Die deutsche Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff ist gestorben. Wie die dpa unter Berufung auf das Umfeld der Autorin berichtete, starb sie am Wochenende im Alter von 88 Jahren in Berlin. Zunächst hatte der rbb darüber berichtet. Demnach starb sie nach langer Krankheit.

Die am 24. Dezember 1927 in Freiburg geborene Schrobsdorff musste als Jüdin während der Nazizeit mit ihrer Mutter vor der Verfolgung fliehen und nach Bulgarien auswandern. Nach dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück. In ihren Romanen und Erzählungen, die sie Ende der 1950er Jahre nach einer schweren gesundheitlichen Krise zu schreiben begann, verarbeitete Schrobsdorff ihre Erfahrungen. Das Buch Die Herren (1961) löste wegen seiner Freizügigkeit in Kombination mit der Geschichte ihrer jüdischen Herkunft einen Skandal aus. Es wurde in sieben Sprachen übersetzt und in Deutschland ein Bestseller.

1983 machte Schrobsdorff Jerusalem zu ihrer Wahlheimat, wo sie bis 2006 lebte. Ihr Buch Die kurze Stunde zwischen Tag und Nacht (1978) ist eine Hommage an die israelische Stadt. Es spiegelt die Jahre mit ihrem Ehemann, dem französischen Dokumentarfilmer Claude Lanzmann, wider, den sie vier Jahre zuvor in Jerusalem geheiratet hatte. Auch ihre späteren intensiven Erfahrungen – umgeben von jüdischen und arabischen Nachbarn – mit der palästinensischen Intifada verarbeitete sie in einem Buch.

"Sie erzählt, was sie erlebt hat, und sie erzählt es mit Distanz und zärtlicher Ironie"

Größere Bekanntheit erlangte ihr Roman Du bist nicht so wie andre Mütter von 1992, er wurde mit Katja Riemann in der Hauptrolle verfilmt. Darin beschreibt Schrobsdorff den Bruch, den der Krieg ihrem Leben zugefügt hatte, als sie im Alter von zehn Jahren fliehen musste. Das Buch erzählt das Leben ihrer jüdischen Mutter Else Kirschner, das ebenso wie ihres deutlich vom Krieg geprägt war. Schrobsdorff schreibt, wie ihre Mutter von der Familie ihres Ex-Mannes zur Ausreise nach Bulgarien gedrängt wurde und dort um ihr Leben und das ihrer Kinder kämpfte. Dazu kam eine Erkrankung an multipler Sklerose, woran sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 1948 starb.

Kurz vor der Jahrtausendwende besuchte Schrobsdorff für neun Monate das bulgarische Dorf, in das sie in Kriegszeiten geflohen war. Trotz der schrecklichen Erlebnisse beschrieb sie diese Monate als "eine der glücklichsten Zeiten meines Lebens". Um auf die Armut und das Leid ihrer einstigen Gastheimat aufmerksam zu machen, beschrieb sie in Grandhotel Bulgaria anschaulich den Hungerwinter, den sie 1997 selbst miterlebte. 

2006 verließ Schrobsdorff Jerusalem wegen der politischen Situation und zog nach Berlin, wo sie nun verstorben ist. Zu ihrem Werk zählen außerdem die Bücher Wenn ich dich je vergesse, oh Jerusalem und Jericho. "Sie erzählt, was sie erlebt hat, und sie erzählt es mit Distanz und zärtlicher Ironie", sagte einmal die Schriftstellerin Simone de Beauvoir über Schrobsdorff.