Amazon und Goodreads: Unser Leben als Leseliste
Mit Goodreads kauft sich Amazon globale Wunschzettel. Im Social Web wird nicht mehr nach dem Jetzt gefragt. Es geht um eine Zukunft, getaktet durch Konsum.
© Emmanuel Dunand/AFP/Getty Images

Der Amazon-CEO Jeff Bezos präsentiert den Kindle-Reader (Archivbild, 2009).
Bücher, die ich lesen möchte? Als öffentliche Liste, in meinem Facebook-Profil? Die Rubrik ist neu – zusammen mit Filmen, "die ich sehen will" und Musik "zum später anhören". Seit Jahren spähen Apps und Netzwerke, wo ich bin, was ich tue, wie ich mich fühle. Seit Neuestem aber fragen penetrante Daten-Bettler wie Facebook, wohin ich will. Was mir noch fehlt.
Wir haben Social Media verraten, wer wir sind. Jetzt wollen Google, Apple, Amazon berechnen, wen wir aus uns machen sollen. Kataloge, Listen, Protokolle, ein Mitschreiben der eigenen medialen Routen, sind vielen Nutzern ein willkommener Dienst.
Social Cataloging hat viele Reize: Bisher war ein "Lese-Netzwerk" wie Goodreads der beste Knotenpunkt, um Bücher zu verwalten, Empfehlungen zu tauschen. Ein Lagerfeuer für Autoren, Bibliothekare, Literatur-Streber und Fans, mit überraschend klugen Urteilen und einem Ton, nüchterner als bei Amazon. Würde Goodreads gar Profile aller Menschen zeigen, die meine Wertungen bzw. Bücher teilen, es wäre meine perfekte Dating- und Freundes-Plattform: Hier sprechen Liebhaber und Experten miteinander. Jedes Bewertungssternchen zählt.
Es geht nicht mehr um Lektüre
Schon seit 2011 aber verändert sich die Seite: Schreiend grüne "möchte ich lesen"-Buttons hängen hinter jedem Buch. Ein persönlicher "Empfehlungs"-Dienst spuckt Hunderte neuer Titel aus. Die "to read"-Wunschzettel meiner Freunde sind auf die drei- bis zehnfache Größe ihrer "gelesen"-Regale angeschwollen. Ein aktueller Mainstream-Titel wie Meg Wolitzers The Interestings wird von 96 Nutzern bewertet – aber von über 3.000 "gewollt".
Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Lektüre. Es geht um Wünsche, Vorsätze, Hype und Konsum-Absichten: Das Social Web fragt nicht mehr nach dem Jetzt. Sondern nach einer Zukunft, getaktet durch Kaufen, Abhaken, Mehrwollen. Was wir heute lesen, interessiert vor allem, weil es entscheidet, was wir uns morgen verkaufen lassen: Im Dreisprung Wünschen-Kaufen-Werten werden unsere Hoffnungen berechenbar. Fürs kommerzielle Netz zählen keine Kritiker. Sondern Zielgruppen und Verbraucher.
Facebook bereitet die Graph Search vor – eine semantische Suche, die User-Profile nach Kombinationen staffelt wie "junge, gebildete Frauen, die Vogue lesen" oder "arbeitslose Rassisten, die Rotwein trinken". Ein guter Zeitpunkt also, möglichst prononciert zu fragen: Welches Auto könntest du kaufen? In welche Länder willst du reisen? Welche 50 oder 500 TV-Serien musst du unbedingt sehen?





Amazon, Facebook, Google und Co sind mit die größten Steuervermeider weltweit. Die haben eigene Abteilungen, oder buchen diese Services. (zum Beispiel www.steuervermeidung.at) Das ist ein Milliardengeschäft. Man schätzt dass Firmen wie Amazon ihre effektive Steuerlast durch ganz legale Tricks wie eben Steueroasen auf 2,4% drücken. Damit sind sie jedem Buchhandler gandenlos überlegen. Ganz legal. Warum sehen SIe den Zusammenhang zu solchen Praktiken wie dem aktuell diskutierten Einkauf von Goodreads durch Amazon nicht? Diese Konzerne sind in der Form wie sie agieren eine Gefahr. Weil sie Wettbewerbsvorteile gegenüber kleinen lokalen Kokurrenten auffahren, die diese niemals wett machen können. Und die Philosphie die dahinter steckt ist doch nicht irgendwie im freien Raum enstanden. das ist dieselbe Strategie, die hinter solchen Aufkäufen steht. Business in Reinkultur. Das ist aus dem Internet geworden. Und mit es hat Kulturpessimismus gar nichts zu tun wenn man das ausspricht.
Eine Link zum Thema:
http://www.abendblatt.de/...
... jedes Unternehmen so ab Mittelgrösse aufwärts hat einen mehr oder weniger grossen Bereich, der sich mit Steuern befasst. Deren Hauptaufgabe ist nicht sicherzustellen, dass alle Steuern bezahlt werden (natürlich das auch, aber nicht "Haupt"), sondern sicherzustellen, dass wirklich nur das bezahlt wird, was bezahlt werden muss. Dagegen ist nichts einzuwenden.
... fehlende, dringend bindende, internationale Paragraphen. Es wird Zeit für eine Weltregierung. Hört sich lächerlich an? Genau das ist das Problem.
... jedes Unternehmen so ab Mittelgrösse aufwärts hat einen mehr oder weniger grossen Bereich, der sich mit Steuern befasst. Deren Hauptaufgabe ist nicht sicherzustellen, dass alle Steuern bezahlt werden (natürlich das auch, aber nicht "Haupt"), sondern sicherzustellen, dass wirklich nur das bezahlt wird, was bezahlt werden muss. Dagegen ist nichts einzuwenden.
... fehlende, dringend bindende, internationale Paragraphen. Es wird Zeit für eine Weltregierung. Hört sich lächerlich an? Genau das ist das Problem.
... jedes Unternehmen so ab Mittelgrösse aufwärts hat einen mehr oder weniger grossen Bereich, der sich mit Steuern befasst. Deren Hauptaufgabe ist nicht sicherzustellen, dass alle Steuern bezahlt werden (natürlich das auch, aber nicht "Haupt"), sondern sicherzustellen, dass wirklich nur das bezahlt wird, was bezahlt werden muss. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Da nicht jeder Bürger oder jede Firma solche Steuersparmethoden anwenden kann, entsteht Steuerungerechtigkeit. Soll ich vielleicht auf die Politik warten, bis die das mal abschafft? Pah. Als Bürger kann ich nicht nur ein Kreuzchen machen, sondern zB auch mit Konsumentscheidungen 'Politik machen'.
Da nicht jeder Bürger oder jede Firma solche Steuersparmethoden anwenden kann, entsteht Steuerungerechtigkeit. Soll ich vielleicht auf die Politik warten, bis die das mal abschafft? Pah. Als Bürger kann ich nicht nur ein Kreuzchen machen, sondern zB auch mit Konsumentscheidungen 'Politik machen'.
... fehlende, dringend bindende, internationale Paragraphen. Es wird Zeit für eine Weltregierung. Hört sich lächerlich an? Genau das ist das Problem.
Jeder hat die Entscheidungsfreiheit, auf den "Möchte ich haben"-Button zu klicken oder auch nicht. Klar wollen Amazon und Co. möglichst viel Geld an uns verdienen. Sie bekommen es aber nur, wenn wir es ihnen geben (von Steuertricks mal abgesehen).
Ich frage mich daher, ob wir es anhand der Kritik am Zukunftsmarketing nicht mal wieder mit dem allgegenwärtigen Pessimismus und mit Innovationsfeindlichkeit zu tun haben.
Meine Lösung: Vor dem Mitmachen nachdenken. Ich lese mal Empfehlungen, die zu meinem herkömmlichen Geschmack passen, lasse mich aber ein andermal überraschen, zum Beispiel in Bücherregalen von Freunden oder im Gebrauchtbücherladen. Erst kürzlich habe ich auf diese Art ein wunderbares Buch entdeckt, das mir im Laden gar nicht aufgefallen wäre. Und nichts dafür bezahlt.
Um beim Beispiel Buchempfehlungen zu bleiben: wenn ich mir vom srf ein Buch empfehlen lasse, kaufe ichs also (nach Möglichkeit nicht bei den großen Handelsketten), und bekomme wohl was "Anständiges" dafür. Wenn ich keins kaufe, kaufe ich halt was anderes. Und wenn ich nichts anderes kaufe, lege ich das Geld an, und dann wird es durch meine Bank investiert, was woanders Konsumtion erzeugen kann...
Da nicht jeder Bürger oder jede Firma solche Steuersparmethoden anwenden kann, entsteht Steuerungerechtigkeit. Soll ich vielleicht auf die Politik warten, bis die das mal abschafft? Pah. Als Bürger kann ich nicht nur ein Kreuzchen machen, sondern zB auch mit Konsumentscheidungen 'Politik machen'.
Bei goodreads geht es ja fast nur um englischsprachige Literatur und im Endeffekt hat auch Amazon bereits Empfehlungen für Bücher auf Basis der eigenen Daten. Das ganze gibt es übrigens auch auf deutsch:
http://www.meinebuchempfe...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren