ZEIT ONLINE: Herr Trojanow, eigentlich sollten Sie jetzt in Denver auf einem Kongress amerikanischer und deutscher Germanisten sein. Die USA haben Ihnen jedoch die Einreise verweigert – grundlos. Mit welchem Gefühl standen Sie am Gate?

Ilija Trojanow: Es ist ein Gefühl vollkommener Machtlosigkeit. Ich hatte in dieser Situation keinen direkten Kontakt mit der Behörde, die mir die Einreise verweigerte. Das geht über die Fluggesellschaft, die Fluggesellschaft wiederum hat eine Privatfirma beauftragt – so habe ich nicht nur keine Begründung erfahren, sondern hatte überhaupt keinen kommunikativen Zugriff. Ich stand dort am Flughafen und realisierte auf einmal, dass ich überhaupt keine Möglichkeit habe, irgendetwas zu unternehmen.

ZEIT ONLINE: Sie sind wieder zurück in Deutschland. Wie aufgebracht sind Sie noch?

Trojanow: Ich bin per se keine Person, die in solchen Ausnahmesituationen besonders heftig reagiert, weil ich davon schon einige erlebt habe. Wenn man viel reist und viel in der Welt recherchiert hat, ist man gewisse Wirrungen und Belastungen gewohnt. Für mich persönlich war das also kein großer Schlag. Ich frage mich aber, was genau die Hintergründe sind. Und die Tatsache, dass ich darüber nur spekulieren kann, irritiert mich sehr. Das ist exemplarisch für diese Black-Box, in der Dienste und Behörden im völlig Geheimen operieren.

ZEIT ONLINE: 2009 haben Sie zusammen mit Juli Zeh das Buch Angriff auf die Freiheit geschrieben. Außerdem waren sie einer der Erst-Unterzeichner eines Protestbriefs wegen der NSA-Affäre an die Bundeskanzlerin. Sie vermuten einen Zusammenhang?

Trojanow: Ja. Sie haben nur zwei von einer Vielzahl von Aktivitäten genannt. Ich übertreibe wohl nicht, wenn ich mich zu den Autoren im deutschsprachigen Raum zähle, die in den vergangenen Jahren besonders aktiv waren, wenn es um Bürgerrechte und Datenschutz ging. Das ist eine Erklärungsmöglichkeit. Wir wissen von anderen Kollegen, zum Beispiel all jenen, die derzeit die Snowden-Akten aufarbeiten, dass sie  schikaniert werden und wir wissen von vielen anderen Fällen, in denen Journalisten, Autoren und Wissenschaftler überwacht werden. Der Zusammenhang würde mich also nicht überraschen.

ZEIT ONLINE: Sie kennen den Grund ihrer Einreiseverweigerung der USA nicht. Gibt es eine Möglichkeit, sie jemals zu herauszufinden?

Trojanow: Nein, die gibt es nicht. Das haben diese Behörden schließlich auch nicht nötig. Es würde dem Selbstverständnis von Homeland Security widersprechen. Was dort geschieht, ist in deren Augen Recht, weil sie die Sicherheit der Vereinigten Staaten garantieren. Eine Rechtfertigung scheint unnötig.

ZEIT ONLINE: Wurde Ihnen zum ersten Mal ein Visum verweigert?

Trojanow: Als ich letztes Jahr ein Arbeitsvisum als Gastprofessor in St. Louis beantragt habe, wurde ich unglaublich lange hingehalten, weit über die normalen Fristen hinaus. Als ich die Gründe wissen wollte, habe ich immer die gleiche Antwort bekommen: Wir geben grundsätzlich keine Auskunft.