FamilienglückKommt Oma auf den Kompost, wenn sie tot ist?

Kommen tote Kaninchen in den Himmel? Und was macht das Kälbchen dann auf dem Teller? Mark Spörrle ringt um Antworten.

Als ich Luise vom Kindergarten abholte, herrschte dort helle Aufregung: Im Garten auf dem Kompost hatten die Kinder zwei tote Kaninchen entdeckt. Martha die Erzieherin entzündete eine Kerze, hielt eine improvisierte Trauerrede und der Hausmeister vergrub die Leichen feierlich hinter dem Komposthaufen. Auf das eine der Kaninchengräber kam ein Kreuz und auf das andere ein Stein. "Das eine war muslimisch und darf kein Kreuz", erklärte unsere Tochter. 

Uns Eltern beschäftigte vor allem die Frage, woran die Kaninchen gestorben waren. Ein Raubtier schied aus, zeitgleiche Altersschwäche war unwahrscheinlich, gemeinschaftlicher Selbstmord erst recht.

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"Wahrscheinlich Rattengift", mutmaßte die Liebste, als sie mit Leonies Mutter telefonierte.

Unsere Tochter musste das mitbekommen haben. Denn in den nächsten Stunden sprach sie immer wieder über Ratten. "Ratten sind blöd!", sagte sie. "Ratten sind fies und gemein. Wenn ich mal eine Ratte treffe, dann kriegt sie Kinderkloppe!"

"Mein Schatz", fragte ich irritiert, "was hast du mit den Ratten? Das sind auch Tiere – wie Kaninchen."

Buch

Die besten Familienglück-Geschichten gibt es jetzt als Buch. Mark Spörrle: »Kommt Oma auf den Kompost, wenn sie tot ist«, Piper Verlag, 8,99 EUR

"Gar nicht!", empörte sie sich. "Die haben mit ihrem Gift die Kaninchen totgemacht!"

Ich konnte das Missverständnis aufklären, ohne loszuprusten. Luise ist allerdings ein Kind, das kombinieren kann.

"Ist das ein Tier?", fragte sie, als es zwei Tage später Schnitzel gab. Eins ihrer Lieblingsessen.

"Ja", sagte ich nach einer kurzen Gedankenpause, "das ist ein Stück Fleisch von einem Tier".

"Von einem echten Tier?", fragte sie. "Einem ganz echten?"

Wir nickten.

"Ist das jetzt tot?", fragte Luise weiter.

Wir bestätigten das.

"Ist das ein Kaninchen?", fragte Luise.

"Nein", sagte meine Liebste, "es ist Kalb".

"Ein Kälbchen?", fragte Luise mit großen Augen. Da sie mich ansah, war es an mir, zu erklären, wie das mit dem Mensch und den Nutztieren war, und dass Bussarde oder Löwen ja auch Fleisch äßen. Meine Liebste, sie ist bei so etwas immer sehr korrekt, fügte hinzu, dass es aber auch Menschen gebe, die der Tiere wegen ganz auf Fleisch verzichteten.

Luise legte die Gabel hin und dachte nach. Würde sich hier und jetzt entscheiden, ob unsere Tochter zur Vegetarierin wurde? Gar zur Veganerin? Aber sie überlegte etwas anderes.

Leser-Kommentare
    • dapf15
    • 14.03.2013 um 15:38 Uhr

    ...erinnert mich an ähnliche Diskussionen als mein Sohn in dem Alter war.
    Ich glaube, Kinder vertragen die Wahrheit besser als man denkt.

    Zur Oma auf dem Kompost: Nach einem Besuch auf dem Friedhof fragte mein Sohn dann abends, was denn die vielen Lebewesen in der Erde - dazu gab es kurz vorher einen Beitrag in der Sendung mit der Maus - wohl mit den toten Menschen auf dem Friedhof machen...

    4 Leser-Empfehlungen
    • gw1200
    • 14.03.2013 um 16:06 Uhr

    ... sollte man doch bei der Wahrheit bleiben, auch bei Kindern. Mein Großvater starb, als ich 6 Jahre alt war. Meine Eltern haben mir damals zum Glück nichts vorgeschwafelt vom Himmel und der Seele. Vielleicht ist das auch die Grundlage, ein lebendes Wesen wirklich zu schätzen - es fällt einfach eine Ausrede weg.

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    • sauce
    • 14.03.2013 um 19:39 Uhr

    ... ohne ein religiöser Spinner zu sein.
    Ich halte es nicht für Geschwafel wenn man einem Kind den Tod als endgültiges Ende des Lebens erklärt - und auch eine Seele erwähnt die (wo auch immer) eben nicht vergänglich ist.... zumindest wenn man selber daran glaubt.
    Ich habe es immer als sehr tröstlich empfunden wenn nach dem Tod eines Menschen beispielsweise das Fenster geöffnet wird um die Seele ins Freie zu entlassen.

    • sauce
    • 14.03.2013 um 19:39 Uhr

    ... ohne ein religiöser Spinner zu sein.
    Ich halte es nicht für Geschwafel wenn man einem Kind den Tod als endgültiges Ende des Lebens erklärt - und auch eine Seele erwähnt die (wo auch immer) eben nicht vergänglich ist.... zumindest wenn man selber daran glaubt.
    Ich habe es immer als sehr tröstlich empfunden wenn nach dem Tod eines Menschen beispielsweise das Fenster geöffnet wird um die Seele ins Freie zu entlassen.

  1. Also. Wenn es sich bei der Grabstelle um eine Erstbelegung handelt, kann man durchaus - im übertragenen Sinne - von einer Art Komposthaufen sprechen ;-)

    2 Leser-Empfehlungen
  2. "Kommt Oma auf den Kompost, wenn sie tot ist?"

    Kommt drauf an, wie hoch ihre Rente war und wie viel sie sich davon zurücklegen konnte...

    5 Leser-Empfehlungen
  3. Tja, Herr Spörrle, sowas passiert eben, wenn man seine Kinder frühzeitig mit Religion verseucht. Dann kriegt das muslimische Kaninchen kein Kreuz. Und von da ist es nicht mehr weit bis zu der Frage, ob es denn in einen anderen Himmel kommt als das christliche ;-)

    "Da meine Frau an den Himmel glaubt und ich an Wiedergeburt, hatten wir sogar zwei Erklärungen bereit, die aber einen gemeinsamen Nenner haben, nämlich das Wissen von der Existenz einer unsichtbaren gnädigen und gerechten Ganzheit."

    Und da sehen Sie die Spätfolgen. Weil man etwas glaubt, weiß man dann mit unumstößlicher Sicherheit, daß etwas so ist, wie man es glaubt.
    Aberglauben und Mythologie, sonst nichts.
    Oder um es mit Walter Moers zu sagen: "Gibt es ein Leben nach dem Tod? Nein. Man stirbt, und das war's dann."

    Amen :D

    5 Leser-Empfehlungen
    • sauce
    • 14.03.2013 um 19:39 Uhr

    ... ohne ein religiöser Spinner zu sein.
    Ich halte es nicht für Geschwafel wenn man einem Kind den Tod als endgültiges Ende des Lebens erklärt - und auch eine Seele erwähnt die (wo auch immer) eben nicht vergänglich ist.... zumindest wenn man selber daran glaubt.
    Ich habe es immer als sehr tröstlich empfunden wenn nach dem Tod eines Menschen beispielsweise das Fenster geöffnet wird um die Seele ins Freie zu entlassen.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Vielleicht..."
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    aber eben "vielleicht" auch frei erfunden. Man sollte Kindern die Wahrheit sagen und die lautet nunmal immer, dass man es selbst nicht so genau weiß.

    aber eben "vielleicht" auch frei erfunden. Man sollte Kindern die Wahrheit sagen und die lautet nunmal immer, dass man es selbst nicht so genau weiß.

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