Der israelische Schriftsteller David Grossman ist mit dem internationalen Man Booker Preis ausgezeichnet worden. Der 63 Jahre alte Autor und seine britische Übersetzerin Jessica Cohen erhielten den Preis für den Roman Kommt ein Pferd in die Bar (A Horse Walks Into a Bar). Grossman dankte vor allem seiner "wundervollen Übersetzerin", mit der er sich das Preisgeld von 50.000 Pfund (57.000 Euro) teilen wird.

In dem prämierten Buch erzählt der 63-Jährige die Geschichte eines Comedian, der in seiner letzten Vorstellung in einer israelischen Kleinstadt eine tragische Geschichte aus seiner Jugend preisgibt. "Wir waren überwältigt von Grossmans Bereitschaft, sowohl emotionale als auch stilistische Risiken einzugehen", heißt es in einer Erklärung des Jury. Es handele sich um eine schockierende und atemberaubende Lektüre.

Grossman ist der erste Israeli, der mit dem Man-Booker-Preis ausgezeichnet wird. Er hatte Ende der 70er Jahre nach seinem Rauswurf aus einem staatlichen Radiosender mit dem Schreiben begonnen. Seine Werke wurden bislang in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Für Grossman ist diese Auszeichnung denn auch "ein wichtiges Zeichen der Ehre für unsere Sprache", die 1.800 Jahre lang eine 'ruhende Sprache' gewesen sei. "Es ist ein echtes Phänomen, dass die hebräische Sprache in den letzten 120 Jahren wiederbelebt wurde, aus ihrem langen Schlaf erwacht ist und eine Alltagssprache geworden ist."

In seinem literarischen Werk spiegelt der Autor und Friedensaktivist das Leben und Leiden in Nahost wider. Seine Bücher behandeln Krieg, Terror und die immer wieder enttäuschten Hoffnungen auf Frieden in der Region. In Aus der Zeit fallen (2013) schreibt er über die Trauer enger Angehöriger – sein eigener Sohn Uri war 2006 im Libanonkrieg getötet worden. 2010 erhielt Grossman den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Grossman setzte sich unter anderem gegen Mathias Énard, Gewinner des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung mit Kompass, sowie gegen den Israeli Amos Oz mit Judas durch. Auf der Shortlist waren auch die Argentinierin Samanta Schweblin, der Norweger Roy Jacobsen und die Dänin Dorthe Nors.

Der Man Booker Preis, die höchste Literaturauszeichnung Großbritanniens, wird seit Jahrzehnten verliehen, die internationale Fassung gibt es erst seit 2005. Sie ehrt ausländische Werke, die ins Englische übersetzt wurden. Im vergangenen Jahr hatten die Südkoreanerin Han Kang und ihre britische Übersetzerin Debbie Smith den Preis für das Buch The Vegetarian gewonnen.