Elephant Man: ein homophober Clown aus Jamaika © Paul Hawthorne/Getty Images

"Queers must be killed! Take them by surprise", singt O'Neil Bryant aus Jamaika. Er tritt als Elephant Man mit bunt gefärbten Haaren zu schweißtreibenden Dancehall-Rhythmen auf. Sein Hass sitzt offenbar tief. In mehreren Liedern fordert er dazu auf, schwule Männer mit einem Maschinengewehr zu töten und "die Missgeburten zu verbrennen". Zwei seiner Alben wurden bereits indiziert. Insgesamt sechs Konzerte hat der homophobe Musiker Ende September in Europa geplant. Zwei davon in Deutschland, eines in Düsseldorf und eines in Mainz-Kastel.

"Wir meinen, dass hierzulande kein Interpret auftreten darf, der zu Mordtaten an Schwulen und Lesben aufruft", sagt der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD). In einem offenen Brief forderte der LSVD die Klubbetreiber auf, die Konzerte abzusagen. "Strafbar machen sich in diesem Fall auch die Veranstalter", erklärte LSVD-Geschäftsführer Klaus Jetz. Man habe wegen des offensichtlichen Aufrufes zu Straftaten auch den Staatsschutz eingeschaltet.

Die Klubbetreiber des Rheingold in Düsseldorf zeigten sich von den Protesten irritiert. In einer Stellungnahme machte die Rheinische Kultur GmbH deutlich, dass das Konzert trotzdem stattfinden werde. Man habe aber vorsorglich mit dem Management der Band geklärt, dass keine schwulenfeindlichen Parolen auf der Bühne geäußert werden sollen. Was außerhalb des Veranstaltungsortes passiert, sei aber nicht Sache des Betreibers. "Wir können dem Künstler ja nicht verbieten, solche Aussagen beispielsweise in Interviews zu tätigen", sagte die Sprecherin des Rheingold, Marie Omnitz. Dass die CDs von Elephant Man auf der Liste der jugendgefährdenden Medien steht, sieht man im Rheingold gelassen. "Es gab auch mal ein Album der Ärzte, das indiziert wurde", sagt Omnitz.

"Schwulenhasser brauchen wir in Europa ebenso wenig wie Holocaust-Leugner", sagt hingegen Volker Beck, der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen. "Ich werde mich sofort beim Innenministerium erkundigen, wie die Einreise des Musikers verhindert werden kann." Es sei ihm unverständlich, wie O'Neil Bryant überhaupt ein Visum für die Tour bekommen habe. Die Konzerte abzusagen, sei das Mindeste, was die lokalen Veranstalter jetzt tun könnten.

Im vergangenen Jahr war aufgrund von Protesten die gesamte Tour von Elephant Man durch die verantwortliche Agentur abgesagt worden. Nach einer Anfrage von Beck im Bundestag prüfte damals die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) die Alben des Jamaikaners erneut. Im August 2008 wurde daraufhin die CD Log On indiziert und zusätzlich wegen des Verdachts auf Volksverhetzung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. "Der Grund sind die Texte, in denen zum Mord an Homosexuellen aufgerufen wird", bestätigte eine Sprecherin des BpjM. Erst vor zwei Wochen habe die Prüfstelle ein weiteres Album des Künstlers aus den gleichen Gründen indiziert.

Dieser Text ist dem ZEIT-Blog Störungsmelder entnommen, das sich mit Rechtsextremismus beschäftigt