Literaturnobelpreis - "Für die Schaffung neuer poetischer Ausdrucksformen" Der amerikanische Folk- und Rockmusiker Bob Dylan gilt als einer der einflussreichsten Songwriter des 20. Jahrhunderts. Nun wird er mit dem Literaturnobelpreis geehrt. © Foto: Jim Lo Scalzo/dpa

Schön, dass mal einer den Literaturnobelpreis bekommt, der hauptsächlich mit Hörbüchern bekannt geworden ist. Am Anfang war das Wort! Das gesprochene, das gesungene Wort!

Und schon geht das Geningel los. Die Groupies der Hoch- und Schriftkultur unterdrücken das rhythmische Zucken ihrer Knie und bemängeln, dass der Mann nicht auf Altgriechisch singt oder wenigstens auf Latein. Verleger verweisen verlegen darauf, dass es doch nun wirklich schöner sei, wenn die Akademie darbenden, wenig bekannten Autoren zu etwas größerer Bekanntheit, vielleicht sogar zum langersehnten Durchbruch verhelfe, Autoren wie zum Beispiel Haruki Murakami oder Philip Roth. Und der Buchhandel, ach! Wo war doch gleich das Regal mit den MP3-Dateien? 

Die Welt der hohen Literatur ist aufgebracht, als hätte Helene Fischer den Büchner-Preis bekommen. Doch wie singt Bob Dylan himself seinen Kritikern zu? "Come mothers and fathers / throughout the land / And don't criticize / what you can't understand". Die SPD freut sich. Die Fraktion verschickt an alle, die ihre Tage hinter dem Mond zu verbringen pflegen eine Mail mit dem Subject: "EILMELDUNG: Bob Dylan erhält Literaturnobelpreis 2016". Einmal mit dem Pop beauftragt, immer mit dem Pop beauftragt.

Auch das Auswärtige Amt ist ganz aus dem Häuschen und twittert: "#Steinmeier zum Tod von Nobelpreisträger Dario Fo: Die Welt verliert einen großen Dramatiker und glänzenden Unterhalter. Er wird uns fehlen."

Ah, nee. Das war eine Viertelstunde vorher. Alles zurück.

Auch das Auswärtige Amt ist ganz aus dem Häuschen und twittert: "#Steinmeier zum Literaturnobelpreis für Bob Dylan: Einer der größten Musiker des 20. Jhd, d. mit seinen Texten direkt die Herzen erreicht hat"

Eine Liebeserklärung, wie sie Herr Dylan selbst nicht sinnlicher hingekriegt hätte. Floskeln, die direkt die Gallenblasen erreichen. Vorbildlich eingesetzt: das Hashtag, das das zentrale Thema der Tweets hervorhebt. 

Am Ende steht Dylan einfach da, zusammen mit seinen Musikern. Er nickt kurz. Keine Verbeugung, die Stirn bis zum Bühnenboden. Kein Rumgehampel, kein Ringelpiez mit Anfassen, kein serviles Lachen. Er nimmt den Applaus so selbstverständlich entgegen wie der Mönch die Spende. Ihr dürft jetzt spenden, wenn ihr unbedingt wollt. Ihr spendet nicht für mich, sondern für, na, ihr wisst schon, euch selbst.