Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff, nachdem ihr am 26.10.2013 in Darmstadt der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde. © Andre Hirtz/dpa

Verzeihen Sie, wir sind heute an dieser Stelle etwas gereizt, weil wir wegen anhaltender Literaturdebattendichte schon wieder eine Olivenölverkostung unterbrechen mussten. Doch natürlich freuen wir uns auch, wenn die Premiumgeister der Gegenwart derselben mal so richtig ans Bein pinkeln und sich dabei selbst eine nasse Hose holen. Oder eben einen nassen Blumenrock. 

Oder was man eben so trägt, wenn man Sibylle Lewitscharoff ist und auf Literaturpreisen gebettet herumliegt und hin und wieder den klammen Gefühlen nachgibt, die dann zu Gedanken werden, dann zu Romanen oder zu Gedichten oder eben zu Reden wie neulich im Dresdener Schauspielhaus, um Geburt und Tod ging die, da war dann ordentlich was los.

Sibylle Lewitscharoff sprach über Kinder, die durch künstliche Befruchtung zur Welt gekommen sind. Das findet Sibylle Lewitscharoff "abartig", weil solche Kinder ein "halb künstliches Weißnichtwas" seien, was wir übrigens auch über die Romane von Sibylle Lewitscharoff sagen könnten, hätten wir denn jetzt Lust, sie überhaupt zu lesen. Und angesichts solcher medizinischer Entwicklungen, denkt Sibylle Lewitscharoff, an "die Kopulationsheime, welche die Nationalsozialisten einst eingerichtet haben, um blonde Frauen mit dem Samen von blonden blauäugigen SS-Männern zu versorgen" – obwohl wir uns lange fragten, ob das Tu-Wort "denken" hier überhaupt noch angemessen ist. 

So wie der Büchner-Preisträger Martin Mosebach vor einiger Zeit mal in einem gesinnungskatholischen Anfall die Blasphemie unter Strafe stellen wollte, hält nun die Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff in ihrer Degradierungsarie auch ein Onanieverbot für "weise". 

Bevor wir aber über die Auswirkungen des Büchner-Preises auf das Seelenleben von Schriftstellern sinnieren, erinnern wir uns lieber, dass die Akademie, die diesen Preis verleiht, ja nicht nur eine für Sprache ist, sondern auch für Dichtung, und an der scheint es Sibylle Lewitscharoff wohl gerade zu mangeln. Oder war es nicht sogar Büchner, der die Worte schrieb: Friede den Müttern, Krieg den Samenbanken? Hat er so nicht gesagt?

Gehorsamst melden wir jedenfalls, ehe wir wieder in die uns übliche Erregungsfaulheit verfallen: Wir machen ab heute brav das Licht aus und lassen die Hände über der Bettdecke, versprochen. Wegen vorzeitigem Pointenerguss muss dieser Text allerdings nun sein Ende finden, tut uns wirklich leid, sorry echt.

In der Themenwoche Ungewollt kinderlos hat sich ZEIT ONLINE damit beschäftigt, wie Menschen mit Unfruchtbarkeit, Fertilisation und deren moralischen Implikationen umgehen.