ZEIT ONLINE: Herr Lobo, Sie sind unter die Buchhändler gegangen. Was kann Ihre Plattform Sobooks, was andere nicht können?

Sascha Lobo: Sobooks will herausfinden, was das Internet mit dem Buch macht. Deshalb kann man mit dem Text interagieren. Mit einem Klick lassen sich Sätze markieren, Meinungen abgeben oder Zitate über Facebook und Twitter rausjagen.

ZEIT ONLINE:  Die Idee des Social Readings, des interaktiven Leseprozesses, ist nicht neu. Kommentieren, liken, sharen – das kann man auch bei anderen Anbietern.

Lobo: Im Unterschied zu anderen Plattformen stehen bei Sobooks die Kommentare genau an der Stelle im Buch, auf die sie sich beziehen. Und man kann diese Diskussion jederzeit nach außen tragen: Man kann einzelne Seiten verlinken und diese Links überall einbinden. Wie im Internet eben. Oder man kann andere Leute zu einer Diskussion ins Buch einladen. Oder als Autor selbst in das Buch hineingehen und mitdiskutieren.

ZEIT ONLINE:  Bevor man interagieren kann, muss man die Bücher allerdings kaufen. Erwirbt man bei Sobooks – ähnlich wie bei Amazon – lediglich einen Zugang zur Cloud, der hinfällig wird, sobald man den Anbieter wechselt?

Lobo: Der Nutzer ist im Moment im Markt total eingesperrt: Amazon schreibt vor, wie und wo das E-Book verwendet werden darf. Wir dagegen glauben: Wenn der Nutzer ein Buch gekauft hat, soll er damit privat machen, was er möchte. Wenn er es auf seinem Toaster lesen will, soll er das tun.

ZEIT ONLINE:  Man ist bei Ihnen also an kein spezielles Lesegerät gebunden?

Lobo: Das Lesegerät ist der Browser. Man kann sich von jedem seiner Geräte aus einloggen, fertig. Die Bücher sind im Netz.

ZEIT ONLINE:  Dann muss man aber immer online sein?

Lobo: Nein, man kann die Bücher auch runterladen als EPUB oder PDF. Ohne Kopierschutz, nur mit einem sogenannten Wasserzeichen.

ZEIT ONLINE:  Wie haben Sie die Verlage dazu überreden können?

Lobo: Ehrlich gesagt fängt das Überreden gerade erst an. Aber Sobooks heißt Social Books, das heißt Reden über Bücher, und das halten wir für ein wichtiges Verkaufskriterium. Bücher, über die man spricht, werden häufiger verkauft – nicht umgekehrt. In Deutschland entzünden sich große gesellschaftliche Diskussionen oft an Büchern: Hegemann, Sarrazin, Roche, Schirrmacher, das sind alles Autoren, deren Bücher zu riesigen Debatten geführt haben. Einen Teil solcher Debatten wollen wir künftig ins Buch verlagern. Weil das ein Mehrwert ist, den nur wir bieten. Dadurch wird es weniger interessant, das Buch "raubzukopieren". Wenn die richtigen Leute mitdiskutieren und vielleicht sogar die Autoren dabei sind, dann will der Leser sehen, was die sagen. Und das gibt es nur bei uns.

ZEIT ONLINE:  Sie führen, außer der Kommentarspalte, noch etliche andere Funktionen ein.

Lobo: Zum einen kann man bei uns jedes Buch auch verschenken, es reicht, den Namen des Beschenkten und seine E-Mail-Adresse einzugeben. Bislang werden E-Books kaum verschenkt, dabei macht das Buchgeschenk einen großen Teil des Papierbuchmarkts aus! Wir wollen diesen Markt entdecken. Zum anderen kann man als Autor eine Profilseite anlegen und dort künftige Buchprojekte vorstellen. Die Leser können diese Bücher zum Vorzugspreis vorbestellen. Ein superaltes Instrument, die Subskription, Klopstock hat das schon gemacht. Vor allem aber ist es Crowdfunding ohne den Beigeschmack des Bettelns.