Der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy ist tot. Wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf seine Familie und seinen Verlag meldet, starb er im Alter von 66 Jahren. Er war an Krebs erkrankt.

Esterházy gilt neben Imre Kertész und Péter Nádas als bedeutendster ungarischer Schriftsteller der Gegenwart. Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem im Jahr 2004 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 

Die meisten seiner Romane wurden ins Deutsche übersetzt. Kritiker beschrieben seinen Stil als geistreich und postmodern. Bekannt wurde er unter anderem durch die Werke Kleine ungarische Pornographie (1997), Donau abwärts (1992), Eine Frau (1995) und Harmonia Caelestis, ein Buch über die Geschichte der Familie Esterházy (2001).

Die ZEIT schrieb darüber: "Harmonia Caelestis ist so etwas wie das Testament der literarischen Moderne, eine letzte verspielte, hochkomische und tieftraurige Verbeugung vor den Meistern der experimentellen Avantgarde."

Die ungewöhnliche, aus zahllosen Episoden und Stimmungsbildern zusammengefügte Familienchronik über 400 Jahre führte in Ungarn monatelang die Bestsellerlisten an und wurde neben dem Sándor-Márai-Preis auch mit dem Ungarischen Literaturpreis ausgezeichnet.

Anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Esterházy 2004 erklärte der damalige ZEIT-Herausgeber Michael Naumann in seiner Laudatio, Esterházy sei ein "schrecklicher Unruhestifter" und irritiere mit seiner "komödiantischen Ruhelosigkeit" den Leser.

Die Neue Zürcher Zeitung schrieb im selben Jahr: "Esterházy lacht gern denkend, und er denkt mit Vorliebe lachend. Damit steht er im gegenwärtigen Ungarn ziemlich isoliert da. Es gibt kaum einen Satz in seinem inzwischen beachtlich gewachsenen Werk, der nicht im Geist der Provokation entstanden und geschrieben worden ist."

Politisch kritisierte Esterhàzy den Rechtsruck in seinem Land unter Ministerpräsident Viktor Orbán und dessen Fidesz-Partei seit 2010. Ende 2012 bekam er die Zensur in seinem Heimatland zu spüren, als ein Kulturtipp von ihm für den staatlichen Rundfunksender Kossuth-Rádió um eine Passage gekürzt wurde, in der er aufgefordert hatte, noch einmal ins Nationaltheater in Budapest zu gehen, bevor der dortige Intendant wechselt. Dieser wurde durch einen bekennenden Fidesz-Anhänger ersetzt.

Die Leitung des Senders entschuldigte sich im später dafür und bestritt zugleich, dass es sich um politische Zensur gehandelt habe. Esterházy sagte dazu: "Wenn schon so eine kleine Sendung einen Eingriff wert ist, wo sind wir denn hingekommen?"

Zuletzt erschienen von Péter Esterházy Die Mantel-und-Degen-Version (2015) und Die Markus-Version (2016).