Mehr als 100 deutsche Schriftsteller haben den Internethändler Amazon wegen dessen Geschäftsmethoden kritisiert. In einem Protestbrief an Amazon-Chef Jeff Bezos, aus dem das Handelsblatt zitierte, heißt es: "Amazon manipuliert Empfehlungslisten. Amazon nimmt Autoren und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen." 

Zu den Erstunterzeichnern gehören Autoren wie Ingrid Noll (Die Apothekerin), Nele Neuhaus (Sommer der Wahrheit), Eva Rossmann (Männerfallen) und der Tatort-Autor Fred Breinersdorfer. Auch Elfriede Jelinek, Günter Wallraff und John von Düffel haben unterschrieben.

"Wir müssen die Leser aufklären, dass die Manipulation der Empfehlungslisten und die verzögerte Auslieferung von Büchern, deren Verlage sich gegen Amazon wehren, zum Alltag bei Amazon gehören", sagte Regula Venske, Generalsekretärin des PEN-Zentrums Deutschland, der Zeitung. Der Vorstandssprecher des Bundesverbandes junger Autoren und Autorinnen, Tobias Kiwitt, sagte: "Wir Autoren sind der Meinung, dass kein Buchhändler den Verkauf von Büchern behindern oder gar Kunden vom Kauf von Büchern abhalten darf." Die Autoren beklagen demnach, dass Amazon auch die Auslieferungen von Büchern einzelner Verlage verlangsame.

Der offene Brief soll zu Beginn der nächsten Woche veröffentlicht werden. Der Protestbrief der deutschen Schriftsteller folgt auf den Protest von mehr als 900 US-Schriftstellern wie Stephen King oder John Grisham, die das Vorgehen von Amazon im Streit um E-Book-Preise kritisiert hatten. Amazon verweist darauf, dass Bücher billiger werden müssten, da sie mit anderen Medien in Konkurrenz stünden.