Der soeben eingesetzte Generalbevollmächtige des Suhrkamp Verlags, Frank Kebekus, bezweifelt, dass die Rechtsstreitigkeiten der Gesellschafter in Folge des jetzt eingeleiteten Verfahrens noch Sinn ergeben könnten: "Wenn Herr Barlach seinen Wunsch auf Auszahlung der 2,2 Millionen in der zweiten Instanz bestätigt bekommt, müssten seine Forderungen ans Unternehmen insolvenzrechtlich behandelt werden. Jedoch wären diese Forderungen eines Gesellschafters dann nachrangig zu behandeln", sagte Kebekus in einem ausführlichen Gespräch mit der ZEIT.

In dem Gespräch nimmt Kebekus das erste Mal Stellung zu seiner künftigen Aufgabe. Am Ende des Verfahrens, so der Generalbevollmächtigte, "soll ein restrukturierter Suhrkamp Verlag stehen". Kebekus sieht die Möglichkeit, die Rechtsform des Unternehmens zu ändern, um die Auseinandersetzungen zwischen den Gesellschaftern zu beenden: "Man kann im Rahmen des Insolvenzplans alle gesellschaftsrechtlichen Möglichkeiten ergreifen, die juristisch zulässig sind." Der Rechtsanwalt zeigt sich bei diesem Plan zuversichtlich: "Wenn man schon ins Fegefeuer geht, dann sollte man möglichst alle Probleme lösen."

Kebekus stellte heraus, dass die Streitigkeiten der Gesellschafter untereinander maßgeblich für das jetzt eingeleitete Verfahren seien: "Wenn dem Unternehmen eine Kreditlinie gekündigt wird, müssen die Gesellschafter geeignete Maßnahmen treffen, um eine neue zu erhalten, beispielsweise Sicherheiten stellen. Wenn sich die Gesellschafter über alles und jedes streiten, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie sich genau über dieses Thema einigen werden. Dann gibt es keine neue Kreditlinie – und dann ist auch die Fortführungsprognose entsprechend."

Der Suhrkamp Verlag will durch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren seine Existenz sichern. Die Geschäftsführung des Verlags hatte am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen entsprechenden Antrag nach dem "Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" eingereicht. Damit will Suhrkamp verhindern, dass der Gewinn des Verlags an die Anteilseigner ausgeschüttet wird. 

Um den traditionsreichen Verlag tobt seit Jahren ein erbitterter Machtkampf zwischen den Gesellschaftern. Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält 61 Prozent der Anteile, der Medienunternehmer Hans Barlach den Rest. Die beiden Gesellschafter sind tief zerstritten und kommunizieren seit Monaten nahezu nur noch über Ihre Anwälte.

Das ausführliche Gespräch mit Frank Kebekus lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die am Mittwoch, 29.5., erscheint.