"Empört euch!"Stéphane Hessel ist tot

Durch seine Streitschrift "Empört euch!" wurde er weltbekannt. Nun ist der französische Autor, KZ-Überlebende und frühere Widerstandskämpfer mit 95 Jahren gestorben.

Der französische Autor Stéphane Hessel vor zwei Jahren in seinem Haus in Paris

Der französische Autor Stéphane Hessel vor zwei Jahren in seinem Haus in Paris  |  © Joel Saget/AFP/Getty Images

Der französische Schriftsteller Stéphane Hessel ist tot. Der Autor des Bestsellers Empört Euch! starb in der Nacht im Alter von 95 Jahren.

Der einstige Widerstandskämpfer und KZ-Überlebende wurde 2010 mit den beiden Essays Empört euch! und Engagiert euch! weltweit bekannt. Der 1917 in Berlin geborene Diplomat hatte darin die kapitalistische Finanzwirtschaft kritisiert und zum Protest aufgerufen.

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Seine Streitschrift hatte mit zur Entstehung der Bewegung der Empörten geführt, die wegen der Wirtschaftskrise in New York, London, Madrid und vielen weiteren Städten gegen den Finanzkapitalismus und die Sparpolitik Front macht.

Résistance-Kämpfer und Diplomat

Hessel lebte die meiste Zeit seines Lebens in Paris. Dorthin war er 1924 mit seinem Bruder und den Eltern gezogen. 1937 wurde er französischer Staatsbürger und schloss sich als Student in London dem Widerstandskomitee von General Charles de Gaulle an.

1944 wurde er als Verbindungsmann zwischen den Résistance-Gruppen und der Londoner Zentrale im besetzten Frankreich abgesetzt. Kurz danach wurde Hessel von den Deutschen festgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Nach mehreren Versuchen gelang ihm schließlich die Flucht. Er schlug sich bis nach Paris durch.

Nach dem Krieg wurde Hessel Diplomat. Er arbeitete am Text für die allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit, die die Vereinten Nationen 1948 verabschiedeten. Später wurde Hessel UN-Botschafter in Genf. Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand übernahm er dann Aufgaben im Außenministerium in Paris.

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Leserkommentare
  1. ... gebührt Dank dafür, dass er uns seine Erfahrungen und Gedanken hinterlassen hat.

    Man müsste nicht trauern, wenn ein Mensch mit 95 Jahren stirbt. Trauern muss man, weil so wenige von seinem Format nachkommen.

    Unendlich traurig.

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    Sie sprechen mir aus dem Herzen.

    • memoe
    • 27. Februar 2013 10:05 Uhr

    Hoffen wir daß der Samen, den er noch im hohen Alter mit seinen beiden Büchern gesät hat aufgehen wird!

    Aber die Anfänge sind ja schon weltweit zu spüren.

    RIP

    17 Leserempfehlungen
  2. Sie sprechen mir aus dem Herzen.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf " Stéphane Hessel ..."
  3. Das stimmt natürlich nur im Sinne einer rein äußerlichen Betrachtung.
    Mit seinen Streitschriften "Empört euch!" und "Engagiert euch!" ist er zu einer Ikone des Widerstands gegen die Ökonomisierung und Entsolidarisierung der Menschen und damit unsterblich geworden.

    17 Leserempfehlungen
  4. Traurig - einer derjenigen, der sich noch getraut hat, die Alternativlosigkiet unseres Systems anzuzweifeln. Ohne solche Leute wird das Spiel, das wir alle spielen, kein gutes Ende nehmen - so lange sich niemand traut, die Regeln in Frage zu stellen, so lange steuert das Wirtschaftssystem sich selbst in den Abgrund. Schade eigentlich.

    8 Leserempfehlungen
    • Vibert
    • 27. Februar 2013 10:13 Uhr

    dass er von uns gegangen ist.
    Ich hätte gerne von ihm gehört, was in dieser Gesellschaft denn noch zu retten ist. Die Bewegung der "Empörten" war ja leider nur ein sehr kurzes Aufflackern in die richtige Richtung.
    Diese kleine Flamme ist aber bereits wieder erloschen...
    heute im doppelten Sinne.
    RIP Stéphane et merci!

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    doch die Glut, die er dem Feuer eingehaucht hat, bleibt.
    Die Gedanken keimen in so vielen Menschen. Und wenn sie nur im kleinen Rahmen schon Umsetzung erfahren, wird die mehr bewirken als ein gewaltsamer Straßenkampf es je vermocht hätte.

  5. Ich war ziemlich getroffen als ich von seinem Tod erfuhr und kann auch eine Träne nicht verdrücken. In seinen Interviews und seinen Schriften hatte er uns immer aufgefordert das Wort zu erheben, um Unrecht und Ungerechtigkeit deutlich zu machen. Sich zu empören ist Verpflichtung eines jeden aufrechten Demokraten und aufgeklärten Staatsbürgers. Vielen Dank für die Aufforderung sich zu empören und zu einer revolutionären Geisteshaltung.
    Seine Haltung zum Tod hatte mich auch sehr bewegt, da er ein eher freundschaftliches und kumpelhaftes Verhältnis zum Tod hatte. Solch einen Mut habe ich nicht. Dann sein ungeheuere Feinfühligkeit und sein kulturelles Verständnis. Menschen mit Kultur und Niveau wecken in mir immer Symapthie. Danke, Stephane Hessel, wir werden dich nicht vergessen. Mein tiefes Beileid an seine Freunde und Angehörigen und möge er in Frieden ruhen. Danke.

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    • TDU
    • 27. Februar 2013 10:21 Uhr

    "Man müsste nicht trauern, wenn ein Mensch mit 95 Jahren stirbt." Doch müsste man wohl und um so mehr, als nur wenige dem Format des Verstorbenen nachkommen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, kg
  • Schlagworte Charles de Gaulle | Vereinte Nationen | Bestseller | Buchenwald | Diplomat | Essay
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