Der Schriftsteller und frühere TV-Moderator Roger Willemsen ist im Alter von 60 Jahren gestorben. © Arno Burgi dpa

Der Bestsellerautor und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. Er starb nach Angaben seines Büros in Hamburg und seines Frankfurter Verlags S. Fischer am Sonntag im Alter von 60 Jahren in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg. Er war an Krebs erkrankt.

Willemsen gehörte zu den bekanntesten deutschen Intellektuellen. Einen Namen machte er sich vor allem mit essayistischen Reisebüchern und der ZDF-Talksendung Willemsens Woche. In den vergangenen Jahren war er vor allem als Publizist aktiv, veröffentlichte zahlreiche Bücher und Interviews und schrieb auch für das ZEITmagazin.

Zuletzt landete er mit seinem Buch Das Hohe Haus einen Bestseller. Dafür hatte er ein Jahr lang das Geschehen im Bundestag von der Tribüne als Zuhörer verfolgt.

Willemsen TV-Karriere nach einem Start als Journalist und Übersetzer in London begann beim Sender Premiere mit dem Interview-Magazin 0137 – benannt nach einer Vorwahlnummer. Darin befragte er unter anderem die Schauspielerin Audrey Hepburn und den Palästinenserführer Yassir Arafat. 1993 wurde er den Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. 1994 wechselte er zum ZDF, wo er sich fortan in der Sendung Willemsens Woche der Rückschau auf aktuelle Entwicklungen widmete. 

Mit einer eigenen Produktionsfirma realisierte er TV-Sendungen, darunter Themenabende und Preisverleihungsshows. Er moderierte selbst Galas, darunter die Echo-Klassik-Gala. Und immer wieder interviewte er Künstler von Kurt Masur bis Herbie Hancock, von Vivienne Westwood bis John Malkovich.

Sein Debüt als Regisseur gab Willemsen mit dem Dokumentarfilm Non Stop – Eine Reise mit Michel Petrucciani (1996; ZDF). Er wurde in 13 weiteren Ländern gesendet. 

Mit seiner gereimten Fassung vom Karneval der Tiere ging er jahrelang mit Orchestern oder mit den beiden Pianistinnen Anna und Ines Walachowski auf die Bühne. Im St.-Pauli-Theater in Hamburg startete Willemsen im Herbst 2005 sein erstes Soloprogramm "… und du so?", mit dem er anschließend auf Tournee ging. Zusammen mit Dieter Hildebrandt entwickelte er das Kabarettprogramm "'Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!' Die Weltgeschichte der Lüge", mit dem beide ab 2007 auch Gastspiele in der Schweiz und in Österreich gaben.

Kolumnen und persönliche Bücher

Im neuen Jahrtausend schrieb Willemsen wieder mehr. Mit Gute Tage. Begegnungen mit Menschen und Orten (2004) legte er eine Sammlung von 13 Interview-Begegnungen mit prominenten Zeitgenossen wie Maggie Thatcher und Madonna vor. Hinzu kamen belletristische Werke und Drehbücher.

Mit kulturkritischen Beiträgen machte er sich auch als Kolumnist einen Namen. Im ZEITmagazin blickte er in Willemsens Jahreszeiten im Dreimonatsrhythmus auf das jeweils vergangene Vierteljahr zurück. Ab März 2007 schrieb er in der ZEIT die Kolumne Willemsen hört

In seinem 2008 vorgelegten literarischen Essay Der Knacks gab Willemsen auch Einblicke in prägende Momente seiner Biographie, so die Wirkung, die der frühe Tod seines Vaters verursacht hatte. 2010 legte er mit Die Enden der Welt erneut ein sehr persönlich geprägtes Buch vor. Über 22 seiner Reisen von Bombay bis in die Eifel, durch Bordelle und idyllische Landschaften berichtet er aus dem Blickwinkel des Flaneurs, Reporters und Denkers.

Willemsen war neben seiner Vorliebe für Reisen, Sprache und Literatur auch Fußballfan. Seine Krebserkrankung hatte er kurz nach seinem 60. Geburtstag bekannt gegeben, im August 2015. Damals sagte er alle weiteren öffentlichen Auftritte ab.   

Im Gedenken - Fragen an Roger Willemsen Der Autor und Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. 2009 haben wir ihm Leserfragen über seine Fernseherfahrungen, Buchrezensionen auf Amazon und die Scheinpolitik der Parteien gestellt.