The Beatles DamenwahlSeite 3/3



Den Beatles kommen bald starke Zweifel bezüglich der Seriosität des Maharishi. Sexy Sadie ist John’s Abrechnung. Der Song handelt davon, wie der spirituelle Führer sich mit liebreizenden Frauen wie Mia Farrow umgeben, ihre Aufgeschlossenheit missbraucht, "alle zum Narren gehalten" und so "die Regeln gebrochen" habe. Lennon räumt später ein, dass das Lied nicht auf Tatsachen zurückgehe und sehr "grob" mit dem Inder umspringe.

Grob könnte man auch das Verhalten Lennons gegenüber seiner Frau Cynthia nennen. Die fühlt sich trotz der frühen Heirat 1962 nie ganz wohl in ihrer Rolle. "Meistens vermittelte ich nur den langweiligen, schwerfälligen Eindruck einer ganz durchschnittlichen Hausfrau", bemerkt sie, "statt den der Gattin eines quirligen, extrovertierten Popstars". Als sie sich bei der Abreise nach Indien verspätet, lässt er sie auf dem Bahnsteig stehen. "I used to be cruel to my woman", gesteht er zerknirscht, "I beat her and kept her apart / From the things she loved". Schließlich mutet er ihr den Anblick seiner selbst mit Yoko Ono im Morgenmantel zu. Ihr Kommentar: "Yoko hat mir John nie weggenommen, weil er mir nicht gehört hat." Paul versucht Lennons Sohn Julian nach der Scheidung in Hey Jude mit dem Rat aufzumuntern: "Take a sad song and make it better".

Wie sehr sich John Lennon zu der New Yorker Avantgardekünstlerin hingezogen fühlt, zeigt schon die bloße Anzahl ihr gewidmeter Songs. I Want You (She’s So Heavy) ist ebenso eine Hymne an Yoko Ono wie Don’t Let Me Down und natürlich The Ballad of John and Yoko, in der er die verzerrte Wahrnehmung des Paars in den Medien geißelt.

Für Ono ist schnell klar, dass sie in Johns Leben die Mutterrolle übernimmt. Und falls es ihr nicht klar sein sollte, weist Julia sie darauf hin: In den Abgesang auf seine leibliche Mutter, die ihn bei einer Tante hatte aufwachsen lassen und starb, als er 17 war, lässt er die Bemerkung einfließen, dass er das Oceanchild Yoko gefunden habe, das die Liebe zu ihr ersetze. Damit überwindet er die ödipale Bindung, die er in Yes It Is noch als Hinderungsgrund angeführt hatte, eine andere als die rothaarige Belle Dame begehren zu können, die seine abwesende Mutter für ihn darstellt. Wahre Liebe ist für John an entrückte Schönheit gekoppelt.

Auch George Harrison wächst schließlich in die Rolle eines Songwriters hinein. Mit Something gelingt ihm eines der berührendsten Lieder der damals zerfallenden Band. Harrisons Ehefrau Patti bezieht den Song auf sich. Dass sie das gewisse "Etwas" hat, entgeht auch Harrisons Kumpel Eric Clapton nicht. Bald wird das Model von beiden besungen. Sogar Platten werden ihr gewidmet: Songs for Patti und Songs for Patti 2. Das hat keine andere Frau im Beatles-Universum vermocht.

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