Kinderbuchautor Otfried Preußler ist tot

Die Werke Otfried Preußlers prägten mehrere Generationen. "Die kleine Hexe" zählt zu den beliebtesten und bekanntesten Kinderbüchern. Nun starb Preußler in Prien.

Der Kinderbuchautor Otfried Preußler ist tot. Der Autor vieler bekannter Kinderbücher starb am Dienstag im Alter von 89 Jahren in Prien am Chiemsee, teilte der Stuttgarter Thienemann Verlag mit. Zahlreiche seiner Werke wie etwa Krabat, Der Räuber Hotzenplotz oder Die kleine Hexe zählen zu den beliebtesten und bekanntesten Kinderbüchern.

Preußlers 32 Bücher wurden in 55 Sprachen übersetzt, vielfach preisgekrönt und weltweit mehr als 50 Millionen Mal verkauft.

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Preußler kam 1923 im böhmischen Reichenberg zur Welt, heute das tschechische Liberec. Sein Vater sammelte als leidenschaftlicher Heimatforscher die Sagen des Isergebirges. Seine Großmutter erzählte ihm unermüdlich Geschichten. "Das Geschichtenbuch meiner Großmutter, das es in Wirklichkeit überhaupt nicht gegeben hat, ist das wichtigste aller Bücher für mich, mit denen ich je im Leben Bekanntschaft gemacht habe", bekannte Preußler einmal.

Schon mit zwölf Jahren schrieb er erste eigene Geschichten. Sein Plan war, später als Schriftsteller in Prag zu leben.

Reporter beim Kinderfunk

Nach dem Abitur 1942 zog die Wehrmacht Preußler ein. Nach fünf Jahren russischer Gefangenschaft kam er 1949 ins oberbayerische Rosenheim. Dort fand er seine Familie und seine Verlobte wieder.

Um sich eine Existenz aufzubauen, fing er noch während des Lehramtstudiums mit dem Schreiben an – zunächst als radelnder Lokalreporter, dann als Autor für den Kinderfunk.

Sein erster großer Erfolg gelang Preußler 1956 mit dem versponnen-lustigen Kleinen Wassermann. Und als eine seiner drei in den 1950er Jahren geborenen Töchter aus Angst vor bösen Hexen nicht einschlafen konnte, erfand er ein Jahr darauf kurzerhand Die kleine Hexe, die mithilfe des redseligen Raben Abraxas alles dafür tut, eine gute Hexe zu werden.

In 31 Sprachen übersetzt

1962 schließlich erfand Preußler den Räuber Hotzenplotz, der gleich in mehreren Büchern dem tumben Wachtmeister Dimpflmoser das Leben schwer macht und mit Gert Fröbe ein legendäres Gesicht bekam. Nach dem Kleinen Gespenst (1966) präsentierte Preußler 1971 schließlich seinen ersten Jugendroman Krabat – das Buch über den Kampf um Freiheit, das Ringen um Macht, Magie und Liebe. Es wurde ein Welterfolg, der in 31 Sprachen übersetzt wurde. Preußler erhielt dafür zahlreiche Preise, darunter den Deutschen und Europäischen Jugendbuchpreis.



Aber auch zahlreiche Bilderbücher (Die dumme Augustine), Weihnachtsgeschichten (Der Engel mit der Pudelmütze) und immer wieder sagenhaft angehauchte Werke entstanden im Laufe der Jahre, von den Abenteuern des starken Wanja bis zu den Rübezahl-Geschichten über den guten Geist des Riesengebirges. Auch eine Balladen-Sammlung gehört zu seinem Werk. Eigen ist ihnen allen eine kraftvolle, etwas altertümliche Sprache.

Zu seinem 85. Geburtstag wurde Krabat verfilmt, die Geschichte vom Müllerjungen, der nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Oberlausitz sein Glück sucht und den Teufel findet.

Debatte um die Negerlein

Jeden neuen Text prüfte Preußler, indem er ihn Kindern vortrug. "Kinder sind das beste und klügste Publikum, das man sich als Geschichtenerzähler nur wünschen kann", sagte er. "Und sie sind strenge, unbestechliche Kritiker."

Zuletzt gab Preußler keine Interviews mehr. Er lebte zurückgezogen am Chiemsee. An der von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) angestoßenen Debatte um die Tilgung von Begriffen wie Negerlein und Neger aus Die kleine Hexe beteiligte er sich nicht mehr öffentlich.

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Leserkommentare
  1. Mit ihm hab ich lesen gelernt.

    14 Leserempfehlungen
    • EU fan
    • 20. Februar 2013 11:52 Uhr

    ist gegangen, er möge ruhen in Frieden. Um Otfried Preussler trauere ich wirklich.

    6 Leserempfehlungen
  2. ....der wenigstens noch erleben durfte, dass die Mehrheit in Deutschland es ablehnt, wenn man die Wortwahl in seinen Kinderbüchern nachzensiert, vgl.

    http://www.n-tv.de/politik/Deutsche-wollen-Neger-lesen-article10093036.html

    8 Leserempfehlungen
  3. Über 50 Millionen verkaufte Bücher sprechen für sich, dieser Erfolg ist kein Zufall. Nicht nur viele Geschichten Preußlers hatten Qualitäten, auch die Sprache. Wer einmal seinen Kindern aus den Büchern Preußlers laut vorgelesen hat, weiss, dass nicht nur jedes Wort sitzt, sondern auch der Sprachfluss packt, obwohl - oder weil - er einfach gehalten ist. Kinderbücher von heute könnten sich ein Beispiel daran nehmen.

    12 Leserempfehlungen
    • scg
    • 20. Februar 2013 11:58 Uhr

    Der Räuber Hotzenplotz, der kleine Wassermann, die kleine Hexe...Ich habe sie geliebt und bin mit ihnen groß geworden. Möge er in Frieden ruhen.

    14 Leserempfehlungen
  4. ....für die vielen schönen Stunden, die er mir als Kind mit seinen Büchern bereitet hat.
    Meine beiden Kinder haben mit "Der kleine Wassermann" und "Die kleine Hexe" gerne und ohne Mühe lesen gelernt.

    Ich lese Krabat noch heute immer mal wieder.

    Möge er in Frieden ruhen.

    7 Leserempfehlungen
  5. ... gab mir die erste kleine Lehrstunde vom 30 Jährigen Krieg.
    Danke Herr Preussler!

    9 Leserempfehlungen
  6. als Kind habe ich seine Bücher geliegt, meiner Tochter habe ich dann seine Geschichten vorgelesen (und sie auch für mich wieder neu entdeckt)

    Er hat vielen (kleinen) Menschen schöne Geschichten und Erinnerungen geschenkt.

    6 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte CDU | Kinderbuch | Kristina Schröder | Räuber | Sprache | Weihnachtsgeschichte
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