Der insolvente Suhrkamp Verlag darf in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts lehnte einen Antrag auf den Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die Umwandlung ab.

Damit kann der Sanierungsplan von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz, der eine Umwandlung des Verlages von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft vorsieht, umgesetzt werden. Das Landgericht Berlin hatte bereits im Oktober den Weg dafür frei gemacht, das Bundesverfassungsgericht hatte die Umwandlung daraufhin allerdings vorläufig untersagt.

Mit der neuen Gesellschaftsform sollte der jahrelange Machtkampf zwischen Verlagschefin Unseld-Berkéwicz und Miteigentümer Barlach beendet werden. Bedingung für die Annahme des Insolvenzplans war, dass die beiden zerstrittenen Gesellschafter auf ihre finanziellen Forderungen an den Verlag verzichten: Bei Unseld-Berkéwicz ging es um 4,55 Millionen Euro, bei Barlach um 2,53 Millionen Euro. Barlach hatte im September Verfassungsbeschwerde gegen die Entscheidung eingelegt. 

Unseld-Berkéwicz will Barlach durch die Umwandlung des Verlags weitgehend entmachten. Die Verlegerin hält 61 Prozent der Anteile an Suhrkamp, der Hamburger Medienunternehmer ist mit 39 Prozent beteiligt. Unseld-Berkéwicz hatte die Geschäftsführung des Verlags 2003 übernommen, Barlach erwarb 2006 gegen ihren Willen Anteile an Suhrkamp.