Der eine Jubilar ist überraschend verstorben, der andere, ältere, hat sich sachte zurückgezogen und bleibt im Hintergrund präsent. Lutz Schulenburg führte seine Edition Nautilus durch beinahe vierzig Jahre, bis er 2013 einem Herzinfarkt erlag.

Klaus Wagenbach gründete seinen Verlag vor fünfzig Jahren, da war der damals 33-jährige gerade als Lektor bei S. Fischer entlassen worden, weil er gegen die Verhaftung eines DDR-Verlegers auf der 1963er-Buchmesse protestiert hatte. Also verkaufte Wagenbach "eine väterliche Wiese", deren Erlös der Grundstock für "ein stehendes Gewerbe" bildete, für den eigenen Verlag, dessen 50. Geburtstag vergangenen Freitag im Berliner Maxim-Gorki-Theater feierlich begangen wurde.

Bei Schulenburg war es der Kontakt zur Pariser Szene um den Philosophen Guy Debord, der den Hamburger mit Partnerin Hanna Mittelstädt inspirierte, die Edition Nautilus zur schmalen deutschen Speerspitze der "Situationistischen Internationale" zu machen. Das hieß vor allem Verbindung zum surrealistisch-dadaistischen Erbe der Linken, wozu passt, dass der lange wichtigste Erfolg von Nautilus Dinner for one war – in unzähligen Varianten, von Sächsisch bis Schweizerdeutsch. Auch der erste richtige Bestseller war, nach dreißig Jahren, kein anarchistischer Klassiker wie Bakunin, sondern Andrea Maria Schenkels Krimi Tannöd, der über eine Million Mal verkauft wurde.

Kein Management, das Titel verhagelt

Bei Wagenbach sind die Bücher, die den Betrieb am Laufen halten, nicht ganz so ungewöhnlich. Aber auch die dreihunderttausend Exemplare von Alan Bennetts Die souveräne Leserin, der Novelle über Königin Elizabeth, ließen sich nicht voraussehen. Von den ersten beiden Werken Bennetts waren gerade einmal 800 Exemplare abgesetzt worden. Daneben gibt es literarische Langzeiterfolge wie A. L. Kennedy, die erst vor Kurzem den Verlag gewechselt hat. Auch Bücher wie Houellebecqs Ausweitung der Kampfzone beweisen die richtige Nase. Nur Elementarteilchen so Klaus Wagenbach, "war uns dann doch zu rechts". 

Inzwischen führt Schulenburgs Partnerin Hanna Mittelstädt die Edition, und Wagenbachs Frau Susanne Schüssler ist seit 2002 leitende Gesellschafterin in Berlin. Neue Anfänge. Aber beide "starken Witwen" legen Wert auf strukturell wichtige Überbleibsel aus den linken Anfängen. So wird an beiden Orten bis heute "kollektiv" entschieden, ob ein Buch gemacht werden soll. Das ist ein erheblicher Unterschied zu Buchkonzernen, in denen das Management Lektoren gern die Bücher verhagelt – oder oft schon die Ideen dazu ausdünnt.

Qualitätsjournalismus wird weggepart

Doch das Jubiläum zweier verwandter Institutionen muss kein Anlass zu rituellem Dauerjammer über Branchen-Probleme sein. Erstaunlicherweise gibt es eine Menge gegenläufiger Initiativen. Manche, wie der Berliner Verbrecher Verlag, sind selber schon Institutionen geworden, die indes immer wieder für überraschende Impulse sorgen. Bei anderen werden die Bücher wahrgenommen, ohne dass man wüsste, wer sie auf den Markt gebracht hat. Ein Beispiel dafür sind Sturz ins Chaos, das grundlegende Afghanistan-Buch von Ahmed Rashid, oder die neue Edward-Snowden-Biografie von Luke Harding. Beide sind auf Deutsch bei der Edition Weltkiosk in London erschienen, die von Henning Hoff und Alexandra Steffes betrieben wird.

Sehen die Verleger – auch sie ein Paar – sich in einer Linie mit Nautilus und Wagenbach? "Auf der Skala zwischen links und rechts sind wir nirgends einzuordnen", meint Henning Hoff, der als Korrespondent der FAZ lange in London lebte, "aber um Politik geht es uns, und da wird Information immer wichtiger. Man kann das gerade am Beispiel der Ukraine verfolgen. Seit der Wahl von Poroschenko gibt es kaum mehr westliche Journalisten dort, also kaum mehr fundierte Berichte, obwohl die Entwicklung für Europa extrem wichtig ist."
Konzentration auf Erregungsberichterstattung ist ein Phänomen, das um sich greift." Oft sei es der Druck zu sparen, der Qualitätsjournalismus verhindere. Man merkt es sogar bei der BBC. Umso trauriger ist, wenn nicht einmal die Autoren belohnt werden, die weiter auf hohem Niveau arbeiten.