Jan Wagner hat mit seinem Gedichtband Regentonnenvariationen den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik gewonnen. Die Jury zeichnete damit erstmals ein lyrisches Werk aus. In Regentonnenvariationen beschäftigt sich Jan Wagner mit der Natur in all ihren Ausprägungen. "Formal virtuos und zugleich unangestrengt nimmt er Weidekätzchen und Würgefeige, Morchel, Melde, Olm und Otter ins poetische Visier, zoomt heran und überblendet assoziativ, bis der Blick des Lesers sich weitet und sich das Gefühl einstellt, für einen Moment zum Wesen der Dinge vorgedrungen zu sein", urteilte die Jury.

Wagner, 1971 in Hamburg geboren, lebt als Lyriker, Übersetzer und Herausgeber in Berlin. Sein erster Gedichtband Probebohrung im Himmel erschien 2001. Zuletzt wurde er in diesem Jahr mit dem Mörike-Preis ausgezeichnet. Er setzte sich in Leipzig gegen Teresa Präauer (Johnny und Jean), Ursula Ackrill (Zeiden, im Januar), Norbert Scheuer (Die Sprache der Vögel) und Michael Wildenhain (Das Lächeln der Alligatoren) durch. Im vergangenen Jahr hatte Saša Stanišić den Belletristik-Preis für seinen Roman Vor dem Fest erhalten.

In der Sparte Sachbuch/Essayistik wurde der Autor Philipp Ther für sein Buch Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa ausgezeichnet. "Reportagen, Analysen und Wirtschaftsdaten fügen sich zu einem Text über den postsowjetischen Raum, den lesen sollte, wer die jüngsten Konflikte in Europa verstehen will", begründete die Jury ihre Wahl. Ther, geboren 1967, ist Professor am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Zuvor war er unter anderem John F. Kennedy Fellow an der Harvard University. 

Der Preis für die beste Übersetzung geht an Mirjam Pressler. Sie wird für ihre Übertragung des Buches Judas des israelischen Autors Amos Oz aus dem Hebräischen ausgezeichnet. Oz, der bei der Verleihung mit Pressler auf die Bühne kam, würdigte die Leistung seiner Übersetzerin. "Ein literarisches Werk in eine andere Sprache zu übersetzen ist wie ein Violinkonzert auf dem Klavier zu spielen. Und du bist eine großartige Pianistin" sagte Oz zur Preisträgerin.

Der Preis der Leipziger Buchmesse zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland und ist jeweils mit 15.000 Euro dotiert. Die Jury setzt sich aus sieben Literaturkritikern und Journalisten zusammen.

Deutsch-israelischer Dialog Schwerpunkt der Messe

Die Leipziger Buchmesse war am Morgen mit einem deutsch-israelischen Dialog eröffnet worden. Der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman und ein Vertreter des in den USA weilenden Außenministers Frank-Walter Steinmeier (SPD) waren die ersten Gäste zum Themenschwerpunkt der Messe. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, der kulturelle und literarische Austausch sei für das gegenseitige Verständnis besonders wichtig.

50 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel werden mehr als ein Dutzend namhafte israelische Autoren zum Frühjahrstreffen der deutschen Buchbranche erwartet.