Der Schriftsteller Siegfried Lenz ist tot. Das gab sein Verlag Hoffmann und Campe bekannt.

Als Lenz' wichtigstes Werk gilt der Roman Deutschstunde (1968) über die Zeit des Nationalsozialismus und einen falsch verstandenen Pflichtbegriff. Der Ostpreuße galt aber vor allem als ein Meister der Erzählung. Dafür stehen humorvolle Bände wie So zärtlich war Suleyken (1955) oder Lehmanns Erzählungen (1964). Vor zwei Jahren (2011) erschien sein letzter Erzählband Die Maske.

Neben den Nobelpreisträgern Heinrich Böll und Günter Grass gehörte Lenz zu jenen Autoren, die die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und die Aussöhnung insbesondere mit Polen und Israel als Lebensaufgabe verstanden. Bei einem Festakt zu seinem 85. Geburtstag am 17. März 2011 in Hamburg würdigte der damalige Bundespräsident Christian Wulff Lenz' großen Beitrag zum wiedergewonnenen Ansehen Deutschlands nach dem Krieg. Der Börsenverein zeichnete Lenz 1988 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels aus. 

Verdienste in der Aufarbeitung der NS-Zeit

Die Deutschstunde (1968) gilt als Lenz' Schlüsselwerk zur Aufarbeitung der Nazizeit und historischer Schuld. In dem in mehrere Sprachen übersetzten und verfilmten Roman beschreibt Lenz einen Vater-Sohn-Konflikt – stellvertretend für die Kriegsgeneration und die rebellierende Folgegeneration – sowie um die fatalen Folgen eines unkritischen Pflichtbewusstseins in der NS-Zeit.

In dem ebenfalls verfilmten Roman Heimatmuseum (1978) lässt Lenz die verlorene ostpreußische Heimat literarisch wiederauferstehen und schenkt so zumindest einem Teil der Vertriebenen inneren Frieden. Die Hauptfigur, der masurische Teppichwebermeister Zygmunt Rogalla, verbrennt das von ihm einst gerettete Heimatmuseum, um es vor ideologischem Missbrauch zu retten.

Auch politisch engagierte sich der Autor für die Aussöhnung mit Polen. 1970 begleitete er mit Grass den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrages. Außerdem mahnte Lenz Solidarität mit Israel an, als der damalige irakische Diktator Saddam Hussein den jüdischen Staat mit Raketen bedrohte.

Besonderen Erfolg hatte der begnadete Erzähler mit seinen vergnüglichen Kurzgeschichten. Besonders bekannt ist der Erzählband So zärtlich war Suleyken mit Geschichten aus Ostpreußen. Zum Publikumserfolge wurde auch Lehmanns Erzählungen, die amüsant geschriebenen Erfahrungen eines Schwarzhändlers nach dem Zweiten Weltkrieg – Lenz hatte sein Studium in Hamburg selbst weitgehend mit Schwarzhandel  finanziert.

Seine Werke sind nach Angaben des Hoffmann und Campe Verlags (Hamburg), der Lenz' gesamtes Werk publizierte, in mindestens 35 Sprachen übersetzt. Weltweit dürfte die Auflage von Lenz' Büchern bei mehr als 30 Millionen liegen. Die Fernsehverfilmungen Der Mann im Strom, Das Feuerschiff und Die Auflehnung, jeweils mit Jan Feddersen in der Hauptrolle, fanden ein Millionenpublikum. Das breite Oeuvre von Lenz umfasst Romane, Erzählbände, Theaterstücke, Hörspiele und Essays – etwa über das Selbstverständnis des Schriftstellers als "Ein-Mann-Partei". 

Siegfried Lenz starb im Alter von 88 Jahren im Kreise der Familie.