Die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse stehen wegen ihres Umgangs mit den Ausschreitungen zwischen linken und rechten Gruppen in der Kritik. Am Samstag war es beim Auftritt des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke zu tumultartigen Szenen zwischen dessen Anhängern und Demonstranten gekommen. "Die Frankfurter Buchmesse lebt von der Vielfalt der Meinungen und ist ein Ort des freien Dialogs", teilten die Organisatoren daraufhin in einem Statement mit. Gewalt hingegen verhindere den Austausch von politischen Positionen: "Wir werden sie als Mittel der Auseinandersetzung nicht zulassen."

Im Netz rief das Statement negative Reaktionen hervor. Viele werfen den Veranstaltern mangelnde Positionierung gegen rechts vor. Einige zogen gar einen Vergleich zu Donald Trumps Umgang mit den tödlichen Ausschreitungen in Charlottesville. Dieser sprach damals von "Gewalt auf vielen Seiten". Im Statement der Buchmesse-Veranstalter ist von "tätlichen Übergriffen durch linke und rechte Gruppierungen" die Rede.

Der Satiriker Shahak Shapira twitterte ein korrigiertes Statement, in dem er "tätliche Übergriffe durch linke und rechte Gruppierungen" gegen "tätliche Übergriffe durch Nazis und Faschisten" austauschte. Nico Semsrott, ebenfalls Satiriker und Mitglied von Die Partei, schrieb auf Twitter: "Frankfurter Buchmesse hat Nazis eingeladen, um mit ihnen zu diskutieren. Schieße mir morgen mal in den Fuß, um besser laufen zu können." Auch Moderator Jan Böhmermann empörte sich. "Das Gastland der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr: Dunkeldeutschland", schrieb er. 

Die Userin miau. berichtet von ihrer Angst beim Messebesuch. Ihr Herz habe noch nie so schnell geschlagen wie auf der Buchmesse, als sie als Migrantin "so vielen Nazis" gegenübergestanden habe. Einige Nutzer von Twitter beziehen sich außerdem auf das Paradox der Toleranz nach dem Philosophen Karl Popper. Demnach führt Toleranz gegenüber Intoleranz letztendlich dazu, dass die Toleranz zerstört wird.

Der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke hatte auf der Frankfurter Buchmesse an der Präsentation des Buches Mit Linken leben des neurechten Verlags Antaios teil. Demonstranten protestierten mit Transparenten und Rufen wie "Nazis raus". Die Anhänger von Höcke wiederum skandierten "Jeder hasst die Antifa". Schließlich griff die Polizei ein. Eine weitere Lesung von zwei Autoren der rechtsextremen Identitären Bewegung wurde wegen lautstarker Proteste abgebrochen.

Die Frankfurter Buchmesse gehört zu den wichtigsten internationalen Veranstaltungen der Verlags- und Medienbranche. Sie wurde 1949 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet und findet jährlich auf dem Gelände der Messe Frankfurt statt. Neben Vorträgen stellen auch Verlage mit eigenen Ständen ihr Angebot aus. Dazu gehören nach Angaben des Börsenvereins auch rechte bis rechtsextreme Verlage und Medien, etwa Manuscriptum oder die Junge Freiheit. Auch Antaois, der Verlag des Publizisten Götz Kubitschek und seiner Frau Ellen Kositza, ist ein regelmäßiger Gast, wenngleich er bei der letzten Messe nicht vertreten war.

Bereits vor Veranstaltungsbeginn hatte der Börsenverein Stellung bezogen zum Umgang mit rechten Verlagen. Meinungsfreiheit sei nicht relativierbar. Verlage oder einzelne Titel, die nicht gegen geltendes Recht verstoßen, würden nicht ausgeschlossen, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins auf dessen Webseite. Allerdings bedeute das nicht, dass man das Gedankengut gutheiße. "Wir treten für eine offene, vielfältige Gesellschaft ein, für Toleranz und Solidarität, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus", sagte er.