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Alfonso Zapicos Comic-Biografie von James Joyce beginnt mit einer Ahnenreihe. Urgoßvater, Großvater, Vater – allesamt talentierte, schlaue und patriotische Querköpfe mit wenig Geschäftssinn, aber dafür deutlichem Hang zum Alkohol. Wie Joyce also. Aber wenn man dem Stereotyp halbwegs trauen darf, findet man ein solches Charakterprofil sowieso bei 95% aller Iren.

In diesem Sinne ist auch James Joyce ein echter Ire. Er hat sich zeit seines Lebens mehr schlecht als recht von seiner Arbeit über Wasser halten können, zum Verdruss seiner geliebten Nora, die er spät ehelichte. Erst als durch die kapitelweise Publikation des Ulysses in der Little Review und den Skandal, den das Werk in den USA auslöste, sein Legendenstatus wuchs und sich die Mäzene einstellten, erlangte er gewissen Wohlstand, der allerdings durch seine verschwenderische Lebensweise auch immer in Gefahr war.

Zapico schreitet zuverlässig und mit Blick fürs Wesentliche Joyces Lebensstationen ab. Der streng katholische College-Drill, der ihn dennoch nicht immunisieren konnte gegen die Annehmlichkeiten eines Lebens in Sünde. Die Bohemienexistenz zunächst in Dublin im Kreise seiner Intellektuellenfreunde, wo er sich jene Arroganz und Hybris zugelegt hat, mit denen er später immer wieder Künstlerfreunde verprellt.

Die kurze Studienzeit in Paris. Die Rückkehr nach Dublin, als seine Mutter an Krebs erkrankt und daran stirbt. Die ersten erfolglosen Versuche, als Schriftsteller zu reüssieren. Die Bekanntschaft mit Nora, seiner Muse, die mit ihrem pragmatischen Wesen dem idealistischen Dichtergenie die Erdung verschafft, die er dringend nötig hat. Ihre Emigration über Paris und Zürich nach Triest, wo Joyce als Englischlehrer sein schmales Auskommen findet. Die langwierige Publikationsgeschichte von Dubliners. Der Kontakt zu Ezra Pound und seiner späteren Verlegerin Harriet Shaw Weaver, die sich geradezu selbstlos für die Publikation seines Werks einsetzen. Die Wirren des Ersten Weltkriegs, seine Flucht in die Schweiz nach Zürich. Seine Augenkrankheit, die ihn fast erblinden lässt. Der Umzug nach Paris, wo die literarische Szene schon auf ihn wartet. Die Bekanntschaft mit Sylvia Beach, die den Ulysses druckt, als eine Obszönitätsklage weitere Lieferungen in der Little Review verhindert. Und schließlich Joyces finale Lebensphase als Literaturstar. Seine Aura wächst sogar noch mit seinem letzten "ganz unverständlichen" Buch, das zunächst als Work in Progress in Zeitschriften erscheint und später Finnegans Wake heißen wird.

Auch wenn ein solcher Lebenslauf in einem Comic notwendig kursorisch und aphoristisch gerafft sein muss, ist es schon beeindruckend, was hier dann doch alles zur Sprache kommt. Die Freundschaft zu Italo Svevo, für dessen Werk sich zur Abwechslung mal Joyce einsetzt, oder zum jungen Samuel Beckett, in den sich seine psychotische Tochter Lucia verliebt. Oder die kuriose Begegnung mit Marcel Proust, bei der sich beide über Trüffel unterhalten müssen, weil keiner das Werk des anderen gelesen hat, und in deren Verlauf der irische Trunkenbold dem soignierten Franzosen beinahe ins Taxi kotzt. Das ist zumindest kongenial imaginiert. Genaueres über ihr Gespräch weiß nicht mal die detailverliebte Joyce-Forschung.