"Have you heard the news / the Dead walk" (NoMeansNo, It's catching up)

Verzeihen Sie zu Beginn die kleine Indiskretion, aber sind Sie eher der Zombie- oder eher der Vampir-Typ?

Im Diskurs der Populärkultur nehmen Fragen des Geschmacks einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert ein. Schließlich liegt das Schöne am Populären ja auch in der Faszination begründet, wie viel Identifikationspotenzial gerade Massenphänomene für das aufgeklärte Individuum bereithalten. Die Bestsellerlisten und Hitparaden der Kulturindustrie fungieren als Indikatoren solcher tektonischer Verschiebungen im Bewusstsein der kulturellen Öffentlichkeit, aber sie erfassen die Phänomene meist nur an der Oberfläche.

Wenn diese Woche der Brad-Pitt-Zombiefilm World War Z in die Kinos kommt, werden sich die Filminteressierten grob in zwei Gruppierungen spalten. (Ja, Zombies polarisieren). Die einen haben den Starttermin vor Monaten in ihrem Kalender vorgemerkt und kennen wahrscheinlich auch die Romanvorlagen des US-amerikanischen Autors Max Brooks, The Zombie Survival Guide und World War Z: An Oral History of the Zombie War. Den anderen sind Zombies (beziehungsweise Brad Pitt) ziemlich schnuppe. Wahrscheinlich haben von Letzteren stattdessen viele die Twilight-Bücher von Stephenie Meyer und mindestens eine DVD-Staffel der Vampir-Serie True Blood im Bücherregal. Zombies und Vampire vertragen sich nicht sonderlich.

Untote ohne Klassenbewusstsein

Ganz ideologiefrei darf man behaupten, dass die Präferenz für die eine oder andere Figur aus der Halbwelt der Pop-Mythologien auch ein wenig über den Menschen verrät. Vampire und Zombies verkörpern soziale Codes, die sie aus ihrer Kulturgeschichte in die Literatur- und Filmgenres eingeschleppt haben. Bekanntlich ist die Urgestalt des populären Vampir-Mythos ein Adliger. Die kultivierte Erscheinung des Grafen, seine vornehme Blässe, nobilitierte das Monster erstmals als Manifestation des Unbewussten. Dracula war auch ein romantisches Triebwesen, der blutlüsterne Verführer im Kanon der literarischen Schreckgestalten.

Zombies hingegen verfügen weder über eine Geschichte noch über Klassenbewusstsein, auch wenn sie gewöhnlich im Kollektiv in Erscheinung treten. Ihre Intelligenz ist die des Schwarms. Im amerikanischen Horrorfilm galt der Zombie lange als Underdog: unartikuliert, schluffig und die Haut hing ihm wie Stoffreste vom ausgemergelten Leib. Ein Modernisierungsverlierer, der unbemerkt durch das soziale Netz gerutscht war.        

Nicht zufällig versammelten sich in George R. Romeros Klassiker Dawn of the Dead die Zombies an einem exemplarischen Ort des ausgehenden des 20. Jahrhunderts: dem Einkaufszentrum. Leidenschaftslos rannten sie gegen die Schaufensterscheiben an, hinter denen sich die Erlebniswelten der Konsumkultur auftaten. Romeros Trilogie mit Die Nacht der lebenden Toten (1968), Dawn of the Dead (1978) und Day of the Dead lieferte den Urtext des modernen Zombiemythos. Jede neue Zombie-Erzählung bezieht sich zwangsläufig auf Romero, auch wenn die Kino-Untoten seit 28 Days Later (2002) und Shaun of the Dead (2004) eine mittlere Evolution durchlaufen sind.