Das politische Thema des Romans ist hoch aktuell: Die Enthüllung erschien in Peru im März, mitten im Präsidentschaftswahlkampf von Keiko Fujimori, der Tochter des früheren Diktators. "Wenn sie gewinnt, das wäre ein später Triumph für eines der korruptesten und blutigsten Regime, die Peru in seiner Geschichte erlebt hat", sagte Mario Vargas Llosa. Sie hat nicht gewonnen, sondern sehr knapp verloren – ein Umstand, den manche auch mit Vargas Llosas neuem Roman verbinden. Zweifellos wurde er in der gesamten spanischsprachigen Welt viel gelesen und diskutiert. 

Vargas Llosa hat zu diesem Roman gesagt, er habe sich schon lange einmal mit einem besonderen Phänomen der peruanischen Fujimori-Diktatur der 1990er Jahre beschäftigen wollen: Mit der Verbindung zwischen der rechten Hand des Diktators, Geheimdienstchef Montesinos und dem Boulevardjournalismus. Die Regierung hatte damals die Sensationspresse eingespannt, um Kritiker einzuschüchtern. 

In Die Enthüllung erzählt der Nobelpreisträger dieses Thema losgelöst von tatsächlichen Ereignissen, aber von realen Personen inspiriert: Ein steinreicher peruanischer Minenbesitzer wird von einem Skandalreporter erpresst, kurz darauf ist der Journalist tot. Nach und nach wird aufgedeckt, wie der Geheimdienst in die Vorgänge verwickelt ist. Vargas Llosa ist mit diesen Themen auf besonderem Terrain, hat er doch 1990 in der Stichwahl um die peruanische Präsidentschaft selbst gegen Fujimori verloren.

Angst und Schrecken sind alltäglich

Es ist schade, dass an diesem Roman nur das Außerliterarische interessant ist. Gemessen an vielen Romanen des 80-jährigen Nobelpreisträgers ist Die Enthüllung durchweg eine Enttäuschung – eine Handlung voller immer neuer Wendungen, aber ohne lebendige Charakterzeichnung, ohne Intensität, mehr sorgfältig konstruierte Romanmaschinerie als Literatur. Der Text spielt im Lima der späten 1990er Jahre. Im vom Bürgerkrieg gezeichneten Land sind Angst und Schrecken, Stromausfälle und Entführungen Alltag. 

Vargas Llosa erzählt das Politische anhand einer zunächst privaten Geschichte: Der Ingenieur Enrique Cárdenas wird von dem Boulevardreporter Rolando Garro mit Sexfotos erpresst, es kommt zum Skandal. Die Ehefrau reagiert entsetzt über ihren Imageverlust in Limas High Society, tröstet sich aber in einer heimlichen lesbischen Beziehung zu ihrer besten Freundin, der Ehefrau von Enriques Anwalt. Während sich bald herausstellt, dass Enrique in die so verhängnisvolle Orgie mit Prostituierten unwissend und auch einigermaßen unbeholfen hineingeriet, genießt seine Ehefrau ihr außereheliches Sexleben in vollen Zügen. Hier gleitet der Roman ins Pornografische ab. Der Schriftsteller Philip Roth, der die Fantasien alternder Männer meisterhaft in Literatur zu verwandeln versteht, hat einmal geschrieben: "Pornografie in ihrer klassischen Form ist etwa fünf oder zehn Minuten lang erregend – dann wird sie irgendwie komisch."