Der Schriftsteller lija Trojanow © Jens Kalaene/dpa

Der Schriftsteller Ilija Trojanow darf trotz einer Einladung zu einem Kongress nicht in die USA einreisen. Nach Angaben der Schriftstellerin Juli Zeh wurde Trojanow ohne Begründung an der Grenze abgewiesen, er sitze nun an einem Flughafen in Brasilien fest.

Der Schriftsteller hatte in den USA an einem Germanistenkongress teilnehmen wollen. Ihr "Freund und Mitstreiter" müsse nun "sehen, wie er nach Hause kommt, ohne US-Staatsgebiet zu betreten", berichtete Zeh auf ihrer Facebook-Seite.

Spiegel Online zufolge hat Trojanows Verlag diese Darstellung auf Anfrage bestätigt. Demnach habe der Schriftsteller sich per SMS aus Brasilien gemeldet: "Mir wurde heute die Einreise in die USA verweigert. Nun aber eine anstrengende Heimreise."

Zeh brachte das Einreiseverbot für Trojanow in Zusammenhang mit einem von ihr initiierten offenen Brief gegen die Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA. "Formulieren wir es mal positiv: Unser aller Engagement zeigt Wirkung. Es wird zur Kenntnis genommen. Formulieren wir es negativ: Es ist eine Farce. Die reine Paranoia. Menschen, die sich für Bürgerrechte stark machen, werden als Staatsfeinde behandelt", schrieb sie auf Facebook.

Zeh hatte die Petition mit über 65.000 Unterschriften am 18. September im Kanzleramt übergeben. Darin fordern die Unterzeichner Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer "angemessenen Reaktion auf die NSA-Affäre" auf. Trojanow war einer der Erstunterzeichner.

In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung äußerte sich Trojanow am Mittag persönlich aus Brasilien. Sein Fall sei "speziell", habe man ihm dort gesagt. "Es ist mehr als ironisch, wenn einem Autor, der seine Stimme gegen die Gefahren der Überwachung und des Geheimstaates im Staat seit Jahren erhebt, die Einreise in das 'land of the brave and the free' verweigert wird", schrieb Trojanow. Sein Fall illustriere die Folgen einer desaströsen Entwicklung. Warum er nicht in die USA einreisen darf, wisse er immer noch nicht. 

Der 1965 in Bulgariens Hauptstadt Sofia geborene Schriftsteller war im Jahr 1971 mit seiner Familie nach Deutschland geflüchtet. Für seinen Roman Der Weltensammler wurde Trojanow 2006 der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Gemeinsam mit Juli Zeh schrieb er vor drei Jahren das Buch Angriff auf die Freiheit: Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte. Auf Einladung der German Studies Association hätte Trojanow am 5. Oktober in Denver einen Vortrag über seinen jüngsten Roman EisTau halten sollen.