Auf Twitter las ich "docbuelle ist tot". Den Namen hatte ich lange nicht gehört, die Erinnerungen, die der Tweet weckt, sind vage, ich weiß aber noch, dass docbuelle zu den Bloggern bei Antville gehörte. Antville, das waren, vor zehn und mehr Jahren, bov  und sofa und kutter  (später Dichtheit und Wahrung) und etc.pp und don und micro robert und supatyp und thefrank und einige mehr. Ich gehörte am Rande (als akzeptanzstelle) dazu, was mich von heute aus gesehen zum teilnehmenden Beobachter macht – aber teilnehmende, und zwar zögernd, enthusiastisch, abwartend, sich hineinstürzend teilnehmende Beobachter und beobachtende, und zwar genau, selbstreflexiv, ironisch, leidenschaftlich beobachtende Teilnehmerinnen waren wir alle.

Dieser Artikel stammt aus der März-Ausgabe des "Merkur". © Klett-Cotta

Und natürlich war da nicht nur Antville, die kleine Independent-Community, die sich um eine sehr smarte Blogsoftware von ein paar österreichischen Entwicklern gegründet hatte, es gab noch weitere Blogs, nicht sehr viele, ein virtuelles Dorf, keine Stadt, die zum selben Diskussions- und Wahrnehmungsraum gehörten, man las und kommentierte einander, also, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Blogs wie stattkatze und malorama und gesprächsfetzen und campcatatonia und mediumflow und erratika und am radikalen Fringe ofterdingen und kropotkin und Wörterberg sehr weit links und so auch hier noch einige weiter. Es gab andere Tribes, von denen man hörte, Tribes hinter den sieben Bergen, mehr oder minder geschlossene Zirkel, Am Pool wollten Literaten Literatur, jetzt aber mit Netz, die Höflichen Paparazzi waren Digital Natives der lustigen Art; dass Kathrin Passig und Wolfgang Herrndorf dazugehörten, das wusste man. Man hörte davon, man las mal rein, wenn man konnte und durfte, oder es wurde von Anderen, die drin waren, etwas nach außen zitiert. Man hatte das Gefühl: Die gehören zu uns, groß, erinnere ich mich, war die Freude, bei mir jedenfalls, als Kathrin Passig 2006 den Bachmannpreis holte.

Manche der Blogs las ich täglich, manche gelegentlich, von anderen kannte ich kaum mehr als die Namen. Die aber schon, denn die Blogs waren über Blogrolls verbunden, also eine Kette von Links, die auf das verwiesen, was die jeweilige Bloggerin selbst kannte und las. Blogs waren neu, man sagte noch "das" und nicht "der" Blog, schließlich war das Wort die Abkürzung von Web-Logbuch – und das Buch ist nun einmal Neutrum. Den großen Medien, der literarischen Öffentlichkeit, dem Betrieb war das meiste an der Blogkultur in diesen Jahren Hekuba, einmal davon abgesehen, dass ein paar der Autoren auch in den etablierten Medien unterwegs waren und die Blogs als Spielwiese nutzten, als Räume, in denen man Dinge versuchen konnte, für die an den traditionellen Orten, in den traditionellen Formen kein Ort war: weil sie zu versponnen waren, zu albern, zu minoritär, zu persönlich, zu abseitig, zu voraussetzungsreich oder zu voraussetzungsarm.

Es gab die Pathosfraktion, zu der docbuelle gehörte mit seinen Klageliedern über die Liebe, oder stattkatze, eine dunkle Romantikerin mit dem absoluten Gehör für den hohen Ton, immer nah am zu viel; es gab den großen komischen Melancholiker parka lewis von Gesprächsfetzen, der hinreißend von Träumen erzählte und dem Alltag so präzise zwischen Komik und Kulturkritik balancierende Beobachtungen abgewann wie sonst nur malorama. Manche Blogs waren opak und kryptisch (mediumflow etwa, der seine Kurz- und Kürzestnotate auf Twitter nahtlos fortsetzen konnte), andere taghell und klar und schnell (gedankenträger etwa, deren autistischen Sohn John ich virtuell aufwachsen sah, lieben lernte und wie groß war der Schock, als er im letzten Jahr plötzlich starb). Es gab tiefe Gedanken, heftige Gefühle, aber vor allem ging es um den Alltag, das Profane, das Banale, einen geschärften Blick auf die wenig aufregende und in manchen Hinsichten kleine und beschränkte Welt, durch die wir, oft prekäre, irgendwie kulturaffine Mittelschichtexistenzen, uns von Morgen bis Abend, und nachts auch, bewegten. Es war eine kleine Welt, keine Frage, es verband uns ein ziemlich spezifischer Blick, AkademikerInnen, die wir fast ausnahmslos waren, sanft dissident zu Normalitäten, müde und wach, voller Lust auf das Schreiben und Denken der andern, begeistert für Bücher, Filme, Kultur überhaupt, wobei der prekäre Alltag auch Einblicke in Altenheime und Blumenläden erlaubte.

Dieser geschärfte Blick, um den es ging, das waren eben die Blogs, war das Wissen darum, dass man, was man erlebte, im Aufschreiben zu fassen versuchen würde, im Aufschreiben und Hinstellen für die Anderen, die sich und ihre Wirklichkeit wiedererkennen würden, und im besten Fall ging es, so hingestellt, über ein Wiedererkennen hinaus: Man sieht das Eigene anders mit den Augen des Anderen. Dieses Wissen war eine Kamera im Kopf, die die Wirklichkeit beim Erleben schon rahmte, scharfstellte, durch Filter jagte: ein Instagram aus Sprache. (Davon abgesehen, dass Fotos und Bilder in vielen Blogs eine kleinere oder größere Rolle spielten, dass etwa goncourts Blog immer schon Fotos und Text grandios kombinierte; und the frank, immer unterwegs in der Welt, war ohnehin ein fabelhafter Fotograf.)

Es ging politisch zu, aber niemand hatte die Ambition, Leitartikel zu schreiben. Es ging privat zu, aber alle wussten sehr genau um die Grenze, die das, was nur den Therapeuten angeht, von dem trennt, was an den Regungen im eigenen Bezirk, an den eigenen Verletzungen und Verletzlichkeiten für die Mitlesenden in ihren eigenen Bezirken bewegend und erhellend sein kann – was nicht heißt, dass man diese Grenze nicht hin und wieder verletzte. Es ging albern zu, aber das Feine und das Grobe ließen sich meistens gut trennen. Es ging um Namen, Dinge, es ging um Eier, Erbsen, Schleim und Zeug, es ging um subtile Referenzen auf Sachen, die anderswo standen, womöglich auch nirgends. Das Ganze war ein Insider-Ding, bei dem die, die drinnen waren, zu denen, die hereinwollten, immer auch sagten: Kommt rein, aber ihr müsst nicht alles verstehen, keiner von uns kann das alles verstehen, wir üben uns in tausend Arten des Nichtverstehens, und das ist nicht nichts.

Aufgew.

Träumen, lyrisch, mit parka lewis,30.Oktober 2006: "Ein neues Genre: Zweizeiler, deren erste Zeile immer Feuerzeug, du lautet. Die zweite Zeile ist frei wählbar. Feierlich dichte ich: Feuerzeug, du || Alle mal herhörn (Aufgew.)" Träumen, popkulturell, mit parka lewis: "Jeder Angeklagte habe das Recht auf einen Terrier, sagt Junior Soprano zu mir und lacht heiser. Mein Terrier stöbert in der Hecke, an der wir entlangschlendern; er macht dort E-Mails unschädlich. Nebenan, in der Mitte einer riesigen quadratischen Rasenfläche, findet ein Kampf statt. Terrier, Straußenvögel und Schneehühner kämpfen miteinander. Staub steigt auf, Federn fliegen. Mein Schneehuhn ist mittendrin, ich reiße an der Leine und ziehe es heraus. Es ist tot, oder? Nein, jetzt steigt es auf – und stürzt wieder ab. Steigt wieder auf, stürzt wieder ab. Nicht umsonst heißt es zäh und loyal wie ein Schneehuhn. (Aufgew.)"

Staunen über die Gegenwart

"Aufgew.", das war die Chiffre für ein Leben, dessen bessere Alternative womöglich der Traumzustand ist. Aufgew., das war das Kennwort einer Surrealisierung, die der Wirklichkeit auch im Wachzustand gut tat. Aufgew., das ist, wenn wir es schreiben, Hommage an parka lewis, der eines Tages und einfach so komplett aufgehört hat mit dem Schreiben. Sein Blog ist getilgt, allerdings finden sich Reste im Internet-Archiv der Waybackmachine.

Es gab großartigen Blödsinn wie tug.antville.org, ein Gemeinschaftsblog für alle, denen der Sinn oder Unsinn nach Teilnahme stand. "tug" stand für "trunken und genau", hier postete nur, wer die Welt gerade im betrunkenen Zustand erlebte. Das waren Notate, in denen das Erleben verrutschte, schriftliche Zeugnisse aus rauschhaften Nächten, Notate von Trinken auf Partys und einsamem Trinken, Gedanken, die kreisen in Worten, die torkeln, begonnen nachts um 2.23 Uhr am 7. November 2004, beendet – mit dem simplen, nur auf sich selbst verlinkenden Eintrag "Ende" – am 1. Januar 2008.

Wahllos, Originalschreibweisen beibehalten, isore am 17. März 2007: "das waren noch zeiten, als dad betrinken noch funktioniert. hat. aber vielleicht waren das auch zeiten, in denen ich mich nicht mizt suze zu betrinken versucht habe. das wraen aber natüpreliuch auch zeiten, in denen ich freemdgegangen bin und nicht befremdgangt wurde, noch dazu mit alten berühnten schauspielern, denen ich mit meinem suze nicht das savoirvivre reichen kann, verdammte scheiße."

Oder bara am 5. Mai 2005: "ach. so viele schöne menschen. und selber. und endlich wieder eine welt ohen schreibtisch und sinn macht das alles. und musik auch wenn sie schlecht ist, aber bläser gehen immer. wenn doch nur nicht immer die sache mit der freiheit, die hab ich doch imer nich nicht, wender bei schiller noch bei selber. aber ach. die men schen. von miraus aicj schiller, und slebst dieser very handke looking mensch, ddr von hinten aussah wie angela, die rolle, gar nicht fremd, alles gar nicht fremd. gut ist das." Oder schaum vom 26. Oktober 2005: "wie, jetzt ist schon 'jetzt' ??????"

Das Staunen über die Gegenwart und ihr Heraneilen und ihr Verschwinden: Jetzt ist schon jetzt? Ja, das war doch ständig die Frage. Wer sind wir hier, was machen wir hier, wir wissen, dass wir hier etwas Besonderes tun, wobei das besonders Besondere daran ja vor allem das ist, dass eben gar nicht so klar ist, um was es sich bei dem handelt, was hier passiert. Für wen schreiben wir, für uns und die Anderen, wer sind wir, wenn wir das schreiben, jedenfalls etwas anderes als die Tagmenschen (aufgew.), die wir sonst sind, alle miteinander ja nicht im engeren, also professionellen Sinn Literaten; ist das bedeutend, was wir hier tun, nein, bedeutend ist es sicher nicht, nichts für die Ewigkeit, alles für die Gegenwart, aber wichtig ist es durchaus, wichtig für jeden von uns.

Und was sind das für Texte: Tagebuchtexte, Selbstverständigungstexte, ins Schriftliche und irgendwie Öffentliche aufgebohrte Privatkommunikation, aber unter Menschen, die sich persönlich zum größten Teil gar nicht kennen. Oder zunächst gar nicht kannten, denn es gab Versuche, Sozialität herzustellen, eine Lesung in Stuttgart, Picknicks im Volkspark Friedrichshain, eine Serie von Blogger-Konferenzen, die "Blogmich" hießen, über "Blogmich 05" ist auf der noch existierenden, aber sehr verwaist aussehenden Website zu lesen: "Am 7. Mai 2005 trafen sich mehr als 100 Blogger aus der ganzen BRD in einer kahlen grossen Halle im Berliner Osthafen an der Spree, um sich trotz widriger Umstände kennenzulernen, zu essen, zu lesen und aufzulegen. 21 Bilder zeigen die Location, Portraits von Lesenden und den Aufbau."

Später

Später, als das Bloggen die engeren Zirkel verließ, hat sich die Herkunft des Wortes verloren, hat sich der Begriff abgegriffen. Das war, als die großen Medien anfingen, mit Blogs zu experimentieren, und das war noch bevor der Begriff "social media" jene neue Form der Medien auf einen Namen zu bringen erlaubte, die man nicht einfach liest, sondern bei denen man wie selbstverständlich mitliest und mitschreibt, denn die Kommentarfunktion gehörte in aller Regel zu einem Blog.

Darum war Rainald Goetz' Online-Tagebuch Abfall für alle von 1996 eben kein richtiges Blog. Goetz hatte ein Medium für sich gefunden, ein Medium für seine ständige Mitschrift der Gegenwart, aber Antworten, Reaktionen, Mitleser und Mitschreiber hat er noch nie gebraucht, vielleicht sogar gefürchtet, wenn nicht verabscheut; von Facebook, wo das Mitlesen und Mitschreiben heute seinen wichtigsten Ort hat, hält er sich wie der Teufel vom Weihwasser fern. Kein Wunder, dass er die Texte aus dem Netz bald getilgt hat, alles muss Buch werden für Goetz, Buch und Werk, Werkreihe gar, in rot und blau an die Nachwelt adressiert, egal, ob die sich dafür interessiert, egal auch, ob man als Autor der emphatisch beschworenen Gegenwart mit einem solchen Werkbegehren überhaupt gerecht werden kann.

Der direkte Draht zum Erleben der Anderen

Dies ist ein nostalgischer Text. Er berichtet von etwas, das es so nicht mehr gibt. Manche von uns schreiben andere Texte an anderen Orten, manche schreiben gar nicht mehr oder nur noch privat, goncourt macht allerdings weiter, und Bov ist jetzt richtig berühmt; manche sind Freunde geworden, einige haben Karriere gemacht unter ihren wirklichen Namen, von Anderen verlieren sich alle Spuren, sie haben jetzt nur noch ihre richtigen Leben. Die Blogwelt, in der wir einige Jahre recht intensiv lebten, wenn leben schreiben heißt und lesen und kommentieren und Leute als denkende, schreibende Stimmen kennenzulernen, diese Blogwelt ist ein Ding der Vergangenheit, eine geteilte Geschichte, die vielleicht außer uns niemanden anginge, wäre sie nicht auch ein auf seine exklusive Art exemplarischer Ausschnitt der Medienrevolution, deren Teil wir sind, ohne dass wir genau sagen könnten, wie uns und was uns geschieht.

Dann wäre das nämlich genau die Pointe: Wir leben alle zusehends in Öffentlichkeiten, die verschwindend kleine, wenngleich sich überschneidende Teilöffentlichkeiten sind. Wir hatten "unsere" Blogwelt, und jeder von uns hat heute nur noch "sein" Twitter und vor allem "sein" Facebook mit seinen Freunden und deren Arten, Privates und Öffentliches unterschiedslos unter die Mitleserinnen zu bringen. Dabei wird genau diese alte, einst sehr brauchbare Unterscheidung von öffentlich und privat so unterlaufen, dass die vertrauten Begriffe verwelken, ohne dass schon neue zur Hand sind.

Twitter (mit in Deutschland geschätzt nur 2 bis 3 Millionen Nutzern) und Facebook (etwa 26 Millionen) zum Trotz ist es natürlich nicht so, dass nicht mehr gebloggt würde. Der Blogger Christian Buggisch kommt in seiner plausiblen Schätzung auf die Zahl von 200.000 Blogs in Deutschland, die Monat für Monat etwa zwei Millionen Blogposts veröffentlichen und damit auf eine Reichweite von rund 800 Millionen Page Impressions kommen. Das sind enorme Zahlen, das sind mehr Seitenabrufe als die der großen Traditionsmedien, niemand kann das auch nur im Ansatz überblicken, die Öffentlichkeit, die sich so konfiguriert, ist auch in diesem freien Teil des Netzes völlig zersplittert. Für den "walled garden" Facebook, für die weniger in sich abgeschlossene Öffentlichkeit Twitter gilt das erst recht. Auch hier fügen sich, wie es in unserer Blogwelt damals geschah, Gruppen zusammen, Mitlese- und Mitschreibgemeinschaften, die sich untereinander vernetzen, kennen und schätzen, auch hier wird kommentiert, in dem Bereich, den ich überblicke (man sagt jetzt Filterblase dazu), sogar sehr kundig, sehr dem Anderen zugewandt, im besten Sinne: zivil.

Ich, heute

Dies ist ein nostalgischer Text, vielleicht, aber mich fasziniert nicht minder, was heute passiert. Wie die Ströme sich verlagern, wie bekannte Gefühle, bekannte Gesichter auf Twitter und Facebook weitermachen, unter anderen Namen, wie natürlich neue dazukommen, wie sich die Versuche wiederholen, die dem mal gemächlichen, mal reißenden Strom des Alltags abgewonnenen Notate in haltbarere Formen zu bringen, wie also Christiane Frohmann Bücher aus den Tweets von Claudia Vamvas oder Birte Lanius gemacht hat, was sich aber immer noch und immer wieder nicht ganz richtig anfühlt: Diese kleinen Formen, der Blogeintrag, der Tweet, sind Formen des Jetzt, ich glaube, sie müssen vergehen, sie müssen verwehen, es tut ihnen nicht gut, es wird ihnen nicht gerecht, wenn sie ihren Kontext verlassen, wenn sie am Ende mehr als flüchtige Spuren des Gewesenen sind.

Als Peter Praschl, der sofa und vague war und ein bisschen noch ist, neulich in der Welt darüber schrieb, wie sehr er sich heute fremd fühlt in und mit Fiktionen, Erzählungen ohne Ich, als er erklärte, wie sehr ihn Thomas Melle und Karl Ove Knausgård und andere angehen und wie wenig ihn alle, die mühsam fiktionale Welten erbauen, noch interessieren, da schien mir: Das ist auch der Erfahrung des Bloggens, des Mitlesens und Mitschreibens in unserer Blogwelt, geschuldet. Wenn einer das, wie Praschl, dann sagt, dass er den direkten Draht zum Erleben der Anderen will, dann kommt sehr verlässlich und, je nach Vorbildung auch sehr literaturtheoretisch, der Verweis auf die Unmöglichkeit wahrer Authentizität. Aber das ist geschenkt, darum geht es nicht.

Worum es geht, das sind Texte als Vertrauensbeweise, mit denen eine oder einer "ich" nicht nur sagt, sondern das konkrete Ich, das man ist, meint und zur Verfügung stellt als vertrautesten Schauplatz für die Wahrnehmung einer Wirklichkeit, die kein Anderer so und nur so wahrnimmt. Das ist, wenn man es richtig macht, im Übrigen nicht Narzissmus, sondern eine Form von der Mitwelt zugewandter Bescheidenheit: Hier bin ich, ohne allzu große Rücksicht auf mich, nimm und lies – und mach damit, was du willst.

Wir haben auf Twitter über Praschls Text diskutiert. Wir, das waren Namen, die ich aus der Blogwelt von damals nicht kannte, es war ein bisschen zerfahren, wie Diskussionen auf Twitter nun einmal sind. Es war trotzdem der Spirit von früher, ein ehrliches Interesse an der Meinung und den Argumenten der Anderen. Und es meldete sich dann doch mit gedankenträger eine Bekannte von früher zu Wort, der ich nie geschrieben habe zum Tod ihres Sohns, den ich nicht gekannt habe, um den ich geweint habe, nur das herzförmige Twitter-Like habe ich angebracht, wo es ging.