Literaturnobelpreis - "Für die Schaffung neuer poetischer Ausdrucksformen" Der amerikanische Folk- und Rockmusiker Bob Dylan gilt als einer der einflussreichsten Songwriter des 20. Jahrhunderts. Nun wird er mit dem Literaturnobelpreis geehrt. © Foto: Jim Lo Scalzo/dpa

Der US-Amerikaner Bob Dylan erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Das gab das Nobelpreiskomitee in Stockholm bekannt. Der Liedermacher werde für seine poetischen Neuschaffungen in der großen amerikanischen Gesangstradition geehrt, hieß es zur Begründung. Es ist das erste Mal, dass ein Songwriter den Preis erhält. "Dylan ist eine Ikone", erklärte die Akademie. "Sein Einfluss auf die zeitgenössische Musik ist groß."

Die Chefin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, sagte nach der Bekanntgabe, Dylan sei ein großartiger Dichter. "Seit 45 Jahren erfindet er sich immer wieder neu." Dylan schreibe, um mit seinen Werken aufzutreten, sagte die Jurorin. Nichts anderes habe der Dichter Homer vor einigen Jahrtausenden auch getan.

Für den 75-Jährigen dürfte die Zuerkennung des Preises eine genauso große Überraschung gewesen sein wie für alle anderen. Die Jury habe ihre Entscheidung "in großer Einigkeit" getroffen. Mit Dylan habe sie vor der Verkündung nicht gesprochen, sagte Danius. Sie wollte ihn aber so schnell wie möglich anrufen. "Ich denke, ich habe eine gute Botschaft."

Insgesamt schrieb Dylan bisher mehr als 500 Lieder und gilt als einer der einflussreichsten Musiker des Pop und Rock. Seine Texte gelten für die Folk- und Rockmusik als wegweisend. Blowin' In The Wind und Like A Rolling Stone gehören zu seinen berühmtesten Songs.

Seinem deutschen Biografen Heinrich Detering zufolge beziehen sich die Songtexte des Amerikaners "auf Dichtungen unterschiedlichster Zeitalter und Kulturen: von der Bibel und Homers Odyssee über die Dichtungen der römischen Kaiserzeit (Ovid, Vergil, Juvenal), die mittelalterlichen Mysterienspiele und Shakespeares Dramen bis zur amerikanischen Romantik, den französischen poètes maudits und dem Theater Bertolt Brechts". Und nicht zuletzt hebt der Literaturwissenschaftler die Geistesverwandtschaft Dylans mit Beatpoeten wie Jack Kerouac und Allen Ginsberg hervor.

Düster, anspruchsvoll, beispiellos

Der als Robert (Bobby) Allen Zimmerman geborene Dylan benannte sich vermutlich nach einem literarischen Idol um, dem walisischen Dichter Dylan Thomas. Der Erfolg stellt sich mit dem Song Blowin' In The Wind (1963) ein. Wütende Lieder wie Masters Of War oder A Hard Rain's A-Gonna Fall wurden von der Jugend- und Protestbewegung gespielt.

Danach wandelt sich Dylan zum Rockmusiker mit elektrischer Gitarre, komponiert und textet Mitte, Ende der 1960er Jahre Album- und Songklassiker in Serie. Seine mit Metaphern, Symbolen und Anspielungen durchsetzten Lyrics sind von beispielloser Qualität.

Nach wechselvollen, künstlerisch oft unbefriedigenden 1970er und 1980er Jahren kommt Dylans Rehabilitierung 1997 mit dem ersten großen Alterswerk Time Out Of Mind – einer Platte voller düsterer, anspruchsvoller Texte, die zu seinen besten zählen. Seitdem hat er einen Lauf, setzt alle paar Jahre Ausrufezeichen wie Modern Times (2006) oder das erneut von literarischen, geschichtlichen und biblischen Anspielungen wimmelnde Tempest (2012). Rund 100 Millionen Tonträger soll Dylan inzwischen verkauft haben.

Die aktuell mit umgerechnet rund 825.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als der weltweit bedeutendste Preis für Literatur. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht.