Der deutsche Schriftsteller und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren. Das teilte die Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit, für die er lange gearbeitet hatte.

Im März 2013 hatte der seit Längerem gesundheitlich angeschlagene Reich-Ranicki seine Krebserkrankung öffentlich gemacht.

Reich-Ranicki wurde 1920 in Polen geboren. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er später im Warschauer Ghetto leben. Ihm gelang es aber, sich mit seiner Frau Teofila vor den Nationalsozialisten zu verstecken und den Konzentrationslagern zu entgehen. Seine literarische Arbeit begann er nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in Polen. Nach einem Publikationsverbot beschloss er 1958, von einer Studienreise in die Bundesrepublik nicht nach Polen zurückzukehren. Von 1959 bis 1973 lebte er in Hamburg und war in diesen Jahren Literaturkritiker der ZEIT. 

1973 ging er mit Joachim Fest zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er bis zu seinem Ruhestand 1988 die Redaktion für Literatur und literarisches Leben leitete. FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher twitterte: "Wir trauern alle. Noch vor 2 Stunden habe ich ihn besucht."

Populär wurde Reich-Ranicki durch die Leitung der ZDF-Büchersendung Das Literarische Quartett (1988-2001), die sich durch eine lebhafte und kontroverse Diskussionskultur auszeichnete. Als Kritiker wurde er gleichermaßen verehrt und gefürchtet.  

Für einen Eklat sorgte Reich-Ranicki bei der Verleihung der Deutschen Fernsehpreises am 11. Oktober 2008, als er vor laufenden Kameras die Ehrung für sein Lebenswerk ablehnte. Der "Gott des Donners und des Zorns" (Elke Heidenreich) begründete seine Entscheidung mit dem schlechten Niveau des deutschen Fernsehens.

Neben zahlreichen anderen Büchern veröffentlichte "MRR" 1999 seine Autobiografie Mein Leben, die zum Bestseller wurde. Darin schildert er die Flucht aus dem Warschauer Ghetto. Das Buch wurde nach Verlagsangaben mehr als 1,2 Millionen Mal verkauft. Seine Frau starb im April 2011 im Alter von 91 Jahren.

Rede im Bundestag 2012

Am 27. Januar 2012 hatte Marcel Reich-Ranicki seinen letzten großen öffentlichen Auftritt: Er sprach bei der Holocaust-Gedenkstunde im Deutschen Bundestag. Nicht als Historiker, sondern als Zeitzeuge und als Überlebender des Warschauer Ghettos berichtete der damals 91-Jährige, wie er im Juli 1942 den Beginn der Deportation der Warschauer Juden in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten erlebte.

Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag am 27. Januar 2012