BuchmesseLeipziger Buchpreis für David Wagners "Leben"

Der Favorit hat sich durchgesetzt: David Wagner wird für seinen Roman "Leben" auf der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Der Autor David Wagner hat den Leipziger Buchpreis für seinen Roman Leben erhalten. Der 41-Jährige erhielt die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Kategorie Belletristik. In Wagners Roman geht es um einen jungen Vater, der einen lang erhofften Anruf bekommt: Eine Spenderleber wurde für ihn gefunden. "Wagners Ich-Erzähler ergreift die Initiative: Indem er die Geschehnisse protokolliert, bemächtigt er sich ihrer", heißt es in der Begründung der Jury. "Wagner beherrscht die Kunst der Aussparung. Wagner macht beklemmend erfahrbar, dass er seine Unschuld verloren hat, weil er sein Leben dem Tod eines anderen verdankt." Der Autor zeige Sinn für Witz und Ironie, tapferen Trotz und Understatement – und für das Banale, die kleinen Klinikfreuden.

Der Autor reagierte gerührt: "Sehr verehrte Damen und Herren. Vielen Dank", sagte er. "Wer schon etwas über das Buch gehört hat, weiß, dass ich den eigentlichen Preis schon bekommen habe – und deshalb hier stehen kann. Ich freue mich sehr."

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Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Autor und Literaturkritiker Helmut Böttiger in der Sparte Sachbuch/Essayistik. Der 1956 geborene Böttiger erhielt den Preis für sein Werk Die Gruppe 47: Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb. Böttiger zeige, wer die legendäre Schriftstellervereinigung entscheidend prägte, und veranschauliche einen Reichtum an Figuren und Spannungen, begründete die Jury ihre Wahl. "Ich bin ganz überrascht. Das Thema war nicht ganz so einfach", sagte der Autor in einer ersten Reaktion.

Die Gruppe 47 war 1947 von Hans Werner Richter gegründet worden und prägte die politische Öffentlichkeit Nachkriegsdeutschlands mit.

Die beste Übersetzung

Die Jury in Leipzig verlieh zudem Eva Hesse den Preis in der Kategorie Übersetzung. Sie wurde für das aus dem amerikanischen Englisch übertragene Buch Die Cantos von Ezra Pound ausgezeichnet. Die Jury lobte ihren großen Scharfsinn. Die 1925 in Berlin geborene Übersetzerin konnte wegen Krankheit den Preis nicht selbst entgegennehmen.

Hesse hat nach Angaben der Buchmesse seit den fünfziger Jahren Werke einer Reihe von Dichtern der englischsprachigen Moderne herausgegeben, unter anderem E.E. Cummings, T.S. Eliot und Samuel Beckett. Sie erhielt bereits mehrere Übersetzerpreise.

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Leserkommentare
  1. Damit wurde nicht nur ein eindrucksvoller Roman ausgezeichnet. Nebenbei ist es auch eine wichtige Stellungnahme zum Thema "Organspende". Allen, die vielleicht nach dem juengsten Organspendeskandal gelobten auf keinen Fall Organspender zu werden, sei das Buch als Entscheidungshilfe dringend empfohlen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte David Wagner | Autor | Belletristik | Buchmesse | Buchpreis | Hans Werner Richter
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