Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ist tot. Der Autor des Bestsellers Tschick starb in der Nacht zum Dienstag mit 48 Jahren in Berlin, teilte der Rowohlt Verlag mit. Wie die Autorin Kathrin Passig auf Twitter schreibt, setzte Herrndorf seinem Leben selbst ein Ende.

2010 hatte Herrndorf mit seiner anrührenden Ausreißer-Geschichte Tschick einen Überraschungserfolg gelandet. Inzwischen hat sich das Buch mehr als eine Million Mal verkauft und wurde in 24 Sprachen übersetzt. In mehreren Theatern wurde auch eine Bühnenfassung des Stücks aufgeführt. 

2012 erhielt Herrndorf für seinen Roman Sand den renommierten Preis der Leipziger Buchmesse. Schon damals konnte er die Auszeichnung nicht mehr persönlich entgegennehmen. Er litt seit 2010 an einem bösartigen Gehirntumor und musste sich mehrfach operieren lassen. Seinen Kampf gegen die Krankheit dokumentierte er bis zuletzt in seinem Blog Arbeit und Struktur.

Die letzten Einträge in seinem Blog zeugen davon, wie der große Sprachkünstler immer stärker seine Worte verlor. "Ich bin nicht der Mann, der ich einmal war. Meine Freunde reden mit einem Zombie", schrieb er Anfang Juli. Und einige Tage später folgte ein Gedicht: "Niemand kommt an mich heran/bis an die Stunde meines Todes./Und auch dann wird niemand kommen./Nichts wird kommen, und es ist in meiner Hand."  

Ein Verlagsjob verhalf ihm zur Schriftstellerei

Seit der Krebsdiagnose lebte Herrndorf zurückgezogen in Berlin. "Keine Anfragen, keine Interviews, keine Lesungen, keine Ausnahmen", schrieb er in seinem Blog. Ein Roadmovie wollte er noch fertigstellen und eine Buchfassung seines Blogs.

Dabei hatte Herrndorf ursprünglich gar nicht Schriftsteller werden wollen. Am 12. Juni 1965 in Hamburg geboren und in einem "sehr kleinbürgerlichen Haushalt" ohne Literatur aufgewachsen, hatte er Kunst studiert und zunächst in Berlin als Illustrator gearbeitet – unter anderem für das Satiremagazin Titanic.

Durch einen Verlagsjob kam er eher zufällig ans Schreiben. Sein erster Roman In Plüschgewittern (2002) fand noch wenig Aufmerksamkeit. Doch schon beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2004 gewann der Newcomer mit einer Kurzgeschichte den Publikumspreis. Die Story erschien später mit anderen Erzählungen unter dem Titel Diesseits des Van-Allen-Gürtels (2007).

Einen Nachruf auf Wolfgang Herrndorf finden Sie hier