VerlagswesenSuhrkamp-Bevollmächtigter ruft Gesellschafter zur Vernunft

Frank Kebekus möchte als Generalbevollmächtigter den Suhrkamp Verlag umbauen. Einen Rechtsstreit der Gesellschafter halte er für sinnlos, sagte er der ZEIT. von  und Thomas E. Schmidt

Frank Kebekus

Frank Kebekus   |  © Federico Gambarini/dpa

Der soeben eingesetzte Generalbevollmächtige des Suhrkamp Verlags, Frank Kebekus, bezweifelt, dass die Rechtsstreitigkeiten der Gesellschafter in Folge des jetzt eingeleiteten Verfahrens noch Sinn ergeben könnten: "Wenn Herr Barlach seinen Wunsch auf Auszahlung der 2,2 Millionen in der zweiten Instanz bestätigt bekommt, müssten seine Forderungen ans Unternehmen insolvenzrechtlich behandelt werden. Jedoch wären diese Forderungen eines Gesellschafters dann nachrangig zu behandeln", sagte Kebekus in einem ausführlichen Gespräch mit der ZEIT.

In dem Gespräch nimmt Kebekus das erste Mal Stellung zu seiner künftigen Aufgabe. Am Ende des Verfahrens, so der Generalbevollmächtigte, "soll ein restrukturierter Suhrkamp Verlag stehen". Kebekus sieht die Möglichkeit, die Rechtsform des Unternehmens zu ändern, um die Auseinandersetzungen zwischen den Gesellschaftern zu beenden: "Man kann im Rahmen des Insolvenzplans alle gesellschaftsrechtlichen Möglichkeiten ergreifen, die juristisch zulässig sind." Der Rechtsanwalt zeigt sich bei diesem Plan zuversichtlich: "Wenn man schon ins Fegefeuer geht, dann sollte man möglichst alle Probleme lösen."

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Kebekus stellte heraus, dass die Streitigkeiten der Gesellschafter untereinander maßgeblich für das jetzt eingeleitete Verfahren seien: "Wenn dem Unternehmen eine Kreditlinie gekündigt wird, müssen die Gesellschafter geeignete Maßnahmen treffen, um eine neue zu erhalten, beispielsweise Sicherheiten stellen. Wenn sich die Gesellschafter über alles und jedes streiten, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie sich genau über dieses Thema einigen werden. Dann gibt es keine neue Kreditlinie – und dann ist auch die Fortführungsprognose entsprechend."

Der Suhrkamp Verlag will durch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren seine Existenz sichern. Die Geschäftsführung des Verlags hatte am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen entsprechenden Antrag nach dem "Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" eingereicht. Damit will Suhrkamp verhindern, dass der Gewinn des Verlags an die Anteilseigner ausgeschüttet wird. 

Um den traditionsreichen Verlag tobt seit Jahren ein erbitterter Machtkampf zwischen den Gesellschaftern. Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält 61 Prozent der Anteile, der Medienunternehmer Hans Barlach den Rest. Die beiden Gesellschafter sind tief zerstritten und kommunizieren seit Monaten nahezu nur noch über Ihre Anwälte.

Das ausführliche Gespräch mit Frank Kebekus lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die am Mittwoch, 29.5., erscheint.

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Leserkommentare
    • wauz
    • 28. Mai 2013 17:06 Uhr

    Die Fans und Stakeholder des Suhrkamp sollten sich zusammentun, Geld sammeln und dieses einem oder beiden Anteilseigner zusammen mit freiem Geleit ins Ausland anbieten.
    Sollte das Geld nicht zusammenkommen, war's wahrscheinlich auch nicht so wichtig...

    2 Leserempfehlungen
  1. Die wechselseitige Auschlussklage von Barlach und der Familienstiftung, deren Verhandlung auf September verschoben wurde, ist damit noch nicht vom Tisch, wenn ich das richtig verstehe. In diesem überraschenden Schutzschirm-Verfahren - der erste gute Zug von Syndikus Peter Raue, wenn es auf ihn zurückgeht - könnten sich sogar weitere Aspekte für das erstgenannte Verfahren ergeben, und zwar solche, die den Ausschluss Barlachs zum niedrigen Buchwert unausweichlich machen. Darauf wette ich seit Beginn des Streits. Was sagen die Buchmacher?

  2. Barlach ist ein Investor, ihn zu verteufeln ist Kinderkram. Er sorgte sich - offensichtlich zurecht - um die Geschäftspraktiken der Unseld Witwe. Die Gerichte gaben ihm Recht. Mit dem Insolvenzverfahren ist Suhrkamp als Unternehmen klinisch tot. Kein Investor, keine Bank wird einen Pleitekandidaten stützen. Im Gegenteil. Was die Witwe Unseld-Berkéwicz nun erreicht hat, ist exakt das, was Sie Barlach vorgeworfen hatte. Nun kreisen die Geier und schlinnstenfalls werden die Spekulanten zum Dumpingpreis Verlags- und Autorenrechte aus der Insolvenzmasse kaufen und mit diesen zocken. Dann ist nicht nur Verlagskultur zerschlagen, sondern es entsteht ein Scherbenhaufen sondergleichen. Kulturgut wird zum Spekulationsgut. Es gibt nur eine Ursache für den Verfall: besten Dank, Frau Unseld-Berkéwicz.

  3. Habe den sehr sympathischen Vermittlungsversuch von Adolf Muschg gelesen,
    der letztendlich auf die gemeinsame Geschichte Ernst Barlach - S. Fischer -
    Suhrkamp verwies. Doch ich fürchte diese Stätte des Diskurses und der Qualität ist verloren. Gerade das Herüberretten der "Suhrkamp-Kultur" ins
    digitale Zeitalter und ein nicht von den Konzernen "egaliserten" u. "markt-gerechten" Verlagsprogramm täte in diesen Zeiten der gewollten und geförderten Beliebigkeit sehr not. Man kann nur auf andere Foren für kritische Intelligenz hoffen - doch ich sehe sie leider noch nicht wirklich. Der derzeitige
    ethische und kulturelle Niedergang macht mich sehr traurig und pessimistisch.
    Doch Profit geht nun mal vor !

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Kometa
    • 31. Mai 2013 18:40 Uhr

    Hier ging nicht "Profit" vor "Geist"!
    Schauen Sie sich mal das gesamte SV-Program an - vom Deutschen Klassiker Verlag bis zum Verlag der Weltreligionen" - dieses überaus ambitionierte Programm von Siegfried Unseld steht durch dumme, eitle, uneinsichtige, verquere Unsinnigkeiten seiner Frau und ExekutÖRIN vor dem Aus.
    http://www.suhrkamp.de/buecher/

    Oder anders: Fragen Sie sich mal, bitte, wie viele Suhrkämp(f)er - ob aus alter oder neu-geschrägter Produktion - Sie sich in den letzten zwei Jahren gekauft haben.
    Ich lasse jetzt die Finger von SVlern. Und warte auf den Ramsch, z. B. der tollen, aber zu teuren Ausgaben des DKlassikerV.s.
    Da findensich keine treuen Leser mehr wie bei den ersten zwanzig Bändchen der e.s. - Es lohnt nicht, das Interesse an den neuen Autoren; und für die Schulausgaben von Frisch und Brecht würde sich ein Kleinverlag.
    Und für den Hesse?
    Ach, alter Genosse! Für dich reicht ein Web-Auftritt:
    http://www.tokado.at/index.html?http://www.tokado.at/hesse_n1.htm

    • Kometa
    • 31. Mai 2013 18:27 Uhr
    5. Punkt!

    SV: soviel vie, pardon: wie?
    Ja, in der ZEIT, im Interview. Im Vollrausch der Zahlen: Rechtsanwalt Frank Hebekus (Generalbevollmächtigter des SV beim Rettungsschirmverfahren; einem juristischen Irrgarten): „Der Verlag ist überschuldet. Punkt!“ [nein, wirr-, Quatsch warr-, äh: wahrhaftig ohne Ausrufezeichen!]“

    Bei allen journalistischen oder buchhändlerischen Großschreiber der drei letzten Jahrae habe ich bei allen Verkündigungen des Feuilletons eine finale, leider ungeschriebene Zeile vermisst: ‚Ich drehe und winde mich wenig – egal ob bernhardesk gemault oder handkisch in Sand gefiedert mit seiner Feder - es könnte ja der angenehme Zeitpunkt kommen, dass SV mich oder einen Artikel oder einen Juchz oder Furz von mir in einen Buchdeckel packen will: Dafür will ich mich jungfräulich aufopfern.’

    Ein (einer von vielen, die da unterwegs sind vom letzten Geld des SV zu profitieren) Jurist ruft: Punkt!

    • Kometa
    • 31. Mai 2013 18:40 Uhr

    Hier ging nicht "Profit" vor "Geist"!
    Schauen Sie sich mal das gesamte SV-Program an - vom Deutschen Klassiker Verlag bis zum Verlag der Weltreligionen" - dieses überaus ambitionierte Programm von Siegfried Unseld steht durch dumme, eitle, uneinsichtige, verquere Unsinnigkeiten seiner Frau und ExekutÖRIN vor dem Aus.
    http://www.suhrkamp.de/buecher/

    Oder anders: Fragen Sie sich mal, bitte, wie viele Suhrkämp(f)er - ob aus alter oder neu-geschrägter Produktion - Sie sich in den letzten zwei Jahren gekauft haben.
    Ich lasse jetzt die Finger von SVlern. Und warte auf den Ramsch, z. B. der tollen, aber zu teuren Ausgaben des DKlassikerV.s.
    Da findensich keine treuen Leser mehr wie bei den ersten zwanzig Bändchen der e.s. - Es lohnt nicht, das Interesse an den neuen Autoren; und für die Schulausgaben von Frisch und Brecht würde sich ein Kleinverlag.
    Und für den Hesse?
    Ach, alter Genosse! Für dich reicht ein Web-Auftritt:
    http://www.tokado.at/index.html?http://www.tokado.at/hesse_n1.htm

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hans Barlach | Suhrkamp-Verlag | Rechtsanwalt | Sanierung | Unternehmen | Vernunft
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