Bodo Kirchhoffs Buch Widerfahrnis ist als bester deutschsprachiger Roman mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Der Autor erzählt darin die späte Liebesgeschichte zweier resignierter Menschen, die sich gemeinsam auf eine spontane Reise nach Sizilien aufmachen.

Vertrautes Terrain ist das für den Italien-Kenner Kirchhoff, schon seine letzten beiden Romane Verlangen und Melancholie (2014) und Die Liebe in groben Zügen (2012) spielten zu weiten Teilen dort. Die Jury lobt das Buch als "sprachlich virtuoses, menschlich berührendes und dabei unprätentiöses Prosawerk". Kirchhoff sei ein "großer Erzähler, dessen Präzision die Fantasie des Lesers stimuliert statt zu sättigen".

Fünf Männer und eine Frau auf der Shortlist

Ins Finale hatten es fünf Autoren und eine Autorin aus Deutschland und Österreich geschafft. Neben Kirchhoff waren das Reinhard Kaiser-Mühlecker (Fremde Seele, dunkler Wald), André Kubiczek, (Skizze eines Sommers), Thomas Melle (Die Welt im Rücken), Eva Schmidt (Ein langes Jahr) und Philipp Winkler (Hool).

"Die Romane der diesjährigen Shortlist decken ein breites inhaltliches Spektrum ab", sagte Jurysprecher Christoph Schröder. Was sie gemeinsam hätten, sei "eine starke Bodenhaftung, der unmittelbare Bezug zur beobachteten Realität".

Melle schildert in Die Welt im Rücken seine manisch-depressive Erkrankung. Mit Hool hat Winkler seinen ersten Roman vorgelegt, er beschreibt darin die Hooligan-Szene. In Skizze eines Sommers erzählt Kubiczek von einem Jugendlichen in der DDR während sieben Wochen sturmfreier Bude.

Mit Reinhard Kaiser-Mühlecker und Eva Schmidt sind auch zwei Autoren aus Österreich dabei: Kaiser-Mühlecker schildert in Fremde Seele, dunkler Wald den Konflikt zweier Brüder und den Niedergang ihres väterlichen Hofs. Schmidt erzählt in Ein langes Jahr von stillen Nöten und spärlichen Freuden ganz normaler Menschen.

178 Titel sind eingereicht worden

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Mit ihm soll der beste Roman des Jahres in deutscher Sprache gekürt werden. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. In diesem Jahr wurden 178 Titel vorgeschlagen.

Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für die Longlist aus. Später wird die Auswahl auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt. Der Sieger wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2.500 Euro.

Der Deutsche Buchpreis hat unter den vielen literarischen Auszeichnungen inzwischen die höchste Publikumsresonanz. In der Regel schaffen es die Sieger auf die Bestsellerliste. Im vergangenen Jahr gewann Frank Witzel den Preis mit seinem Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969.