Junge Menschen unterhalten sich auf Facebook. Der Empörungsdetektor von Andreas Hock meldet vollen Ausschlag. Keine Kommaregeln, es gehe nur ums Saufen. "Mich hats voll geflasht", zitiert Hock aus einer Facebook-Unterhaltung. Nach drei Mal Kotzen (Info der vorigen Nachricht) wohl ganz normal. Schrecklich, dieser Verfall der Werte, der Sprache. Deshalb hat Hock ein Buch über die Leiden der digitalisierten Gesellschaft geschrieben und in Like mich am Arsch viele Beispiele zusammengetragen, in denen Technik das Leben der Menschen nicht gerade zum Besseren wendet. Die These des Autors: Unsere Gesellschaft vereinsamt und verblödet, schuld ist die Digitalisierung.

Das Buch soll die Abrechnung mit der Generation YouTube, der Generation Smartphone, der Generation Facebook sein. In 13 Kapiteln verfolgt Hock, wie uns Technik unser Leben vermiest, bis über den Tod hinaus (Kapitel 13: Letzte Ruhe Datenfriedhof). Man kann nur Vermutungen über die Recherche für das Buch anstellen, aber die Aneinanderreihung von immer neuen Nachrichtenfetzen und skurrilen Geschichten liest sich, als sei sie, Verzeihung, ergoogelt. Und als sei der Autor nicht über die erste Trefferseite hinausgekommen, so erwartbar sind seine Beispiele: die aus dem Ruder gelaufene Facebook-Party einer 16-jährigen Hamburgerin. WhatsApp-Unterhaltungen. Gangnam Style. Flashmob. Gähn.

Kritik an der Technikgläubigkeit der Menschen muss nicht im Stil eines Frank Schirrmachers daherkommen. Man muss nicht hochgeistig argumentieren, um Zweifel daran zu wecken, dass es sinnvoll ist, Konzerte über den Bildschirm eines in die Höhe gereckten Smartphones im Videomodus zu verfolgen. Die Polemik des Autors unterhält aber nicht, sondern ist so platt, dass einem die Lust vergeht, sich über die in der Tat miesen Geschäftspraktiken von Facebook oder Google aufzuregen, oder über omnipräsente Smartphones.

Die Debatte über Gewalt in Computerspielen hat Hock mit "Wie der Psychopathennachwuchs zu Hause Amokläufe übt" zusammengefasst. Die Aufschrei-Debatte um FDP-Politiker Rainer Brüderle auf Twitter handelt Hock als Absurdität ab, bei der "der eine oder andere unerzogene Flegel einer Frau auf die Titten starrt". Wenn er sich über die Sprach- und Mitteilungskultur auf Facebook echauffiert, ist das allerdings komisch. Schließlich ist der Kleister, der die Kapitel seines Buches zusammenhält, eine derbe Sprache, die vor Schimpfwörtern strotzt.

Technik streut den Menschen nicht nur Sand in die Augen, "verblödet" sie, wie Hock sagen würde. Manchmal kann sie auch sehr nützlich sein und Ergebnisse zu Tage fördern, die beinahe als Inhaltsangabe taugen: Für das Wort "Idiot" liefert die Schlagwortsuche in Like mich am Arsch 13 Treffer, etwa: Jeder Idiot bekommt per YouTube eine Bühne, auf Facebook werden idiotische Nachrichten verschickt. "Blöd" hat 15 Treffer, zum Beispiel: gesellschaftliche Verblödung, Männer interessieren sich blöderweise häufig fürs Bumsen, die vollkommen verblödete Arbeitskollegin. Vier Treffer für "Scheiße". Und "doof" kommt drei Mal vor: wie scheißdoof muss man sein, diese Doofmannsgehilfen, schön doof vom Vorstand.

Wenn der Autor im Titel auffordert, dass man ihn am Arsch liken kann, bleibt da nur zu sagen: Du mich auch.