DDR-EssayistinSchriftstellerin Helga Königsdorf ist tot

"Ich gehe unter Protest", schrieb Helga Königsdorf über ihre Krankheit und den Tod. Im Alter von 75 Jahren ist die Romanautorin und Essayistin in Berlin gestorben.

Die Berliner Schriftstellerin Helga Königsdorf ist tot. Sie starb im Alter von 75 Jahren in einem Pflegeheim, wie der Aufbau Verlag bestätigte. Sie schrieb unter anderem die Romane Im Schatten des Regenbogens (1993) und Die Entsorgung der Großmutter (1997). In mehreren Essaybänden setzte sich Königsdorf mit der DDR-Vergangenheit und dem deutsch-deutschen Verhältnis auseinander. Titel ihrer Bücher waren etwa Adieu DDR. Protokolle eines Abschieds (1990), Aus dem Dilemma eine Chance machen (1991) und Über die unverzügliche Rettung der Welt (1994).

Für Königsdorf hatte Literatur die Aufgabe, den "kleinen Menschen in sein Recht zu setzen". Dafür ließ sich die Autorin, die den ironisch-hintergründigen Ton liebte, durchaus auch "altmodisch" nennen. Von der Literaturkritik wurde sie als "leise Stimme der Vernunft" gelobt, gelegentlich warf man ihr später im Umgang mit der DDR-Vergangenheit jedoch einen "weinerlich-sentimentalen Ton" vor.

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Am 13. Juli 1938 in Gera geboren, hatte die Landwirts- und Unternehmertochter zunächst eine wissenschaftliche Karriere gemacht. Sie studierte Physik in Jena und Berlin, 1974 wurde sie an die Ost-Berliner Akademie der Wissenschaften als Professorin berufen. Dort leitete sie unter anderem eine Abteilung für Wahrscheinlichkeitsrechnung und Mathematische Statistik und publizierte unter dem Namen Helga Bunke. Erst mit 40 Jahren veröffentlichte sie unter ihrem Mädchennamen Königsdorf ihren ersten Erzählband Meine ungehörigen Träume.

Neben Christa Wolf, Brigitte Reimann, Maxie Wander oder Irmtraud Morgner gehörte Königsdorf in den siebziger und achtziger Jahren zu den Autorinnen, die sich kritisch mit der viel gepriesenen Gleichberechtigung der Frauen in der DDR auseinandersetzten. 1990 gab sie ihren Beruf als Professorin auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen

Kampf gegen die Krankheit

Mehr als 30 Jahre hat Königsdorf gegen die Parkinson-Krankheit gekämpft. Ihr Leiden thematisierte sie mehrfach literarisch, zuletzt 2002 in ihren Memoiren unter dem Titel Landschaft in wechselndem Licht. Immer wieder von Krankheitsschüben unterbrochen, hatte sie drei Jahre daran gearbeitet.

Die Frage, ob sie alle von ihr geschilderten Ereignisse, Geschichten, Gefühle und Katastrophen wirklich durchlebt habe, beantwortete Königsdorf im Vorwort so: "Das ist ja gerade das Tolle am Leben: Was auch darüber gesagt oder geschrieben wird, es ist immer anders gewesen."

Mehr und mehr lähmte jedoch die Krankheit ihre Energien. Ein neues Buch traute sie sich schon 2002 nicht mehr zu. "Ich denke, ich schaffe es nicht mehr", sagte sie bei der Vorstellung ihrer Memoiren. 2005 kamen sie nochmals als Taschenbuch heraus. Inzwischen sind ihre Werke nicht mehr lieferbar.

In ihren Erinnerungen sprach Helga Königsdorf freimütig über ihre Angst vor dem Tod: "Ich akzeptiere das Sterben nicht. Ich gehe unter Protest. Ich hätte so gerne gesehen, wie es weitergeht."

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Leserkommentare
  1. ist vom uns gegangen! Wir verlieren eine ganz große Mathematikerin und eine aufrechte Unbestechliche.

  2. Sie wurde nicht als Helga Bunke in Thüringen geboren, sondern als Helga Königsdorf. Ihre Beobachtungen und Gedanken in ihren Büchern zum Wissenschaftsbetrieb der DDR-Endzeit und die Eitelkeit von Beteiligten, meistens Männern, treffen auf die bundesdeutsche Gegenwart genauso oder sogar noch stärker zu. Ich werde ihre Bücher mal wieder in die Hand nehmen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sc
  • Schlagworte Brigitte Reimann | Christa Wolf | DDR
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