Die Frankfurter Buchmesse, die größte der Welt, dauert noch bis zum Sonntag und wird von einem einzigen Thema bestimmt, von der Zukunft des Buches. 

Mit Buch ist das gute alte Papierbuch gemeint. Das nämlich bildet die Grundlage der Bücherproduktion und ihres Vertriebs, also der Verlage und Buchhandlungen. Für die zusehends wachsende digitale Verbreitung gibt es noch immer kein wirklich lukratives Geschäftsmodell, jedenfalls nicht für die Traditionsverlage, die ihr Geld in die Lektorierung und Ausstattung qualitätsvoller Bücher investieren.  

Die Zeit, als Autoren ihre Typoskripte oder gar Manuskripte per Post an den Verlag schickten, wo sie abgeschrieben und in Satz gegeben wurden, ist lange vorüber. Wenn aber die Texte digital verarbeitet werden, dann ist das Papierbuch lediglich eine der möglichen Publikationsformen – und sicherlich die aufwändigste.

Schon länger ist klar, dass Lehrbücher und Nachschlagewerke ihr Ziel auf elektronischem Wege besser erreichen – allein schon deshalb, weil sie dann schneller zu aktualisieren sind. Ganz abgesehen davon, dass die 30 Millionen Artikel, die Wikipedia bietet, in keinem traditionellen Lexikon Unterkunft fänden. Die Lexikon-Verlage sind folglich verschwunden oder kämpfen ums Überleben.

Wofür also das Papierbuch? Es ist eine besondere Form, die noch gar nicht sehr alt ist – verglichen mit der Geschichte der Schrift. Der arme Heinrich des Hartmann von Aue beginnt mit den Zeilen: "Ein ritter sô gelêret was, daz er an den buochen las." Auf Neuhochdeutsch: Ein Ritter war so gebildet, dass er Bücher lesen konnte.

Um 1190, als Hartmann dies schrieb, war das Buch noch der Kodex, eine Sammlung von Bögen aus Pergament. Erst rund hundert Jahre später verbreitete sich das Papier. Mit der Erfindung des maschinellen Drucks entstand das Buch, wie wir es heute kennen.

Dieser Fortschritt beflügelte die Literatur und die Erfindung des Romans. Einer der Ersten war der Tristram Shandy des Engländers Lawrence Sterne. Das Buch erschien zwischen 1759 und 1767 in neun Fortsetzungsbänden.

Es ist kaum vorstellbar, dass der Tristram Shandy als E-Book erschienen wäre; dass Balzac, Dostojewski, Melville oder Proust ihre gewaltigen Werke geschrieben hätten, hätte es das Papierbuch nicht gegeben. Ein neueres Beispiel ist der Roman des großen David Foster Wallace Unendlicher Spaß. Die 1.500 Seiten will man, kann man auf einem iPad nicht lesen.

Das traditionelle Buch ist eine technische Form, die ihrerseits eine literarische Form hervorgebracht hat. Der Roman als Kunstwerk, als ästhetische Erscheinung braucht das Buch, so wie der Schauspieler das Theater und der Komponist das Orchester. All das wird nicht verschwinden, auch das Buch nicht.

Das Problem besteht allerdings darin, dass unsere Verleger, denen wir die vielen schönen Bücher verdanken, und leider auch die hässlichen, mit zerfurchter Stirn in die Zukunft blicken. So, wie sie bislang gewirtschaftet haben, wird es nicht auf Dauer gehen. Das ist nicht allein ihr Problem, es geht auch uns Leser an.