Die Publizistin und Feministin Alice Schwarzer, 74, wehrt sich gegen die Kritik der Genderforscherinnen Judith Butler (Berkeley) und Sabine Hark (Berlin): "Das Problem mit Butler und ihrer Anhängerschaft" sei, so die deutsche Feministin, dass diese "ihre radikalen Gedankenspiele für Realität" hielten und damit suggerierten, dass für Menschen keine Festlegung auf ein Geschlecht vonnöten sei.

"Was für ein schöner Gedanke. Einfach Mensch sein. Das wär's doch. Die feministische Utopie an sich. Doch die Verhältnisse, die sind nicht so", schreibt Schwarzer in einem Essay für die Wochenzeitung DIE ZEIT: "Noch sind Menschen in den Augen der anderen – meist auch in ihren eigenen – Frauen oder Männer".

Die Genderforscherinnen hatten in der vergangenen Woche in der ZEIT ihr Forschungsfeld verteidigt und zugleich die Zeitschrift Emma attackiert. Schwarzer, Herausgeberin der Zeitschrift, vermisst klare inhaltliche Positionen bei Butler und Hark. Bezeichnend sei, "dass es in dem Text vor allem um die Form und kaum um Inhalte geht. Und das wohl nicht zufällig in einer schwer zugänglichen, selbstreferenziellen Sprache, die nicht auf Kommunikation oder gar Verständnis angelegt ist."