Poppy J. Anderson: 400.000. Hanni Münzer: 295.000. Nika Lubitsch: 280.000. BC Schiller: 270.000. Catherine Shepherd: 180.000. Marah Woolf: 250.000. Hannah Kaiser: 153.000. Matthias Matting: 150.000. Béla Bolten: 83.000. Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen Ihnen diese Namen nichts. Wenn Sie zu den grob zehn Prozent der Deutschen gehören, die bereits eBooks lesen (die Statistiken schwanken da erheblich), dann können Sie den Namen und Zahlen wohl einen Sinn zuordnen: So viele Bücher haben diese Autoren bereits verkauft. Zum Vergleich: Die typische Startauflage eines gedruckten Buchs liegt bei 5000 bis 10.000 Exemplaren.

Trotzdem tauchen ihre Titel weder auf den gängigen Bestsellerlisten auf, noch werden sie im Feuilleton der großen Zeitungen besprochen. Die Verfasser dürfen nicht einmal dem Verband deutscher Schriftsteller beitreten, denn es handelt sich um Werke, die im Self Publishing, also ohne Verlag im Hintergrund, erschienen sind und zum Großteil in rein elektronischer Form ihre Leser fanden.

Den Selbstverlag als letztes Mittel des keinen willigen Verleger findenden Autors gibt es zwar schon seit Jahrhunderten. Doch eine ganze Auflage vorzufinanzieren und über Großhandel und Handel an den Leser zu bringen, das konnte der Einzelne dem Verlag bisher nur unter hohem Aufwand nachmachen.

Die Verbreitung des eBooks hat diese Hürden aus dem Weg geräumt. Das digitale Buch liegt in unendlicher Menge in der Cloud. Der Leser bezahlt und lädt es per Fingertipp, ohne das Haus verlassen zu müssen. Es verdienen: der Autor, der mit 50 bis 70 Prozent des Verkaufspreises nach Abzug der Mehrwertsteuer den größten Anteil bekommt, und der Händler. Verlage kommen in der Rechnung nicht mehr vor. Die Viererbeziehung Autor – Verlag – Handel – Leser könnte sich in eine Dreierbeziehung verwandeln. Doch das wollen offenbar nicht alle Beteiligten.

Ha! Es sind sicher die Verleger, die weinend neben der Druckmaschine stehen und den Kopf hängen lassen, das kennt man ja! Doch tatsächlich haben Verlage frühzeitig versucht, den Trend für sich zu nutzen. Der Holtzbrinck-Verlag startete 2007 mit ePubli eine Plattform, die Selbstverlegern beim Vertrieb gedruckter und elektronischer Bücher hilft. DroemerKnaur gründete 2010 mit Neobooks einen der heute größten Dienstleister für Indie-Autoren. Erfolgreiche Self Publisher sparen sich heute die früher übliche Ochsentour, ihr Manuskript über ihre Agenten verschiedenen Verlegern anzudienen: Stattdessen durchforsten Verlagslektoren von sich aus die einschlägigen eBook-Bestsellerlisten und versuchen, viel versprechende Schreiber für sich zu gewinnen.

Nein, Desinteresse, gar Ablehnung schlägt Self Publishern ausgerechnet von den Buchhändlern entgegen, die eigentlich profitieren könnten, denn am Handel führt auch in der digitalen Buchwelt kein Weg vorbei. Dass Autoren ihre Werke direkt an die Leser verkaufen, ist zwar technisch möglich, wird sich aber nicht durchsetzen, weil es für die Kunden viel komfortabler ist, allen Lesestoff aus einer Quelle zu beziehen. Der Aufwand, ein eBook an die Frau oder den Mann zu bringen, ist zudem viel geringer als bei einem physischen Werk, trotzdem winkt ein Handelsrabatt in selber Höhe.