Der Schriftsteller William H. Gass ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Das teilte laut Washington Post seine Frau Mary Henderson Gass mit. Er sei bereits am Mittwoch einem Herzversagen erlegen. Der US-Amerikaner lehrte über Jahrzehnte Philosophie an Universitäten, zuletzt an der Washington University bei St. Louis, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Gass schrieb Bücher, Essays und Kurzgeschichten. Experimentell sei seine Art zu schreiben, schrieb die New York Times, mit der er seit den Sechzigerjahren die Arbeit vieler anderer Autoren beeinflusst habe. Nach Einschätzung des Deutschlandfunks sei er zwar von Kritikern viel gelobt worden, doch sei ihm ein Durchbruch beim breiten Lesepublikum nie gelungen. Er habe "konsequent am Publikumsgeschmack vorbeigeschrieben". Gass gewann mehrere Literaturpreise, unter anderem den PEN/Nabokov Award. 

Sein wohl berühmtestes Werk ist Der Tunnel aus dem Jahr 1995, das 2011 ins Deutsche übersetzt wurde. Damals sprach die ZEIT von einem nicht nur literarisch anspruchsvollen Werk; Gass vermochte es, mit verschiedenen Typografien und anderen optischen Darstellungsformen kunstvoll zu experimentieren. Seine Arbeiten in die deutsche Sprache zu übersetzen, sei eine große Herausforderung gewesen.