Vor wenigen Tagen erst forderte PEN, den Paragrafen 103 abzuschaffen (Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter), jetzt bezieht die Schriftstellervereinigung wieder Stellung zum Strafgesetzbuch: Nach der Majestätsbeleidigung will sie nun auch die Blasphemie abschaffen. Eine entsprechende Resolution hat das PEN-Zentrum zum Abschluss seiner Jahrestagung in Bamberg verabschiedet.

"Wir verlangen die ersatzlose Streichung des Paragrafen 166", sagte der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Josef Haslinger. Es könne nicht angehen, dass andere Länder gerügt würden, weil sie gegen Kritik am Islam vorgingen während Deutschland selbst Gotteslästerung noch unter Strafe stelle.

Im Paragrafen 166 heißt es: "Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

"Paragrafen, in denen die Würde von bestimmten Menschen größer ist als von anderen, sind veraltet und müssen ersatzlos gestrichen werden", sagte Haslinger.  

Das PEN-Zentrum hatte bereits zuvor die Abschaffung des Paragrafen 103 gefordert. Dieser war in der Debatte um Jan Böhmermann und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als "Majestätsbeleidungsparagraf" in den Fokus geraten und soll laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgeschafft werden.

In einer weiteren Resolution zeigten sich die PEN-Mitglieder solidarisch mit dem türkischen Journalisten Can Dündar und verlangten, die Spionage-Anklage gegen ihn in der Türkei fallen zu lassen. "Man kann es nicht akzeptieren, dass investigativer Journalismus als Spionage gewertet wird." Der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet muss sich in der Türkei verantworten, weil er Waffendeals des Geheimdienstes enthüllt hat.