1999, ein Jahr nach Pol Pots Tod, hieß es im Lonely Planet: Während einer Flussfahrt auf dem Tonle Sap sei Gewehrbeschuss aus dem Regenwald möglich. Ein Jahr später war im Führer vermerkt, jetzt sei die Gefahr vorbei. Tatsächlich glitt die Fähre ungestört nach Phnom Penh, wo ausgelassene Stimmung herrschte: Die Bevölkerung schien aufzuatmen, wirkte begierig auf Neues, die Sprachkurse an den Universitäten waren bis in den Gang hinaus überbelegt, Wirtschaft, Korruption und Prostitution blühten wieder auf.

Zwanzig Jahre lang hatten die Roten Khmer, 1979 von vietnamesischen Truppen gestürzt, die Angst vor einem erneuten Umsturz aufrechterhalten. 1,7 Millionen Menschen oder 20 Prozent der Bevölkerung waren in den dreieinhalb Jahren ihrer Schreckensherrschaft umgebracht worden. Heute zweifelt keiner an dieser politischen Katastrophe, doch dem war nicht immer so.

Als die Khmer Rouge 1975 in Phnom Penh einzogen, jubelte der bekannte schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist in der Boulevardzeitung Expressen: "Jahrelang vergewaltigte der abendländische Imperialismus ein asiatisches Land, tötete fast eine Million Menschen, verwandelte eine schöne kambodschanische Kulturstadt in ein Ghetto, in ein Hurenhaus."

Nicht nur in Stockholm wurde der Umsturz gefeiert, europaweit war "das kambodschanische Volk" ein Held, aber in Stockholm fuhr ein aufmerksamer dreijähriger Junge im Kinderwagen bei Demonstrationen mit: Peter Fröberg Idling. Die Sache scheint ihn nicht losgelassen zu haben. Zwei Jahre hat er für eine Menschenrechtsorganisation in Kambodscha gearbeitet und danach ein ungewöhnliches Buch über das Land geschrieben: Pol Pots Lächeln.

Der Autor will nicht recht behalten

Fröberg Idling begibt sich auf die Spuren einer schwedischen Delegation, die sich, mit dem bekannten Linksintellektuellen Jan Myrdal als Zugpferd, 1978 auf Einladung des Regimes ein Bild vom Stand der Dinge machen sollte. Myrdal drehte einen Film, der nichts von dem Völkermord zeigt, der parallel zur Reise geschah. Fröhliche Menschen lächeln in die Kamera, begleitet von Myrdals weihevoller Kommentarstimme, die die kambodschanische "Bauernrevolution" feiert.

Es wäre ein Leichtes gewesen, sich im Rahmen der Gattung Generationen-Bashing über diese Absurdität herzumachen. Schon Myrdals heutige Haltung, der am 17.Juli seinen 86. Geburtstag feiert – er habe beschrieben und gefilmt, was er gesehen habe, Punkt, er wolle sich nicht mit Idling unterhalten – wäre ein schöner Anlass gewesen. Doch was entstanden ist, ist viel interessanter. Es hebt das Buch auf eine Stufe mit berühmten Reportagen wie denen des verstorbenen polnischen Branchenstars Ryszard Kapuscinsky.

Wichtig ist: Fröberg Idling will nicht recht behalten, er favorisiert Anschauung und Erfahrung vor Ideologie. Umsichtig umreißt er verschiedene Aspekte des Themas, lässt, soweit greifbar, berühmte "Täter", wie das wenig redebereite Exstaatsoberhaupt Khieu Samphan, zu Wort kommen, aber auch kleine Mitläufer, namenlose Opfer. Er findet die Voraussetzungen der Bereitschaft, sich täuschen zu lassen, nicht nur in der Voreingenommenheit von Myrdal und seinem Gefolge, sondern auch in der ebenso ideologisch motivierten Politik der kalten Krieger Nixon und Kissinger. Wenn das Abgeordnetenhaus Militäreinsätzen nicht zugestimmt hätte, überging man es einfach und Ähnliches.