Literaturpreis : Katja Petrowskaja gewinnt den Ingeborg-Bachmann-Preis

Die Berlinerin hat den renommierten Literaturpreis gewonnen. Die Autorin mit ukrainischen Wurzeln wird für ein Stück über die Nazi-Besatzungszeit in Kiew geehrt.

Die Schriftstellerin Katja Petrowskaja ist die Gewinnerin des 37. Ingeborg-Bachmann-Preises. Die Autorin, die 1970 in Kiew geboren wurde und in Berlin lebt, wurde am Sonntag mit dem mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis für ihren Text Vielleicht Esther ausgezeichnet. Es ist die Geschichte einer jüdischen Großmutter, die 1941 von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurde. 

Für die Jury ist der Text "wundervoll, kraftvoll und leicht gewebt". Der Vorsitzende der Jury, Burkhard Spinnen, beschrieb den Text als äußerst gelungene "Aneignung der Vergangenheit durch die Nachgeborenen". Petrowskaja sei eine würdige Nachfolgerin der in Russland geborenen Vorjahressiegerin Olga Martynova. "Gute Literaten zeigen im Individuellen das Allgemeine", kommentiert Jurorin Hildegard Keller das Werk der Schriftstellerin. 

Skeptisch äußerte sich Juror Paul Jandl darüber, dass Petrowskaja die Biografie konstruierte: "Mein Einwand ist die erfundene erschossene jüdische Großmutter", sagte er. Dennoch einigte sich die Jury bereits nach dem ersten Wahlgang auf Petrowskaja als neue Bachmann-Preisträgerin.

Bachmann-Preis bleibt

Unterdessen versicherte der Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Senders ORF, Alexander Wrabetz, dass der Bachmann-Preis weiterhin bestehen bleibe. Auch die Übertragung durch 3sat sei weiter garantiert.

Die Hauptkosten der Veranstaltung trug bislang der ORF. Der Sender wollte jedoch wegen Sparmaßnahmen aus dem Wettbewerb aussteigen, dagegen gab es heftige Proteste. Fehlende finanzielle Mittel sollen nun durch Sponsoren gedeckt werden, teilte auch die Kärntner Landesregierung mit. 

Der Ingeborg-Bachmann-Preis wird jährlich in der Kärtner Hauptstadt Klagenfurt vergeben und gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum. Er wurde 1976 in Gedenken an die aus Klagenfurt stammende Dichterin Ingeborg Bachmann ins Leben gerufen.

Im Rahmen der "Tage der deutschsprachigen Literatur" wurden insgesamt fünf Preise vergeben: Weitere Preisträger sind die in Berlin lebende Autorin Verena Günter (Kelag-Preis), der in Hamburg lebende Autor Benjamin Maack (3sat-Preis), der in München geborene Heinz Helle (Ernst-Willner-Preis) und die Österreicherin Nadine Kegele (Publikumspreis).


Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren