Der Lyriker Jan Wagner bekommt den Georg-Büchner-Preis 2017. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

"Intellektuelle Prägnanz, unerschöpfliche Phantasie"

Die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung lobte Wagners Gedichte, die "spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz" miteinander verbinden würden. "Aus neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen, mit einem Gespür für untergründige Zusammenhänge und mit einer unerschöpflichen Phantasie lassen sie Augenblicke entstehen, in denen sich die Welt zeigt, als sähe man sie zum ersten Mal."

Wagner, 1971 in Hamburg geboren, lebt als Lyriker, Übersetzer und Herausgeber in Berlin. Sein erster Gedichtband Probebohrung im Himmel erschien 2001. Sein Werk umfasst neben Gedichtbänden auch Essays und Kritiken, Anthologien und Übersetzungen zeitgenössischer englischsprachiger Lyrik – darunter von James Tate, Matthew Sweeney, Simon Armitage und Robert Robertson. Seine Gedichte wurden in rund 30 Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien von ihm die Prosasammlung Der verschlossene Raum.

Wagner neben Benn, Böll und Dürrenmatt

Vor zwei Jahren wurde er mit dem Preis der Buchmesse Leipzig ausgezeichnet – als erster Lyriker in der Kategorie Belletristik. "Formal virtuos und zugleich unangestrengt nimmt er Weidekätzchen und Würgefeige, Morchel, Melde, Olm und Otter ins poetische Visier, zoomt heran und überblendet assoziativ, bis der Blick des Lesers sich weitet und sich das Gefühl einstellt, für einen Moment zum Wesen der Dinge vorgedrungen zu sein", urteilte die Jury über das von ihr prämierte Werk Regentonnenvariationen.

Der Georg-Büchner-Preis wird seit 1951 vergeben. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt will damit all jene Schriftsteller und Dichter ehren, "die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben". Unter den bisherigen Preisträgern finden sich die renommiertesten Namen der deutschsprachigen Literatur: Gottfried Benn (1951), Erich Kästner (1957), Heinrich Böll (1967), Hermann Kesten (1974), Friedrich Dürrenmatt (1986), Felicitas Hoppe (2012), Sibylle Lewitscharoff (2013) und Jürgen Becker (2014).

Die Verleihung des Preises findet in diesem Jahr am 28. Oktober 2017 in Darmstadt statt. Im vergangenen Jahr nahm ihn der Schriftsteller Marcel Beyer entgegen.