Stockholm. Es ist kurz nach Mitternacht. Im Backstagebereich des Waterfront Congress Centre warten die Mitglieder der Nobelakademie, angeführt von ihrer Vorsitzenden Sara Danius, bereits seit mehr als einer Stunde auf Bob Dylan. Sie wollen ihn zur benachbarten Konzerthalle geleiten, wo traditionell die Nobelpreise übergeben werden und nun endlich auch seiner bereitliegt. Derweil schleicht, oder vielmehr schlurft, draußen eine Gestalt mit tief ins Gesicht gezogenem Hut durch den Nebel auf eben dieses Konzerthaus zu. Es ist Bob Dylan, der es wörtlich meint, wenn er sagt, er werde den Literaturnobelpreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit entgegennehmen. Er klopft an die Bühnentür.

Dylan: Knock, knock, knock … Open the Door, Homer.
Von drinnen nähern sich langsam schlurfende Schritte. Ein Mann öffnet.

Hausmeister: (bestimmt) Ich heiße nicht Homer, ich heiße Kevin. (barsch) Was willst du hier? Hier ist heute eine geschlossene Gesellschaft der Nobelakademie. (zu sich) Frage mich, wo die bleiben.

Dylan: (schiebt sich an ihm vorbei, in Richtung des Festsaals. Musik setzt ein) Es bringt nichts, rumzuhocken und über das Warum nachzudenken, Kevin. Spielt doch alles keine Rolle mehr, wenn ihr es jetzt noch immer nicht wisst. Wenn der Hahn im Morgengrauen kräht, dann schaut aus dem Fenster und ich werde fort sein. Ihr seid der Grund, warum ich weitermuss. Aber zerbrecht euch darüber nicht den Kopf, das ist schon in Ordnung.

Hausmeister: (geht hinter ihm her) Hä? Hey, Moment mal! Sie können hier nicht durch! (schaltet das Licht ein)

Dylan: (schlendert weiter, wischt dabei beiläufig über die Requisiten) Es bringt nichts, euer Licht anzumachen. Das Licht, das ich nie gekannt habe. Ich stehe immer auf der dunklen Seite der Straße. Und doch wünschte ich, es gäbe etwas, das ihr tun oder sagen könntet, um mich umzustimmen und zum Bleiben zu bewegen. (bleibt kurz stehen und sieht den Hausmeister eindringlich an) Wir haben nie viel geredet, was? Aber zerbrecht euch darüber nicht den Kopf, das ist schon in Ordnung. (nimmt den Hut ab) 

Hausmeister: (erkennt ihn, entsetzt) Herr Dylan! Bob Dylan! Oh Gott! Ich muss Frau Danius anrufen!

Dylan: (besteigt die Bühne des Festsaals) Es bringt nichts, meinen Namen zu rufen, wie ihr ihn noch nie gerufen habt. Ich kann euch gar nicht mehr hören. Ich habe auf dem Weg hierher so viel darüber nachgedacht. (nimmt die Nobelpreismedaille vom Tisch und betrachtet sie) Einst liebte ich eine Frau, ein Kind, wie ich höre. Ich schenkte ihr mein Herz, aber was sie wollte, war meine Seele. Aber zerbrecht euch darüber nicht den Kopf, das ist schon in Ordnung.

Hausmeister: (leicht panisch, wedelt mit dem Telefon) Warten Sie doch, das Nobelkomitee ist gleich hier.

Dylan: (tritt mit Urkunde und Medaille den Rückweg an) Ich gehe jetzt diese lange, einsame Straße entlang, Kevin. Wohin es mich zieht, kann ich euch nicht sagen. Auf Wiedersehen ist so ein großes Wort, drum sage ich nur: Lebt wohl! Ich sage nicht, dass ihr mich schlecht behandelt habt. Hätte besser sein können, aber das ist jetzt auch egal. Es ist nur so, dass ihr irgendwie meine kostbare Zeit verschwendet habt. (setzt den Hut wieder auf) Aber zerbrecht euch darüber nicht den Kopf, das ist schon in Ordnung.

Er verschwindet im Nebel, während man von Weitem Schritte heraneilen hört. Der Hausmeister bleibt ratlos zurück. Die Musik verstummt.

ENDE



Don’t Think Twice, It’s All Right

von Bob Dylan, 1963

It ain't no use to sit and wonder why, babe It don't matter, anyhow
An' it ain't no use to sit and wonder why, babe
If you don't know by now
When your rooster crows at the break of dawn
Look out your window and I'll be gone
You're the reason I'm trav'lin' on
Don't think twice, it's all right

It ain't no use in turnin' on your light, babe
That light I never knowed
An it ain
't no use in turnin' on your light, babe
I
'm on the dark side of the road
Still I wish there was somethin
' you would do or say
To try and make me change my mind and stay
We never did too much talkin
' anyway
So don
't think twice, it's all right

It ain't no use in callin' out my name, gal
Like you never did before
It ain
't no use in callin' out my name, gal
I can
't hear you anymore
I
'm a-thinkin' and a-wond'rin' all the way down the road
I once loved a woman, a child I
'm told
I give her my heart but she wanted my soul
But don
't think twice, it's all right

I'm walkin' down that long, lonesome road, babe
Where I
'm bound, I can't tell
But goodbye
's too good a word, gal
So I
'll just say fare thee well
I ain
't sayin' you treated me unkind
You could have done better but I don
't mind
You just kinda wasted my precious time
But don
't think twice, it's all right

Stockholm - Bob Dylan nimmt Literaturnobelpreis entgegen Eigentlich war die Preisverleihung der Nobelpreise im vergangenen Dezember, doch der geehrte Bob Dylan war nicht erschienen. Nun hat der Songschreiber seinen Preis hinter verschlossenen Türen angenommen. © Foto: Jeffrey R. Staab/CBS via Getty Images