Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) darf ihre Einnahmen aus Urheberrechten nicht mehr an die Verlage, sondern nur noch an Autoren ausschütten. Die deutsche Buchbranche fürchtet deshalb das Aus für viele Verlage. 

Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) steht das Geld vollständig den Autoren zu, die bisher nur die Hälfte bekommen hatten. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bezeichnete das Urteil als schweren Schlag für die Verlagskultur in Deutschland und forderte gesetzliche Änderungen. "Sonst droht die Insolvenz etlicher kleiner und mittlerer Verlage", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.

Die Verlage müssten Rückzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe leisten, damit sei eine große Zahl von Verlagen mittelfristig nicht länger überlebensfähig. "Die Rückforderungen betragen – je nach Verlag – zwischen 20 und 200 Prozent des durchschnittlichen Jahresgewinns", erklärte der Börsenverein. 

Auch die Zeitschriftenverleger (VDZ) befürchten katastrophale Folgen durch das BGH-Urteil und rechnen mit Pleiten. Die Zeitungsverleger (BDZV) kommen etwas glimpflicher davon, da sie die fehlenden Einnahmen nicht direkt in ihren Kassen spüren. Die Pressehäuser hatten die Ausschüttungen der VG Wort zweckgebunden für die journalistische Aus- und Fortbildung eingesetzt und eine Bildungsakademie finanziert. Diese müsse nun wohl "noch vor der Sommerpause die Liquidation anmelden", betonte der BDZV.

Der Bundesgerichtshof urteilte, die Ausschüttungen der VG Wort an die Verlage seien unzulässig, weil die Verlage selbst nach aktueller Gesetzeslage keine Rechteinhaber im Sinne des Urheberrechts seien. Die 1958 gegründete VG Wort verwaltet Urheberrechte und Vergütungsansprüche für mehr als 400.000 Autoren und über 10.000 Verlage in Deutschland. Die VG Wort sammelt Geld ein, das etwa Bibliotheken, Kopierläden und Schulbuchverlage für die Nutzung von Texten bezahlen müssen.