Homophober Pop Absagen wäre das Mindeste

In seinen Songtexten ruft der Dancehall-Musiker Elephant Man zum Mord an Homosexuellen auf. Ende des Monats will er Konzerte in Deutschland geben. Nun regt sich Protest.

Elephant Man: ein homophober Clown aus Jamaika

Elephant Man: ein homophober Clown aus Jamaika

"Queers must be killed! Take them by surprise", singt O'Neil Bryant aus Jamaika. Er tritt als Elephant Man mit bunt gefärbten Haaren zu schweißtreibenden Dancehall-Rhythmen auf. Sein Hass sitzt offenbar tief. In mehreren Liedern fordert er dazu auf, schwule Männer mit einem Maschinengewehr zu töten und "die Missgeburten zu verbrennen". Zwei seiner Alben wurden bereits indiziert. Insgesamt sechs Konzerte hat der homophobe Musiker Ende September in Europa geplant. Zwei davon in Deutschland, eines in Düsseldorf und eines in Mainz-Kastel.

"Wir meinen, dass hierzulande kein Interpret auftreten darf, der zu Mordtaten an Schwulen und Lesben aufruft", sagt der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD). In einem offenen Brief forderte der LSVD die Klubbetreiber auf, die Konzerte abzusagen. "Strafbar machen sich in diesem Fall auch die Veranstalter", erklärte LSVD-Geschäftsführer Klaus Jetz. Man habe wegen des offensichtlichen Aufrufes zu Straftaten auch den Staatsschutz eingeschaltet.

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Die Klubbetreiber des Rheingold in Düsseldorf zeigten sich von den Protesten irritiert. In einer Stellungnahme machte die Rheinische Kultur GmbH deutlich, dass das Konzert trotzdem stattfinden werde. Man habe aber vorsorglich mit dem Management der Band geklärt, dass keine schwulenfeindlichen Parolen auf der Bühne geäußert werden sollen. Was außerhalb des Veranstaltungsortes passiert, sei aber nicht Sache des Betreibers. "Wir können dem Künstler ja nicht verbieten, solche Aussagen beispielsweise in Interviews zu tätigen", sagte die Sprecherin des Rheingold, Marie Omnitz. Dass die CDs von Elephant Man auf der Liste der jugendgefährdenden Medien steht, sieht man im Rheingold gelassen. "Es gab auch mal ein Album der Ärzte, das indiziert wurde", sagt Omnitz.

"Schwulenhasser brauchen wir in Europa ebenso wenig wie Holocaust-Leugner", sagt hingegen Volker Beck, der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen. "Ich werde mich sofort beim Innenministerium erkundigen, wie die Einreise des Musikers verhindert werden kann." Es sei ihm unverständlich, wie O'Neil Bryant überhaupt ein Visum für die Tour bekommen habe. Die Konzerte abzusagen, sei das Mindeste, was die lokalen Veranstalter jetzt tun könnten.

Im vergangenen Jahr war aufgrund von Protesten die gesamte Tour von Elephant Man durch die verantwortliche Agentur abgesagt worden. Nach einer Anfrage von Beck im Bundestag prüfte damals die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) die Alben des Jamaikaners erneut. Im August 2008 wurde daraufhin die CD Log On indiziert und zusätzlich wegen des Verdachts auf Volksverhetzung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. "Der Grund sind die Texte, in denen zum Mord an Homosexuellen aufgerufen wird", bestätigte eine Sprecherin des BpjM. Erst vor zwei Wochen habe die Prüfstelle ein weiteres Album des Künstlers aus den gleichen Gründen indiziert.

Dieser Text ist dem ZEIT-Blog Störungsmelder entnommen, das sich mit Rechtsextremismus beschäftigt

 
Leser-Kommentare
    • Schera
    • 16.09.2009 um 10:02 Uhr

    Die Tournee muss abgesagt oder verboten werden. Der Staat macht sich vollkommen unglaubwürdig, wenn er Killerspiele verbietet, aber diesen zum Mord aufrufenden Mann eine Tour gestattet. Die Regierung sollte die Situation zusätzlich zu einem Aufruf für Toleranz oder eine entsprechende Erklärung nutzen.

  1. .... hier findet Aufruf zum Massenmord statt...und wieder sind die europäischen Politiker blind und taub - wo bleibt denn ihr " NEIN, nicht in Europa, nicht bei uns darf so einer auftreten " ??

    • RobJir
    • 16.09.2009 um 10:32 Uhr

    Elephant Man ist eine Raggae-Legende. Auf Druck seines Record-Labels hat er seit 2004 keine homophoben Texte mehr geschrieben. Hinzu kommt, dass er ja keine Lieder von indizierten Alben auf Live-Konzerten spielen darf.
    Außerdem glaube ich kaum, dass viele Menschen seine Texte verstehen, das Patois beherrscht doch kaum ein Deutscher!
    Ich bin extrem enttäuscht von der heuchlerischen Darstellung der Lyrics hier vom Autor, die angesprochene Textzeile "Queers must be killed! Take them by surprise" existiert überhaupt nicht. Nach kurzer Recherche, denn der Autor dieses Textes schmeißt hier einfach mit Zitaten um sich, ohne die Quelle anzugeben, bin ich durch andere Artikel darauf gestoßen, dass es um den Song "We nuh like Gay" geht.
    Ich zitiere jetzt mal die gemeinte Textzeile, wie sie gesungen wird: "Everyone ah who owna batty ship ah go capsize,
    Battyman fi dead! Tek dem by surprise, Ghetta in shot head, cau me big gun collide"
    Ich bezweifle, dass das auch nur eine Person im Publikum verstehen wird.
    Außerdem hör ich hier zum ersten Mal, dass Raggae-Musik FANS in irgendeiner Weise schwulenfeindlich sein sollen.

    Ich möchte hier in keiner Weise Elephant Man verteidigen, sicherlich sind seine früheren Lyrics scheiße, aber warum kommt man erst jetzt mit dieser Diskussion, wo doch das letzte Lied dieser Art schon mehr als fünf Jahre alt ist?! Eine Konzertabsage wäre trotzdem das falsche, da die Konzertgänger nicht mit dem Künstler wegen der Schwulenfeindlichkeit sympathisieren...

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    ....Robert - mit " verniedlichen " begann schon so viel Unheil auf dieser Welt !

    • Eliot
    • 16.09.2009 um 11:10 Uhr

    Texte, die gesungen nicht verstanden werden, sind deshalb nicht weniger abartig.
    Ich gehe davon aus, dass ein Besucher dieser Konzerte durchaus weiß, was er dort hört. Denn die Entscheidung, zu einem Konzert zu gehen, ist meist eine bewußte.

    Ich finde es auch bedenklich, dass erst seine Agentur, wie Du geschriegben hast, ihn auffordern musste, keine schwulenfeindlichen Texte mehr zu schreiben. Das scheint ja nicht seine Idee gewesen zu sein.
    Darum ist es sehr egal, wie lange der letzte feindliche Text her ist. Und nur weil er Lieder, die auf dem Index stehen, nicht spielen darf, ist er deshalb genauso wahnsinnig.

    Fazit: ABSAGEN

    Ich geh auf ein Rockkonzert der Rechten, weil mir die Musik gefällt. Die Sänger nuscheln eh, die versteht man kaum. Aufruf zu Rassenhass und Gewalt find ich aber natürlich nicht gut. Ähem???

    Hirn einschalten bitte. Danke.

    ....Robert - mit " verniedlichen " begann schon so viel Unheil auf dieser Welt !

    • Eliot
    • 16.09.2009 um 11:10 Uhr

    Texte, die gesungen nicht verstanden werden, sind deshalb nicht weniger abartig.
    Ich gehe davon aus, dass ein Besucher dieser Konzerte durchaus weiß, was er dort hört. Denn die Entscheidung, zu einem Konzert zu gehen, ist meist eine bewußte.

    Ich finde es auch bedenklich, dass erst seine Agentur, wie Du geschriegben hast, ihn auffordern musste, keine schwulenfeindlichen Texte mehr zu schreiben. Das scheint ja nicht seine Idee gewesen zu sein.
    Darum ist es sehr egal, wie lange der letzte feindliche Text her ist. Und nur weil er Lieder, die auf dem Index stehen, nicht spielen darf, ist er deshalb genauso wahnsinnig.

    Fazit: ABSAGEN

    Ich geh auf ein Rockkonzert der Rechten, weil mir die Musik gefällt. Die Sänger nuscheln eh, die versteht man kaum. Aufruf zu Rassenhass und Gewalt find ich aber natürlich nicht gut. Ähem???

    Hirn einschalten bitte. Danke.

  2. Gab es doch schon alles 2008.

  3. ....Robert - mit " verniedlichen " begann schon so viel Unheil auf dieser Welt !

    Antwort auf "Elephant Man ist eine"
    • Eliot
    • 16.09.2009 um 11:10 Uhr

    Texte, die gesungen nicht verstanden werden, sind deshalb nicht weniger abartig.
    Ich gehe davon aus, dass ein Besucher dieser Konzerte durchaus weiß, was er dort hört. Denn die Entscheidung, zu einem Konzert zu gehen, ist meist eine bewußte.

    Ich finde es auch bedenklich, dass erst seine Agentur, wie Du geschriegben hast, ihn auffordern musste, keine schwulenfeindlichen Texte mehr zu schreiben. Das scheint ja nicht seine Idee gewesen zu sein.
    Darum ist es sehr egal, wie lange der letzte feindliche Text her ist. Und nur weil er Lieder, die auf dem Index stehen, nicht spielen darf, ist er deshalb genauso wahnsinnig.

    Fazit: ABSAGEN

    Antwort auf "Elephant Man ist eine"
  4. Ich geh auf ein Rockkonzert der Rechten, weil mir die Musik gefällt. Die Sänger nuscheln eh, die versteht man kaum. Aufruf zu Rassenhass und Gewalt find ich aber natürlich nicht gut. Ähem???

    Hirn einschalten bitte. Danke.

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    • RobJir
    • 16.09.2009 um 16:49 Uhr

    Von diesen Aufrufen wird auf dem Konzert nichts zu hören sein...
    Außerdem wird seine Meinung ja nur vermutet.
    Woher nehmen hier alle eigentlich die Annahme, dass er heutzutage noch genauso denkt?
    In diesem Artikel gibt es keine Belege, dass er sich seit seinem letzten Track gegen Schwule nochmals so geäußert hat...

    • RobJir
    • 16.09.2009 um 16:49 Uhr

    Von diesen Aufrufen wird auf dem Konzert nichts zu hören sein...
    Außerdem wird seine Meinung ja nur vermutet.
    Woher nehmen hier alle eigentlich die Annahme, dass er heutzutage noch genauso denkt?
    In diesem Artikel gibt es keine Belege, dass er sich seit seinem letzten Track gegen Schwule nochmals so geäußert hat...

  5. Ach ja, wie dramatisch. Aber wenn Christen welcher Couleur auch immer gegen Black-Metal-Bands vorgehen, die von brennenden Kirchen und der Schlachtung gläubiger Herdentiere singen, dann kann man deren Reaktion ja gar nicht genug als reaktionär, engstirnig, kunst- und freiheitsfeindlich brandmarken. Und, stellen sie sich vor: ich habe etliche Rapalben schwarzer Interpreten im Plattenschrank stehen auf denen erklärt rassistische, gegen Weiße (also mich) giftende Hasstexte zu finden sind (Liedtitel: "Kill Whitey", "Race War", "Fuck A Record Deal", "A Fight", "The Day the Niggaz Took Over" usw.) - und ich höre sie mir trotzdem gerne und regelmäßig an. Weil mir die Musik gefällt und ich es aushalten kann! Für verweichlichte Gestalten wie Volker Beck und Konsorten, die bei allem, was ihnen nicht in den Kram passt in gesinnungsdiktatorischer Manier immer gleich Mundtot machen! Verbieten! Einreiseverweigerung! keifen, habe ich nur kalte Verachtung übrig. Man hüte sich vor denen, die die Freiheit des Ausdrucks mit Füßen treten!

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    • verb
    • 16.09.2009 um 12:19 Uhr

    Sie sind als weisser Mann ja auch nicht gerade eine unterdrückte Minderheit, da kann man sich etwas joviale Gönnerhaftigkeit wohl leisten..........
    ich finde es immer wieder erstaunlich mit welcher Arroganz sich Angehörige der Mehrheitsgesellschaft damit gross tun, dass sie Kritik
    aushalten können, es gibt einen Unterschied zwischen der Wut der Unterdrückten auf Ihre Unterdrücker, und dem Hass der angeblich Normalen auf Minderheiten.....

    • Spez
    • 16.09.2009 um 13:22 Uhr

    Dies sagt eher etwas über dein eigenes Selbstverständnis aus, als über die Engstirnigkeit von Volker Beck.
    Wobei sich ehrlich gesagt, Volker Beck in den letzten Jahren nicht unbedingt mit Engstirnigkeit einen Namen gemacht hat.
    Ich weiß nicht was man davon halten soll, wenn ein Weißer Musik hört die zum Mord an ihn ausruft. Geschieht dies aus historischem Interesse an der Entwicklung des Hip-Hops mag es noch nachvollziehbar sein.
    Soll man sich das nun so vorstellen, dass man dann bei entscheidenden Passagen mit nickt?
    Auf jeden Fall ist die Sprache nicht entscheidend in welcher die Mordaufrufe erfolgen!
    Der Unterschied zwischen Metal und Hip-Hop liegt meiner Meinung darin, dass die einen Musik als Kunst und möglichen Ausdruck verstehen und die anderen leider so beschränkte Rezepienten haben, dass diese die Kunst nicht verstehen und leider die Aufrufe in die Wirklichkeit umsetzen.
    Siehe vergangenen Sonntag in Solln.

    • verb
    • 16.09.2009 um 12:19 Uhr

    Sie sind als weisser Mann ja auch nicht gerade eine unterdrückte Minderheit, da kann man sich etwas joviale Gönnerhaftigkeit wohl leisten..........
    ich finde es immer wieder erstaunlich mit welcher Arroganz sich Angehörige der Mehrheitsgesellschaft damit gross tun, dass sie Kritik
    aushalten können, es gibt einen Unterschied zwischen der Wut der Unterdrückten auf Ihre Unterdrücker, und dem Hass der angeblich Normalen auf Minderheiten.....

    • Spez
    • 16.09.2009 um 13:22 Uhr

    Dies sagt eher etwas über dein eigenes Selbstverständnis aus, als über die Engstirnigkeit von Volker Beck.
    Wobei sich ehrlich gesagt, Volker Beck in den letzten Jahren nicht unbedingt mit Engstirnigkeit einen Namen gemacht hat.
    Ich weiß nicht was man davon halten soll, wenn ein Weißer Musik hört die zum Mord an ihn ausruft. Geschieht dies aus historischem Interesse an der Entwicklung des Hip-Hops mag es noch nachvollziehbar sein.
    Soll man sich das nun so vorstellen, dass man dann bei entscheidenden Passagen mit nickt?
    Auf jeden Fall ist die Sprache nicht entscheidend in welcher die Mordaufrufe erfolgen!
    Der Unterschied zwischen Metal und Hip-Hop liegt meiner Meinung darin, dass die einen Musik als Kunst und möglichen Ausdruck verstehen und die anderen leider so beschränkte Rezepienten haben, dass diese die Kunst nicht verstehen und leider die Aufrufe in die Wirklichkeit umsetzen.
    Siehe vergangenen Sonntag in Solln.

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