"Soul Train" auf YouTube Was taugt der Groove?

"Soul Train" war Amerikas populärste Musiksendung im Fernsehen. Hier traten Aretha Franklin, Michael Jackson oder David Bowie auf. Nun fährt der Zug auf YouTube.

Mode, Frisuren und raffinierte Tanzschritte: Der "Soul Train" brachte afro-amerikanische Popkultur ins Fernsehen

Mode, Frisuren und raffinierte Tanzschritte: Der "Soul Train" brachte afro-amerikanische Popkultur ins Fernsehen

Die kleine Lokomotive schnauft. Aus ihrem Schornstein quellen psychedelische Farben, die Gleise verbiegen sich im Rhythmus. Ein Frauenchor frohlockt zum Beat: Get on the Soul Train. Der kurze Zeichentrickfilm ist nicht nur ein charmantes Überbleibsel der siebziger Jahre, er ist zugleich der Vorspann zu einer der populärsten Musiksendungen der amerikanischen Fernsehgeschichte.

Mehr als 1000 Fahrten schaffte der Soul Train seit seiner Premiere im Jahr 1971, bevor er vor drei Jahren aufs Abstellgleis geschoben wurde. Im Internet lebt die legendäre Musiksendung weiter. Seit einigen Monaten können User auf YouTube den offiziellen Soul Train-Kanal anklicken. Wöchentlich wird das aus Interviews und Auftritten bestehende Archivmaterial ergänzt. So bescherte ein seltenes Heimvideo der Jackson 5 der Reihe bereits rund eine Million Besucher. Ein Traum für Soul-Fans und Schlaghosennostalgiker, denn von bis Aretha Franklin bis Zapp spielte im Soul Train alles, was im Funk und R&B und freilich Soul einen Namen hatte.

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Moderiert wurde die einstündige Sendung von Don Cornelius, einem ehemaligen Nachrichtensprecher und Discjockey aus Chicago. Einmal in der Woche kündigte seine warme Bassstimme die Sendung als "the hippest trip in America" an. Das schwarze Amerika saß vor dem Fernseher. Wer sich nicht nur über die aktuellen Soul-Hits, sondern auch die neuesten Tanzschritte, Klamotten und Haarmoden informieren wollte, schaltete den Soul Train ein. Das war nicht nur eine Musiksendung, sie erlaubte auch dem weißen Amerika einen Einblick in die afro-amerikanische Popkultur. Gesponsert wurde die Sendung vom Hersteller der Haarpflegeproduktserie Afro Sheen.

Auch sonst ging es in der Sendung gepflegt zu. Don Cornelius plauderte mit den Stars, denen auch das Publikum hin und wieder Fragen stellen durfte. So möchte ein Teenager namens Dwayne vom sichtlich entspannten Marvin Gaye wissen, was er außer singen denn noch gerne tue. "Ich mache gerne Unsinn", sagt Gaye. Zweideutiges Zwinkern, die umstehenden Mädchen kichern. Der Moderator schreitet ein: "Okay, Leute, mehr Zeit haben wir nicht. Vielen Dank für die interessanten Fragen." Schmutzige Lieder und frivole Sprüche waren tabu bei Soul Train. Hier sollten sich schwarze Künstler als höflich und wohlerzogen präsentieren.

Doch Cornelius war mehr als ein Dieter Thomas Heck der Soulmusik: Als Produzent der Sendung hielt er den Soul Train bis in die späten neunziger Jahre jung und cool. Als der Schnellzug MTV auf Sendung ging, fuhr die alte Lokomotive einfach weiter. Als HipHop immer populärer wurde, lud Cornelius die Rapper in seine Sendung ein. Bald standen selbst das japanische Elektro-Trio Yellow Magic Orchestra und die Popband A-ha auf seiner Bühne. Das Programm wurde mit den Jahren abwechslungsreicher, und ins Studio-Publikum mischten sich mehr und mehr weiße Gesichter.

Dabei war der Soul Train in den ersten Jahren seiner Ausstrahlung eine schwarze Angelegenheit gewesen. Im Jahr 1975 trat der erste weiße Künstler in der Show auf – Gino Vanelli. Seitdem galt ein Auftritt bei Soul Train vielen weißen Musikern als Bewährungsprobe und Ritterschlag. In Don Cornelius' Sonderzug mussten sie sich behaupten. Was taugte der Groove? War das Lied funky genug? Wer die Soul Train Gang im Studio nicht in Schwung brachte, brauchte gar nicht erst wiederzukommen. Vor Cornelius' Mikrofon flatterten selbst den größten Bühnentieren die Nerven: Während Elton John nach seiner Darbietung von Benny & The Jets noch allerlei Höflichkeiten ins Mikrofon stammelte, brachte ein nervöser David Bowie kaum ein Wort heraus. Erst als sich die Tänzer lässig zu Golden Years bewegten, legte sich seine Aufregung wieder.

Leser-Kommentare
  1. 1. soul

    soul train is ace! we need a lot more soul!

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