Die Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller erhält den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln. Keine andere Autorin sei in ihrem Schaffen dem künstlerischen und kritischen Geist Bölls so verwandt wie die 61-Jährige, begründete Kölns Oberbürgermeister und Jury-Vorsitzender Jürgen Roters (SPD) die Entscheidung. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 20. November im Historischen Rathaus von Köln verliehen.

Die Jury lobte Müllers "schonungslose Schilderungen" ihrer rumänischen Heimat. Man könne meinen, dass es nach dem Literaturnobelpreis von 2009 keinen Grund mehr gebe, die im deutschsprachigen Banat geborene und seit 1987 in der Bundesrepublik lebende Schriftstellerin abermals zu würdigen. Doch das Gegenteil sei der Fall. "Der Grundtrieb des Böllschen Schreibens findet sich darin wieder: das Aufwachsen in einem repressiven Heimatland und dann das Erlebnis der Befreiung in einer neuen Gesellschaft; im Falle Bölls im selben Land nach 1945, im Falle Müllers durch die Ausreise nach Deutschland."

In ihrem Werk thematisiert Müller die Folgen der kommunistischen Diktatur in Rumänien. Sie studierte von 1973 bis 1976 in Rumänien deutsche und rumänische Philologie und arbeitete danach als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Sie wurde entlassen, weil sie sich weigerte, für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten. Nach Schreib- und Publikationsverbot floh sie 1987 vor der Ceausescu-Diktatur nach Deutschland.

Seit 1995 ist Müller Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zu ihren wichtigsten Werken gehören die Bücher Der Fuchs war damals schon der Jäger (1992), Herztier (1994), Hunger und Seide (1995) sowie Der König verneigt sich und tötet (2003). 2014 erschien der Gesprächsband Mein Vaterland war ein Apfelkern, in dem sie auf ihr Leben zurückblickt.