Lutz Seiler hat den besten deutschsprachigen Roman des Jahres geschrieben. Für seinen Aussteigerroman Kruso über die DDR-Endzeit auf Hiddensee erhielt der Autor den begehrten Deutschen Buchpreis. Die Ostseeinsel war vor der Wende Fluchtpunkt für viele Aussteiger. Für das Finale des Buchpreises waren sechs Romane nominiert.

Videolesung - Lutz Seiler liest aus "Kruso"

Der Autor habe poetisch und sinnlich sowie in einer fast ins Magische gehenden Sprache den Sommer des Jahres 1989 auf der Insel Hiddensee beschrieben, würdigte die Jury den Roman. Als "Vorhof des Verschwindens" sei Hiddensee damals ein Ort für Sonderlinge, Querdenker, Freiheitssucher und angehende DDR-Flüchtlinge geworden. Daraus habe Seiler eine packende Robinsonade um den titelgebenden Kruso und den jungen Abwäscher Edgar gemacht, pries das Kritikergremium den Roman.  

Der 51-jährige Seiler ist vielfach ausgezeichneter Lyriker – Kruso jedoch ist sein Debütroman. Der gebürtige Thüringer Seiler machte in der DDR eine Lehre als Baufacharbeiter, bevor er wie sein Romanheld Germanistik studierte. Seiler lebt heute in der Nähe von Berlin und Stockholm.  

Kruso – "ein Requiem für alle Ostseeflüchtlinge"

Im Zentrum seines Romans steht eine Gruppe von Aussteigern, die eine Gaststätte auf Hiddensee betreibt. Seiler selbst arbeitete damals als Abwäscher auf der Insel. Kruso sei zugleich auch ein Requiem für alle Ostseeflüchtlinge, die bei ihrer Flucht ums Leben kamen, teilte die Jury mit.

Roman von Lutz Seiler - Lesetipp von Ijoma Mangold: "Kruso" Lutz Seiler beschreibt in hochpoetischer Sprache eine Gemeinschaft von DDR-Austeigern, die kurz vor dem Mauerfall auf der Ostseeinsel Hiddensee stranden. Zurecht nominiert für den Deutschen Buchpreis, findet ZEIT-Literaturchef Ijoma Mangold.

Seiler nahm die Ehrung in Frankfurt am Main persönlich entgegen. Er sagte, Lyrik und Prosa seien gleichermaßen wertvoll für ihn. "Man hat diese verschiedenen Leben, das Gedichtleben und das Romanleben. Und das ist sehr schön, denn man kann zwischen diesen Leben in Abständen hin und her gehen."

25.000 Euro Preisgeld für Seiler

Seiler setzte sich gegen fünf weitere Romane durch. Auf der Mitte September veröffentlichten Shortlist standen noch die neuen Romane von Thomas Hettche (Pfaueninsel), Angelika Klüssendorf (April), Gertrud Leutenegger (Panischer Frühling), Thomas Melle (3.000 Euro) und Heinrich Steinfest (Der Allesforscher).

Der Deutsche Buchpreis gilt als die Literaturauszeichnung mit der größten Publikumsresonanz in Deutschland. Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die restlichen fünf Finalisten 2.500 Euro. Die Auszeichnung wird stets am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehen. Im vergangenen Jahr wurde Terézia Mora für den Roman Das Ungeheuer ausgezeichnet.