Wenn er damals schon in der Schule gewesen wäre, wenn er lesen hätte können und sich für Bücher interessiert hätte. Wenn er begriffen hätte, was sich in diesem kleinen Buchladen an der Columbus Avenue in San Francisco abspielt – Dean Samuelson wäre gekommen. "So oft wie möglich", sagt er. Er hätte sich mit Jack Kerouac und Allen Ginsberg unterhalten, hätte Lawrence Ferlinghetti in seinem Vorhaben unterstützt, die einst verhassten Texte der Beat Generation zu veröffentlichen. Er wäre Teil gewesen von all dem. "Schön wäre das gewesen", sagt er. Vor 60 Jahren, als der Autor Ferlinghetti den Buchladen City Lights gründete, war Samuelson fünf Jahre alt. 

Er sitzt auf einem Holzstuhl im Erdgeschoss des Geschäfts. Hinter ihm, neben ihm, vor ihm braune Holzregale voller Bücher. Gedichte und Romane, Bildbände und Reiseführer. Vor ihm auf den Knien liegt ein Buch über die chinesische Mauer, da will er bald mal hin, deswegen. Neulich hatte er einen Roman von Susan Sontag in der Hand, als er ein paar Stunden lang Bücherluft schnuppern wollte, wie er es nennt. 

Es gibt Buchläden und es gibt den City Lights Bookstore. Ein Ort, an dem man glaubt, noch ein wenig von der unkonventionellen und chaotischen Zeit zu spüren, damals vor 60 Jahren, als mit einer kleinen Gruppe junger Autoren eine neue literarische Bewegung entstand. Alternativ und politisch links, ein bisschen chaotisch, eine literarische Subkultur, mit der sich die amerikanische Gesellschaft anfangs schwer tat. Drogen, Alkohol, Homosexualität, explizit sexuelle Texte – viel Platz war nicht für Jack Kerouac, Allen Ginsberg und ihre Freunde, die anders sein wollten als die prüde amerikanische Nachkriegsgesellschaft.

Berühmt durch einen Gerichtsprozess

Den Platz fanden sie bei Lawrence Ferlinghetti, der City Lights gründete, um einen Raum zu schaffen, in dem sich der Geist der Beat Generation, wie sich die jungen Poeten und Schriftsteller bald nannten, entfalten konnte. Ferlinghetti war es auch, der 1956 Allen Ginsbergs Gedicht Howl veröffentlichte und damit einen Skandal auslöste. Ein emotionaler, aggressiver Text über persönliche Erlebnisse, politische und soziale Themen, geschrieben in drei Teilen wie eine Aneinanderreihung loser Gedanken, ohne klassischen Rhythmus oder Versmaß, wie eine Jazz-Improvisation. Das Gedicht galt als obszön, es handelte von Sex und Drogen. Ferlinghetti wurde verklagt, gewann den viel beachteten Prozess ein Jahr später und hatte die Beat Generation samt ihrer Autoren und Texte damit bekannt gemacht.  


Eine steile Holztreppe führt in den ersten Stock der Buchhandlung. Beat Generation prangt auf großen Schildern und auf den Treppenstufen. An der Wand auf dem Weg nach oben hängen Fotos vom jungen Jack Kerouac vor einem Auto, ganz so, wie man ihn sich vorstellt, wenn man On the Road gelesen hat. Der erste Stock gehört ihnen: Kerouac, Ginsberg, William S. Burroughs. Ein literarisches Testament auf Regalbrettern. Paul Yamazaki arbeitet seit 1970 für Ferlinghetti, er ist für den Einkauf der Bücher zuständig und mag den ersten Stock besonders gern. "Weil es ein Ort ist, der die Hektik der Straße draußen verschluckt."