juristisch korrekt verhalten ihren Mitarbeitern gegenüber.

    • wawerka
    • 18. Februar 2013 17:26 Uhr

    ...der Einzelne mag alleine nichts verändern können, Herr Probst, aber ganz, ganz viele Einzelne sehr wohl. Ich habe vorgestern bei Amazon mein Konto gekündigt, viel zu spät, aber manchmal braucht es eben einen ganz konkreten Anstoß um über seine eigene Bequemlichkeit zu obsiegen. Ich habe mir fest vorgenommen, künftig entweder im lokalen Einzelhandel einzukaufen oder auch einfach mal mich selbst zu hinterfragen, ob ich all das, was ich mir so bequem mit Mausklick bestelle, eigentlich wirklich brauche.

    Selbstverständlich ist Amazon und der Umgang mit seinen (Sub-)-Angestellten nur das Symptom und nicht die Ursache. Aber auch hier kann das Individuum wählen, wem er seine Stimme gibt um das von ihm Gewünschte politisch umgesetzt zu sehen.

    Ich denke, mehr und mehr Menschen wird bewusst, dass im alldauernd anwährenden Konsum nicht das Glück zu finden ist. Bleibt die Frage, ob sich dies auch in politischen Entscheidungen niederschlägt. Im Moment sieht es nicht danach aus, aber was nicht ist, kann ja noch werden, die Hoffnung stirbt zuletzt.

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